22.07.2014, 15:22 Uhr | 0 |

Konkrete Hinweise auf Abschuss Experten untersuchten Fotos von abgestürzter Boeing

Ein Foto von einem der Trümmerteile des über der Ost-Ukraine abgestürzten malaysischen Fliegers wird von Fachleuten als Indiz für einen Abschuss der Passagiermaschine gewertet. Damit gibt es erstmals konkrete Hinweise, die die bisherigen Spekulationen stützen, wonach eine Rakete des russischen „Buk“-Flugabwehrsystems zum Absturz führte.

Trümmerteil MH17
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Trümmerteil der Boeing 777: Beim Flug MH17 der Malaysia Airline am 17. Juli kamen alle 295 Bordinsassen ums Leben.

Foto: dpa

Die Experten des Verteidigungs-Fachverlags IHS Jane´s fanden auf einem Foto eines Trümmerteils Schrapnell-Spuren. Nach einem Bericht der New York Times sind sie ein Zeichen dafür, dass eine Rakete mit Überschallgeschwindigkeit das Flugzeug zerstört hat. Als Beleg für ihre Vermutung führten sie den abgeplatzten Lack an der Außenseite des Wrackteils an. Das stammt offenbar vom Flugzeugrumpf der Maschine und wurde von einem Fotografen der New York Times aufgenommen.

Am vergangenen Donnerstag war über der Ost-Ukraine ein Passagierflugzeug einer malaysischen Fluglinie abgestürzt. An Bord befanden sich 298 Menschen, 193 von ihnen stammen aus den Niederlanden, außerdem sind vier Deutsche unter den Opfern. Wer für den Abschuss verantwortlich ist, werden erst die Untersuchungen zeigen. Derzeit beschuldigen sich ukrainische Armee und prorussische Separatisten gegenseitig.

Black Box kann jetzt untersucht werden

Die anhaltenden Kämpfe in der Bürgerkriegsregion behinderten zunächst die Untersuchung des Absturzes. Inzwischen haben die prorussischen Separatisten jedoch den Flugschreiber der Maschine Vertretern Malaysias übergeben. Die Black Box, zu der Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder gehören, ist intakt und kann jetzt ausgewertet werden.

epa04325060 Forensic experts from Netherlands jump out of the wagon after they check the bodybags lying in one of the train's refrigerated coaches that preseves the bodies of the victims of Boeing 777 Malaysia Airlines flight MH17, which crashed during flying over the eastern Ukraine region, at the railway station of Torez, some 90 Km east from Donetsk, Ukraine, 21 July 2014. A team of Dutch forensic experts, accompanied by OSCE inspectors and guarded by rebel soldiers arrived today to check the remains of the plane crash victims. The MH17 victims' remains are be stored in refrigerated railway coaches and are to be taken to a laboratory in Kharkiv, more than 250 kilometres north of the crash site and far from rebel-held territory. Senior OSCE members and Dutch forensic specialists were allowed by separatists to check the bodies after being loaded into the refrigerated wagons. A Malaysia Airlines Boeing 777 with more than 280 passengers on board crashed in eastern Ukraine on 17 July. The plane went down between the city of Donetsk and the Russian border, an area that has seen heavy fighting between separatists and Ukrainian government forces. EPA/ROBERT GHEMENT +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Forensik-Experten aus den Niederlanden kommen aus dem Kühlzug, der die Leichen nach Charkow bringen soll. Dort haben niederländische Spezialisten ein Zentrum zur Identifizierung der Opfer eingerichtet.

Foto: dpa

Bei der Übergabe erklärte der Anführer der prorussischen Separatisten, Alexander Borodaj, er habe im Umkreis von zehn Kilometern um das abgeschossene Flugzeug Waffenruhe angeordnet. Den internationalen Experten sagte er sicheren Zugang zur Unglücksstelle zu. Seit gestern befinden sich 14 Fachleute in der ukrainischen Stadt Charkow, 300 Kilometer von der Absturzstelle in der Nähe von Grabowo entfernt. Von dort aus haben sie bislang versucht, sich per Ferndiagnose einen Überblick zu verschaffen. Sie forderten von den Fachleuten an der Absturzstelle weitere Panoramabilder und detaillierte Fotos von Rumpf und Cockpit.

Identifizierung in den Niederlanden geplant

Auch die Opfer des Flugzeugabsturzes wurden inzwischen zum größten Teil geborgen und aus dem Kampfgebiet herausgebracht. Nach internationalen Medienberichten wurde heute Mittag ein Kühlzug mit Überresten von 251 Passagieren in Charkow erwartet. Dort haben niederländische Spezialisten ein Zentrum zur Identifizierung der Opfer eingerichtet. Die Niederlande wollen die Opfer aber so schnell wie möglich aus der Ukraine herausbringen. „Die Identifizierung geht in den Niederlanden viel schneller“, sagte Ministerpräsident Mark Rutte. 

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Von Andrea Ziech
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