16.09.2016, 14:54 Uhr | 2 |

Testflüge in Frankfurt Lande-Navi für Piloten sorgt für leisere Landungen

Die Anwohner großer Flughäfen sind wohl am meisten gespannt, ob das Experiment klappt: Ende September wird ein Airbus immer wieder auf dem Frankfurter Flughafen landen – so leise wie möglich. Die 17 Piloten werden dazu von einem Lande-Navi beraten.  

Airbus A320 ATRA des DLR
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Der Airbus A320 ATRA des DLR im Landeanflug: Demnächst wird das Flugzeug zahlreiche Landemanöver auf dem Frankfurter Flughafen durchführen. Eine Lande-Navi wird dabei besonders lärmschonende Landungen ermöglichen.

Foto: DLR

„Verkehrsgünstig gelegen“ ist in Immobilienanzeigen nicht immer positiv – vor allem die allzu gute Anbindung an einen Flughafen kann nervenaufreibend sein, wenn der Wind den Fluglärm direkt ins Ohr weht. Speziell die Landungen sorgen für erhebliche Lärmbelastungen. Doch da lässt sich was machen.

Denn es macht lärmtechnisch einen erheblichen Unterschied, wann und in welchen Höhen Lande- und Störklappen aus- und eingefahren werden. Diese Klappen setzt jeder Pilot sehr individuell ein, um Schub zu erzeugen, zu bremsen, um mal steiler, mal flacher den Flughafen anzusteuern. Erst, wenn die Flugzeuge ihre Stabilisierungshöhe von etwa 1.000 Fuß oder 300 Metern erreicht haben, laufen die Landungen in der Regel nach einem exakten Standard ab.

Standards machen laute Korrektur-Manöver überflüssig

Diese Standards, die optimale und damit leisere Landungen ermöglichen, will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) jetzt bereits vor der Stabilisierungshöhe etablieren, um unnötige und somit unnötig laute Manöver überflüssig zu machen. Helfen soll dabei das Pilotenassistenzsystem LNAS (Low Noise Augmentation System), das am 28. und 29. September am Frankfurter Flughafen getestet wird – unter Realbedingungen und mitten im Hochbetrieb.

Zum Einsatz kommt das DLR-Forschungsflugzeug Airbus A320 ATRA. Natürlich ist das Lande-Navigationsgerät im Vorfeld bereits ausgiebig und erfolgreich im Simulatorzentrum des DLR in Braunschweig getestet worden. 17 Piloten von vier verschiedenen Fluggesellschaften nahmen an den Simulatorflügen teil.

Intuitiv zu verstehende Grafiken

LNAS führt den Piloten per Display, auf dem intuitiv zu verstehende Grafiken eingeblendet werden, Schritt für Schritt durch ein optimiertes und möglichst leises Landeverfahren. „Der Pilot sieht das ideale vertikale Anflugprofil, das in unterschiedliche Phasen aufgeteilt ist", erklärt LNAS-Projektleiter Dr.-Ing. Fethi Abdelmoula vom Braunschweiger DLR-Institut für Flugsystemtechnik.

Sowohl das Setzen der Landeklappen, das Erreichen der Zwischenflughöhe und das Ausfahren des Fahrwerks seien jeweils markiert, so dass der Pilot langfristig planen und den Sinkflug von der Reiseflug- bis zur Stabilisierungshöhe möglichst gleichmäßig auf niedrigem Schubniveau und ohne unnötige Schubveränderungen meistern könne. Das führt zu weniger Lärm und ganz nebenbei auch zu einem niedrigeren Energieverbrauch, so der Plan.

Anflugprofil wird in Echtzeit angepasst

Jetzt ist aber nicht jeder Flughafen gleich, und Wind und Wetter spielen ebenso wie das Flugzeuggewicht oder die Vorgaben des Flugverkehrsmanagements eine wichtige Rolle – nicht umsonst ist das Landemanöver eine besonders arbeitsintensive Phase, die eine hohe Konzentration und Reaktionsbereitschaft erfordert. Schema F wäre da mehr als hinderlich.

Deshalb ist LNAS so programmiert, dass von der Idealvorgabe abweichende Handlungen des Piloten ebenso wie sich ändernde Umgebungsbedingungen sofort erfasst und einbezogen werden: Das Assistenzprogramm errechnet direkt ein angepasstes Anflugprofil. Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen hierbei das Einhalten der Stabilitätsbedingungen, eine möglichst niedrige Triebwerksdrehzahl und die vollständige Vermeidung des Einsatzes von lärmintensiven Bremsklappen.

