17.05.2016, 11:57 Uhr | 0 |

Desaster für Airbus Militärtransporter A400M muss wegen Haarrissen in die Werkstatt

Airbus Defense and Space droht mit dem Militärtransporter A400M ein weiteres Desaster. Jetzt sollen wegen feiner Haarrisse im Flugzeugrumpf alle bereits ausgelieferten Maschinen in die Werkstatt zurück, um Teile des Rumpfes auszutauschen. Das soll sieben Monate dauern – pro Maschine. Die Suche nach einer Alternative zum A400M hat schon begonnen.

A400M der Bundeswehr in Incirlik
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Eine A400M des Lufttransportgeschwader 62 der Bundeswehr auf dem südtürkischen Flugplatz in Incirlik: An dem Militärflugzeug wurden nun Haarrisse festgestellt. Teile des Rumpfes müssen ausgetauscht werden.

Foto: Andrea Bienert/Bundeswehr

Es ist eine haarige Sache mit Haarrissen, vor allem dann, wenn von diesen Haarrissen die Befestigungen der Flügel eines Flugzeugs betroffen sind. Es geht – mal wieder – um Probleme mit dem Militärtransporters Airbus A400M. Am Freitagabend hatte das Verteidigungsministerium den Bundestag darüber informiert, dass Hersteller Airbus an allen bisher ausgelieferten Maschinen Teile des Rumpfs wegen Haarrisse an Innenverstrebungen austauschen wolle.

Denn diese Innenverstrebungen sind an einer besonders kritischen Stelle des Transportflugzeugs eingebaut. Sie bilden die Verbindung des Mittelrumpfes zu den Tragflächen mit den Triebwerken. Airbus selber kalkuliert für diese Reparaturmaßnahme mindestens sieben Monate pro Maschine ein.

„Seifenoper mit täglich schlechten Nachrichten“

Das Verteidigungsministerium räumt im Schreiben an den Bundestag erstmals schriftlich ein, aufgrund der zahlreichen Probleme beim A400M nicht mehr unverbrüchlich an der Seite von Airbus zu stehen. So heißt es in dem Schreiben, das Ministerium habe mit den „Überlegungen zur Überbrückung einer möglicherweise mittelfristig eintretenden Fähigkeitslücke den richtigen Weg eingeschlagen“.

Im Bundestag sind die Abgeordneten Kummer mit dem A400M gewöhnt. Bei der Entwicklung des Flugzeuges traten immer wieder technische Probleme auf, erst Jahre später als geplant wurden die ersten Maschinen ausgeliefert. Die Bundeswehr erhielt ihren ersten A400M Ende 2014 mit vier Jahren Verspätung. Entsprechend sarkastisch sind die Reaktionen. „Inzwischen entwickeln sich die Neuigkeiten beim A400M zu einer Seifenoper mit täglich schlechten Nachrichten“, sagte der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner am Freitagabend.

Betroffenen Bauteile werden im friesischen Varel gefertigt

Gefertigt werden die jetzt betroffenen Bauteile beim Airbus-Zulieferer Premium Aerotec in Varel am Jadebusen in Niedersachsen. Entdeckt wurden die Haarrisse bereits an einem A400M, der 2013 nach Frankreich ausgeliefert wurde. Es sind die sogenannten Spante, das sind Rippen aus Metall, die den Rumpf der Riesenflieger stabilisieren.

An diesen Spanten sind auch die Tragflächen mit ihren schweren Turbinen befestigt. Die Verbindungspunkte sind Laschen an den Spanten, die „Wing Attachment Frames“ genannt werden. An diesen Laschen, gefertigt aus einer speziellen Aluminiumlegierung, sind offenbar Ermüdungsrisse aufgetreten.

Die Pannenserie des A400M will nicht enden

Es ist ja beileibe nicht das erste Mal, dass Airbus beim Militärtransporter A400M große Schwächen zeigt. Im Januar 2015 listete das Verteidigungsministerium insgesamt 161 Mängel am A400M auf. Nach dem Absturz einen A400M in Spanien erteilte die Bundeswehr dem Flugzeug im Mai 2015 sogar ein Startverbot.

Angesichts der jetzt bekannten Verzögerungen erhöht der Koalitionspartner SPD den Druck auf Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). „Es ist jetzt höchste Zeit, dass die Ministerin entschlossen handelt“, sagte SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold der Süddeutschen Zeitung. „Wir brauchen Flugzeuge vom Typ C-130J – erstens als Ersatz für den A400M, der immer später kommt und noch lange nicht das kann, was er können soll. Und zweitens als Ergänzung, weil der A400M bestimmte Dinge nie können wird, etwa auf kleinen, weniger stark befestigten Pisten landen.“

Transall verliert in fünf Jahren die Flugberechtigung

So kann der A400M in Gao, wo die Bundeswehr im Mali-Einsatz stationiert ist, nur auf der Start- und Landebahn entladen werden, weil er zu schwer für das übrige Gelände ist, was die Bahn blockiert. Das Flugzeug vom Typ C130J ist ein militärisches Transportflugzeug der Lockheed Corporation, das pro Stück gut 100 Millionen $ kostet.

Die Bundeswehr massiv steht unter Druck: Die altersschwachen Transall-Flugzeuge müssen dringend ausgemustert werden, in fünf Jahren verlieren sie ihre Flugberechtigung. Mit den neuen Verzögerungen beim A400M dürfte es eng werden mit dem Ersatz.

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Von Detlef Stoller
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