04.12.2015, 12:52 Uhr | 0 |

Von der Schweiz bestellt Hermes 900 – eine Drohne, die auch elektronisch kämpfen kann

Die schweizerischen Streitkräfte haben bei dem israelischen Wehrtechnik-Konzern Elbit Systems sechs Drohnen des Typs Hermes 900 für mehr als 180 Millionen € bestellt. Was diese Drohne alles kann erfahren Sie hier.

Drohne Hermes 900 aus Israel
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Drohnen spielen für die Luftwaffen von immer mehr Ländern eine zunehmend wichtigere Rolle. Dabei geht es keineswegs nur noch um Aufklärungsaufgaben. Längst fliegen auch bewaffnete Drohnen. Neu sind nun immer stärker auf die elektronische Störung gegnerischer Systeme und Rechner ausgelegte Nutzlasten für Drohnen. Ein Musterbeispiel dafür ist die israelische Drohne Hermes 900.

Foto: Elbit Systems

Auf den ersten Blick ist die allwettertaugliche Hermes 900 Drohne etwa doppelt so groß und leistungsfähig wie ihr mit bisher schon mehr als 300.000 Einsatzstunden besonders erfolgreiches Vorgängermodell Hermes 450. Tatsächlich gehen aber einzelne Leistungsdaten noch über eine Verdopplung hinaus. Das gilt etwa für die Nutzlast von jetzt 350 kg, die höchstmögliche Einsatz- oder Flugzeit von 40 Stunden und die erreichbare Flughöhe von mehr als 9000 m.

Die Hermes 900 weist eine Spannweite von 15 m und eine Länge von 8,3 m auf. Das maximale Startgewicht liegt bei 1,1 t. Die Einsatzsteuerung der Hermes 900 läuft über die gleiche Elbit Systems’ Universal Ground Control Station, die auch für die kleinere 450 benutzt wird. Dabei kann ein Operator mit einer Station gleichzeitig zwei Drohnen betreiben, wobei es keine Rolle spielt, ob beide vom gleichen Hermes-Typ sind.

Extrem vielseitige Flug-Elektronik

Die Hermes 900 benötigt für Start und Landung nicht unbedingt einen Flughafen. Eine Straße reicht aus. Denn sie verfügt über ein vollautomatisches System, das auch die Landung auf Rollbahnen ohne jegliche elektronische Befeuerung ermöglicht. Alle wichtigen Steuerfunktionen sind doppelt oder sogar dreifach ausgelegt, um für jeglichen Notfall gerüstet zu sein.

Die Hermes 900 kann von der normalen Flugsicherung kontaktiert werden und gibt sich automatisch als “Freund” oder “Feind” zu erkennen. Auch eine Satelliten-Kommunikation ist möglich. Dabei kann sie auch als Relaisstation zu weit entfernten Boden- oder Seestreitkräften dienen.

Antrieb durch Dieselmotor

Bei der Auswahl der zu kaufenden Drohne spielte für die schweizerische Armee die Ausrüstung mit einem Dieselmotor eine wichtige Rolle. Dahinter steht – nach schweizerischen Angaben – die Überlegung soweit es irgend machbar ist, eine einheitliche Treibstoffversorgung zu ermöglichen.

Eingebaut in die Hermes 900 wird ein Rotax Motor kanadischer Entwicklung mit einer Leistung von 115 PS. Dieser Motor verleiht der Hermes 900 eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Die normale Geschwindigkeit, die eine möglichst lange Verweildauer in der Luft sichern soll, beläuft sich auf 110 km/h. 

Extreme Spannweite im Nutzlast-Angebot 

Eine Besonderheit der Hermes 900 Drohne liegt in dem äußerst umfangreichen Nutzlastangebot. Die Schweizer Armee gibt keine genaue Auskunft, was in die von ihr bestellten Flugkörper eingebaut wird. Die offizielle Erklärung der Schweizer besagt, dass die Drohnen vor allem mit “Intelligence”-Funktionen, also für Aufklärungszwecke, ausgestattet sein werden.

Vermutlich ist das aber nur die halbe Wahrheit. Die Schweizer Drohnen werden wohl auch Geräte zur elektronischen oder IT-Kriegsführung umfassen. Am wichtigsten ist dabei das Skyfix/Skyjam-Comint/DF Communications snooping & optional COMJAM Störsystem, das sowohl vielfältige Abhör- als auch elektronische Störmöglichkeiten bietet. Im Rahmen dieser Ausrüstung ist es zudem möglich, an gegnerische zivile wie militärische Einrichtungen Steuerbefehle zu übermitteln, die dort zu starken Fehlfunktionen führen, wenn die gegnerische Abwehr nicht auf dem allerneuesten Stand der Technik ist.

Israel setzt seit mehr als zehn Jahren bewaffnete Drohnen ein. Auch die Hermes 900 könnte bewaffnet werden. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Schweizer an dieser Funktion nicht all zu sehr interessiert sind.

In Russland wird aktuell an einer superschweren Drohne mit einem Startgewicht von 20 Tonnen gearbeitet, die 2020 startklar sein soll. Im Fokus steht hier eine neue aktive wie passive Radartechnik.  

Im Vordergrund steht Radar-Elektronik

Die neueren Drohnen von KRET zeichnen sich sowohl durch eine neue aktive wie passive Radartechnik aus. Das aktive Radar arbeitet mit Niedrig-Frequenz-Impulsen, um Flugzeuge, Drohnen und Raketen aufzuspüren. Vor allem geht es dabei um die Früherkennung der amerikanischen besonders modernen Kampfflugzeuge von Typ F22 und F35.

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Von Peter Odrich
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