Anwohner unterstützen Projekt zur Lärmreduktion

Unterstützt wird das DLR-Forschungsprojekt vom Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) in Kelsterbach mit mehreren hunderttausend Euro. Das UNH ist eine Einrichtung des Landes Hessen, die vor dem Hintergrund der konfliktträchtigen Situation rund um den Frankfurter Flughafen entstanden ist und nach eigener Aussage neutral zwischen den Interessensgruppen vermitteln will.

Dass Lärmreduktion ein zentrales Thema ist, verwundert nicht: Die knapp 16.000 Einwohner zählende Stadt Kelsterbach grenzt direkt an den Frankfurter Flughafen an. Der wiederum ist der wichtigste Luftverkehrsknoten Deutschlands mit entsprechender Flugfrequenz.

Weitere Maßnahmen in der Erprobung

Das LNAS ist nicht die einzige Stellschraube zur Verminderung von Fluglärm, an der in Deutschland gedreht wird. Ebenfalls in Frankfurt wurde zum Beispiel ein System mit der Bezeichnung „RNP to xLS“ getestet, das die Flugzeuge satellitengestützt und möglichst exakt um Siedlungen herum führt, wie das Online-Portal airliners.de schreibt. Ein anderes Verfahren namens „Point Merge“ auf Basis des Reißverschlussprinzips werde zudem noch bis Ende des Jahres in Leipzig/Halle getestet.

Gegenschall reduziert den Lärm der Triebwerke

Aber es gibt auch ganz andere Ansätze, um Fluglärm zu reduzieren. Im Landeanflug kann Lärm auch dadurch reduziert werden, indem die Piloten mit niedrigen Geschwindigkeiten die Landebahn ansteuern. Zudem experimentiert das DLR auch mit Gegenschall, um den Lärm der Triebwerke zu reduzieren.

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Von Judith Bexten
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kommentare
17.09.2016, 20:16 Uhr Progetti
Zu den Landebahnen führende Einflug- Schneisen könnten zur Lärmminderung mit im Querschnitt V- förmigen vom Boden ausgehenden Fünfundvierzig- Grad- Ultraschall- Barrieren ausgestattet werden, die nur dort gezündet werden, wo das Flugzeug gerade fliegt.
Dadurch wird die Lärm- Energie etwa vertikal nach oben reflektiert, weil die longitudinal schwingenden ultraschallerregten Luftteilchen deutlich mehr Energie besitzen als die lärmerregten Luftteilchen, die dann etwa horizontal schwingend auftreffen. Die Lärm- Frequenzen werden dabei hochfrequent zerhackt und dadurch unhörbar.
Aber bei in Zukunft senkrecht startenden Flugzeugen wird der Fluglärm sowieso deutlich verringert!

21.09.2016, 08:07 Uhr laermgegner
Ingenieure ( bin auch einer ) haben eine soziale Komponete bei ihrer Arbeit zu beachten - erkenne ich bei diesem Thema aber nicht. Es ist nicht mal erkennbar, dass 1 + 1 zusammengezählt wird. Mathe ist auch ein Fremdwort !Warum ?

Es wird von immer leiseren Verfahren und leiseren Triebwerken gessprochen, bei zunehmenden Flugverkehr ? Von sparsamen Verbrauch und was weiß ich gesprochen, aber immer Berechnungsverfahren präsentiert, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben.

Erzählen Sie mal der Poiizei, wenn sie mit erhöhter Geschwindigkeit erwischt wurden, dass sie nur einmal am Tag gefahren sind, dass den restlichen Tag, das Auto in der Garage gestanden hat - und so die Durchscnittsgeschwindigkeit pro Tag fast Null ist. Geht nicht ? Doch, die Flugzeuglobby macht das für Fluglärm.

Und was nutzen die ganzen - hier genannten Spielereien ? Für die Schwerstbetroffenen von Fluglärm trifft genau das Gegenteil ein, sie werden noch mehr belastet ! Bei einem Anflugwinkel von 3 ° bleibt für die Betroffenen in 4 km Umkreis nichts übrig.

Staatssekr. Bomba - der erklärte in der Einflugschneise von FM zu leben , und über 60 km weg wohnt, ja da ist es etwas anderes- aber so sind die sogenannten technsichen Erfolge Augenwichserei.

Die Feinstaubbelastung scheint überhaupt kein Thema zu sein - deshalb ist der Beitrag nur eine Beruhigungspille .

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