05.05.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Solar Impulse 2 Pazifiküberquerung: Solarflieger steht vor schwierigster Etappe

Jetzt steht die bislang heikelste Etappe der Weltumrundung an: Der Solarflieger Solar Impulse 2 startet voraussichtlich am Samstag die 8000 Kilometer lange Pazifiküberquerung. Für Pilot Borschberg bedeutet sie körperliche Höchstbelastung.

Solar Impulse
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Die Pazifiküberquerung bedeutet für den Piloten der Solar Impulse Höchstbelastung: kaum Schlaf, tagsüber Hitze bis 40 Grad Celsius, nachts Kälte bis minus 20 Grad. Und das ohne Heizung im Cockpit. 

Foto: Solar Impulse/dpa

Die 8127 Kilometer über den Pazifik – von Nanjing in Ostchina nach Hawaii – werden den Piloten André Borschberg an die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit bringen. In einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AP fragt er sich selbst: „Kann ich für diese Etappe wach bleiben und kann ich dieses Flugzeug steuern, kann ich meine Energie auf dem richtigen Niveau halten, kann ich die Nerven behalten, meinen Geisteszustand bewahren, um dieses Flugzeug nach Hawaii zu bekommen?“ 

Die Fragen werden ihn noch einige Tage beschäftigen: Eigentlich sollte Solar Impulse 2 am heutigen Dienstag die siebte Etappe der Weltumrundung starten. Doch es geht frühestens am Samstag los, teilte das Flugteam mit.

Fünf Tage lang Powernaps statt Schlaf

Borschberg weiß genau, was auf ihn zukommt: Der 62-Jährige muss fünf Tage und Nächte lang die meiste Zeit wach bleiben, um das Flugzeug unter Kontrolle zu halten – er kann sich lediglich acht 20-minütige Powernaps leisten.

Ob das 120 Stunden lang gut geht? Borschbergs längster Flug im Solarflieger war wesentlich kürzer, er dauerte 26 Stunden. Doch vielleicht wacht der Geist von Charles Lindbergh über ihn, wenn der gefährliche Sekundenschlaf zuzuschlagen droht. Der US-amerikanische Pilot überquerte 1927 als erster Pilot allein den Atlantik – er war 33 Stunden und 30 Minuten in der Luft. Verlassen muss sich der Pilot darauf aber nicht. Ein virtueller Co-Pilot löst einen schrillen Alarmton aus, sobald etwas Unvorhergesehenes passiert.

Minus 20 Grad Celsius im unklimatisierten Cockpit 

Doch nicht nur die Müdigkeit wird hart, sondern auch die hohen Temperaturunterschiede: Tagsüber fliegt Borschberg relativ niedrig, in 1500 Meter Höhe. Im Cockpit wird es dann mit bis zu 40 Grad Celsius muckelig warm. Nachts, wenn die Solarkollektoren keinen Strom erzeugen können, steigt er auf 8500 Meter, um in den Segelflug überzugehen und die Motoren zu entlasten.

epa04715301 A handout picture made available by Solar Impulse on 22 April 2015 shows Solar Impulse 2 shortly after it landed in Nanjing, China, late 21 April 2015. The aircraft completed the sixth leg of its flight around the world. The fuel-free aircraft will stay in Nanjing for about ten days before setting off for a Pacific crossing, the most perilous legs in its global journey. EPA/SOLAR IMPULSE HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Solar Impulse bei der Landung in Nanjing (China): Eigentlich sollte der Flieger Dienstag nach Hawaii starten. Die siebte Etappe beginnt laut Flugteam aber frühestens Samstag.

Foto: SOLAR IMPULSE

Dabei sinkt die Temperatur auf bis zu minus 20 Grad. Borschberg: „Es ist jeden Tag Winter und Sommer im Cockpit.“ Und das Cockpit ist weder klimatisiert noch geschützt gegen Druck – Borschberg muss nachts daher eine Sauerstoffmaske tragen. Harte Bedingungen. 

Anschließende Etappen sind Phoenix und New York

Solar Impulse ist bald schon zwei Monate unterwegs: Am 9. März startete der 2300 Kilogramm leichte Solarflieger, um den Beweis anzutreten, dass ein Flugzeug allein mit Erneuerbaren Energien die Welt umrunden kann. Die Energie für die vier elektrischen 15-Kilowatt-Motoren liefern 17.000 Solarzellen, die auf den Flügeln montiert sind.

Bislang machte der Flieger auch Zwischenstationen in Oman, Indien, Myanmar und China. Nach Hawaii sind Stopps in Phoenix und New York vorgesehen. Danach geht es über den Atlantik zurück Richtung Osten. 

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Von Patrick Schroeder
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