30.05.2016, 07:29 Uhr | 0 |

Häufiger als angenommen In den USA kommen jeden Tag drei Drohnen einem Fugzeug zu nah

Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA berichtet für die neun Monate vom November 2014 bis einschließlich August 2015 von insgesamt 764 Fällen, in denen unbemannte Flugkörper Verkehrsflugzeugen oder anderen Zivilflugzeugen zu nahe gekommen sind. Das sind im Schnitt 85 Fälle im Monat. In Europa ist es nicht ganz so schlimm. 

Gefahr durch Drohnen
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Eine private Drohne fliegt am 26. März 2016 in knapp zehn Metern Flughöhe über einem Garten bei Breitscheid in Nordrhein-Westfalen, als in weiter Entfernung ein Flugzeug beim Anflug auf den Flughafen Düsseldorf zu sehen ist. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) dürfen Drohnen auch in Kontrollzonen von Verkehrsflughäfen fliegen, wenn sie mindestens 1,5 km Mindestabstand zur Flugplatzbegrenzung einhalten und nicht höher als 50 m fliegen. Trotz klarer Regelungen kommt es vor allem durch die Unwissenheit von privaten Drohnenbesitzern immer häufiger zu gefährlichen Zwischenfällen.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Aber schlimm genug: Allein schon Großbritannien zählte 2015 nach Angaben der britischen Luftfahrtbehörde CAA (Civil Aviation Authority) insgesamt 40 derartiger Annäherungen – 2014 waren es erst neun gewesen. Amerikaner wie Briten rechnen für die Zukunft mit kräftig weiter steigenden Zahlen. 

Kollisionsgefahr fast immer in der Nähe von Flughäfen

Die gefährlichen Annäherungen von unbemannten Flugkörpern an Verkehrsflugzeuge spielen sich fast ausnahmslos in unmittelbarer Nähe von Flughäfen ab. Das liegt daran, dass die kleinen Drohnen, um die es sich dabei regelmäßig handelt, überwiegend niedrig fliegen. Die bemannten Flugzeuge aber nähern sich der Flughöhe der Drohnen meist nur wenn sie starten oder landen. Zwar gibt es rund um Flughäfen und Luftwaffenstützpunkte so genannte No-Fly-Zonen. An diese Einschränkung des Drohnenbetriebs hält sich aber nicht jeder, der eine Drohne fliegen lässt. 

Zudem fliegen nicht alle Drohnen tief wie etwa ein Vorkommnis im Dezember 2015 zeigt, als sich ein solches unbemanntes Fluggerät in 8000 Fuß Höhe (2438 m) einem Verkehrsflugzeug näherte. Die von der CAA vorgelegte Liste der 21 als “gefährlich” markierten Begegnungen in der Zeitspanne vom September 2015 bis Ende Februar 2016 führt sieben Fälle auf, in denen die Begegnungen in für Drohnen hoher Flughöhe stattfanden. Das ist immerhin ein Drittel der Gesamtzahl.  

ARCHIV - Daniel Gurdan, Geschäftsführer von Ascending Technologies, steuert am 04.05.2011 in Krailling bei München (Oberbayern) ein Flugsystem (Drohne) mit Fotokamera. Der Chip-Riese Intel setzt bei Drohnen auf Technik aus Deutschland. Der US-Konzern übernimmt die Firma Ascending Technologies aus Krailing bei München, die unter anderem Autopilot-Software für die kleinen Fluggeräte entwickelt. Foto: Marc Müller/dpa (zu dpa «Intel kauft Drohnen-Entwickler aus Deutschland» vom 04.01.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Drohnen in Privathänden werden immer häufiger zum Problem für Verkehrsflugzeuge.

Foto: Marc Müller/dpa

Unterteilt nach dem Ort der Begegnung entfielen 14 Fälle auf den Großraum der fünf Londoner Verkehrsflughäfen, dreimal war es in Manchester, einmal jeweils in Leeds und in Southampton. Die beiden restlichen Fälle betreffen einen Luftwaffenstützpunkt und einen kleineren Luftverkehrslandeplatz.

Annäherung differiert von Fall zu Fall stark 

Als am 17. April dieses Jahres eine Drohne und ein aus Genf kommender, zur Landung ansetzender Airbus A320 von British Airways tatsächlich kollidierten, hielt sich der Schaden in minimalen Grenzen. Die Drohne hatte nur den Rumpf des Flugzeugs getroffen und war nicht von einem der beiden Triebwerke angesaugt worden. Zum Glück.

Denn eine Drohne im Triebwerk hätte vermutlich nicht nur den Motor zerstört, sondern die sichere Landung der Maschine gefährdet. Der Airbus wurde nach dem Vorfall untersucht und rasch wieder für den Flugbetrieb freigegeben. Die britische Flugunfallbehörde, UK Air Accidents Investigation Branch, beschäftigt sich aber eingehend mit diesem Vorfall.

In den anderen 20 Fällen der CAA-Liste ist es nicht zu einem Zusammenstoß gekommen. Die größte Annäherung brachte Drohne und Flugzeug bis auf sechs Meter aneinander.

Schmales Spektrum möglicher Sicherheitsvorkehrungen

Der britische Pilotenverband BALPA fordert die umgehende Kennzeichenpflicht für sämtliche Drohnen. Nur so sei der Eigentümer der Drohne zu ermitteln. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA hat bereits vor kurzem eine Kennzeichenpflicht für alle Drohnen eingeführt, die mehr als 250 g und weniger als 25 kg wiegen. Für Drohnen mit einem höheren Gewicht als 25 kg gelten ohnehin andere Vorschriften, die die Kennzeichenpflicht einschließen.

Von Seiten der britischen Politik wird ein ähnliches Kennzeichnungssystem wie jenes der Amerikaner angestrebt – und zwar möglichst schnell. Die britische Flugsicherung aber wünscht mehr. Ihr Ziel ist es, dass selbst ganz kleine Drohnen ständig Signale ausstoßen, die sie auf den Computern der Fluglotsen rund um die Flughäfen – also im Nahbereich – sichtbar machen. Damit könnten Verkehrsflugzeuge von den Fluglotsen im Gefahrenfall zu Ausweichmanövern veranlasst werden.

Drohnen können Verkehrsflugzeugen aber auch nutzen: Wenn diese durch Blitzeinschläge oder Kollisionen mit Vögeln beschädigt sein könnten, ist die Suche nach diesen äußerlich oft nur sehr kleinen Beschädigungen mühsam. Meist dauert diese Arbeit viele Stunden, in denen das Flugzeug am Boden bleiben muss. Easyjet testet die Inspektion per Drohne und Lidar-Technik. Das verkürzt die Spurensuche auf 20 min. 

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Von Peter Odrich
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