23.11.2016, 07:29 Uhr | 0 |

Erster Testflug 2017 Virgin-Chef Branson will am Concorde-Nachfolger mitbauen

Die Chance, dass in wenigen Jahren die Neuauflage einer Concorde abhebt, sind stark gestiegen: Der Milliardär Richard Branson, Gründer des Raumfahrtunternehmens Virgin Galactic, steigt beim Start-up Boom ein. Die Amerikaner entwickeln derzeit ein ziviles Überschallflugzeug. Branson hat sich gleich eine Option auf die ersten zehn Überschallflieger gesichert.

Das neue Überschallflugzeug XB-1
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Schon 2017 soll ein Prototyp des Überschallflugzeuges Boom XB-1 abheben. Der Serienflugverkehr soll 2023 beginnen, genau 20 Jahre nach der Einstellung des französischen Überschallflugzeugs Concorde. Dazu will auch Virgin-Galactic-Gründer Richard Branson beitragen, der sich an der Entwicklung des Jets beteiligt.

Foto: Boom

„Ich habe eine Leidenschaft für Innovation in der Luft- und Raumfahrt und für die Entwicklung von kommerziellen Hochgeschwindigkeitsflügen“, sagte Virgin-Gründer Richard Branson. Der Milliardär kündigte an, dass sein Unternehmen The Spaceship Company, das für den Bau und Betrieb der Virgin-Galactic-Raketengleiter zuständig ist, auch Boom aktiv unterstützen wird. So will Virgin mit Entwurfs- und Konstruktionsarbeiten helfen, Teile der Produktion übernehmen und an den Flugtests teilnehmen.

2017 soll ein Prototyp in der Nähe der Edwards Air Force Base in Kalifornien abheben. Der XB-1-Prototyp soll mit einem maximalen Startgewicht von knapp 30.000 kg, einer Länge von gut 21 m und einer Spannweite von 5,2 m in die Testphase gehen. Das spätere Boom-Passagierflugzeug wird deutlich größer sein mit einer Länge von 53 m und einer Flügelspannweite von gut 18 m.

Branson will zehn Maschinen kaufen

Wie sehr Richard Branson von dem Konzept überzeugt ist, zeigt die Kaufoption, die er sich gesichert hat. Die ersten zehn Überschallflieger gehen an Virgin Galactic. 2023 soll der reguläre Flugbetrieb beginnen.

Das Flugzeug mit der Modellbezeichnung XB-1 soll auf der Langstrecke mit einer Geschwindigkeit von 2.335 km/h unterwegs sein, das entspricht Mach 2,2. Gleich drei Triebwerke vom Typ J85 von General Electric, die für gewöhnlich in Kampfflugzeugen zum Einsatz kommen, sollen für den notwendigen Schub sorgen.

Anders als noch bei der Concorde sollen die Triebwerke diesen Schub auch ohne Nachbrenner schaffen, was den Treibstoffverbrauch deutlich senken würde. Der Rumpf der XB-1 soll statt aus Aluminium aus karbonfaserverstärktem Kunststoff gefertigt werden. Die Reiseflughöhe für das Flugzeug mit Platz für 45 Passagieren liegt bei gut 18.000 m.

New York-London in nur 3,5 Stunden

Boom-Chef ist der Pilot und frühere Amazon-Manager Blake Scholl. Er betonte bei der Vorstellung des auf ein Drittel verkleinerten Prototyps der XB-1 im Hangar 14 am Centennial Airport nahe Denver den Technologiesprung seit der schlimm geendeten Concorde-Ära. „Die Designer der Concorde hatten nicht die Technologie für erschwingliche Überschallreisen, aber jetzt tun wir das. Heute sind wir stolz darauf, unser erstes Flugzeug zu enthüllen, während wir uns auf den ersten Flug spät im nächsten Jahr freuen.“

Ziel des Unternehmens ist es, dass der Preis für eine Ticket im Überschall-Flieger auf dem Niveau heutiger Business-Class-Tarife liegt. Der 3,5-stündige Hin- und Rückflug von New York nach London wäre dann für etwa 5.000 Dollar zu haben. Die Reisequalität wäre höher wie seinerzeit ein Flug mit der „Königin der Lüfte“, die mit ihrer charakteristisch gebeugten Nase ein unverwechselbares Äußeres hatte.

Auf jeder Gangseite im XB-1 ist nur ein Sitz vorgesehen. Statt der 128 Fluggäste, die eine Concorde aufnehmen konnte, sind es im XB-1 maximal 45 Passagiere. Ein Flug vom australischen Sydney nach Los Angeles soll inklusive eines Tankstopps weniger als sieben Stunden dauern. Heute sitzt man für diesen Trip 14 Stunden im Flugzeug.

Boom und Virgin sind aber nicht die einzigen, die an der Entwicklung eines zivilen Überschallflugzeuges arbeiten. Airbus will Boom zuvorkommen und schon 2021 ein ziviles Überschallflugzeug in die Luft bringen. Hier lesen Sie, welche Überschallprojekte es derzeit gibt.

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Von Detlef Stoller
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