22.04.2015, 15:13 Uhr | 0 |

ANKUNFT IN NANJING Solar Impulse 2 erreicht sechstes Etappenziel in China

Die Hälfte der zwölf Teilstrecken beim Flug um die Welt ist geschafft: Nach langer Verzögerung wegen schlechten Wetters und des Ausfalls eines Piloten ist das rein solargetriebene Flugzeug Solar Impulse 2 in Nanjing angekommen. Von dort soll es nun zu einer der schwierigsten Etappen nach Hawaii starten.

Landung in Nanjing
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Landung in Nanjing: Nach zehn Tagen Pause soll es auf die fünftägige Etappe nach Hawaii gehen.

Foto: Solar Impulse

Endlich wieder eine Erfolgsmeldung: Nach 1200 Kilometern Flug über China ist Bertrand Piccard mit seiner Solar Impulse 2 in Nanjing gelandet. Drei Wochen lang hatte das Solarflugzeug am Boden bleiben müssen, weil das Wetter keinen Flug zuließ. Nur bei wolkenlosem Himmel und geringem Wind kann der Flieger abheben. Einmal in der Luft, ist ein Flug über den Wolken möglich – aber für die Landung braucht es wieder gutes Wetter, und das muss mehrere Tage vorher schon zuverlässig vorhergesagt sein.

Dem Solar Impulse Team machte auch noch ein zweites Problem zu schaffen. Der zweite Pilot André Borschberg fiel aus gesundheitlichen Gründen aus und musste sich in der schweizerischen Heimat behandeln lassen. Borschberg ist nicht nur Partner von Piccard im Cockpit, sondern als Ingenieur auch Technikchef der Mission, die im März in Abu Dhabi startete.

Beide wollen als erste in einem rein solarbetriebenen Flugzeug die Welt umrunden. Ihre Botschaft: Die Zukunft der Mobilität ist eine, die ohne fossile Energien auskommt.

Selfie in mehr als 3.000 Metern Höhe

Piccard feierte die Landung in Nanjing ausgelassen, wenn auch erstmals ohne seinen Partner. Der 57 Jahre alte Abenteurer twitterte Fotos, die er mit ausgestrecktem Arm und mithilfe eines Selfie-Sticks aus mehr als 3.000 Metern Höhe gemacht hatte. „Nach Wochen der Unsicherheit habe ich den Flug sehr genossen“, schrieb Piccard.

Das Flugzeug soll nun etwa zehn Tage in Nanjing bleiben, bevor es eine der schwierigsten Etappen antritt. Ganze fünf Tage lang muss die Solar Impulse 2 in der Luft bleiben, um die mehr als 8000 Kilometer lange Strecke über den Pazifik zu bewältigen. Noch ist nicht klar, ob dann Borschberg wieder das Steuer übernehmen kann oder erneut Piccard im Cockpit sitzen wird.

Pazifikregion ist besonders sensibel für Luftschadstoffe

Das Flugzeug, das nur von Elektromotoren angetrieben wird, ist für solche langen Strecken mit einem Autopiloten ausgestattet, damit der Pilot zwischendurch schlafen kann. Außerdem überwacht das begleitende Team ständig die Route.

Für Piccard und Borschberg ist die Etappe über den Pazifik auch eine der wichtigsten, aus zwei Gründen: Hier ist der konventionelle Luftverkehr besonders intensiv, und die Auswirkungen auf die Umwelt besonders stark. Denn gerade weil die Luftqualität über dem „Stillen Ozean“ so gut ist, bildet sich durch die Abgase der Flugzeuge hier besonders viel bodennahes Ozon.

Letzte große Etappe von New York aus

Die zeitweiligen technischen Probleme, unter anderem der Ausfall von energiespeichernden Solarzellen, hat das Team offenbar inzwischen im Griff. Deshalb ist Piccard auch für die kommenden Etappen optimistisch. Von Hawaii aus soll es in drei Abschnitten nach New York gehen, bevor mit dem Trip nach Europa oder Nordafrika (das genaue Ziel wird noch festgelegt) die letzte große Herausforderung ansteht. Knapp 6000 Kilometer Nonstop über den Atlantik mit seinen häufig rauen Wetterbedingungen stehen dann an, bevor die Solar Impulse schließlich wieder am Startpunkt in Abu Dhabi landen soll.

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Von Werner Grosch
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