12.04.2013, 10:59 Uhr | 0 |

Luftfahrt Die 787 könnte bald wieder in der Luft sein

Immer wieder hieß es, die 787 von Boeing werde bald wieder abheben - doch die Freigabe durch die Behörden zieht sich hin. Japanische wie amerikanische Zulassungsbehörden wollen Risiken vermeiden, denn noch ist die Ursache der Pannen bei den Lithium-Ionen-Batterien unklar. So wird auch die nur eingeschränkte Nutzung des Fliegers diskutiert.

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Flugverbot: Die Boeing 787 hat derzeit keine Starterlaubnis von den Flugbehörden.

Foto: dpa

Seit Mitte Januar werden die modernsten Flieger von Boeing, die 787, von der amerikanischen Federal Aviation Authority (FAA) und japanischen Civil Aviation Bureau (JCAB) am Boden gehalten. Grund waren Brände und Rauchentwicklung bei den Lithium-Ionen-Batterien in zwei der derzeit 50 im Liniendienst fliegenden Boeing 787. Allein den Hersteller Boeing dürfte das Grounding der Flugzeuge bisher 500 Mio. Dollar gekostet haben. Und noch haben die Fluggesellschaften ihre Forderungen nach Kompensationen nicht gestellt.

Am Freitag vergangener Woche unternahm Boeing mit einer 787 einen letzten Testflug, um die Batterieprobleme zu lösen. Mit an Bord: neue Lithium-Ionen-Batterien mit einem verstärkten, feuersicheren Gehäuse, besserer Isolation zwischen den Batteriezellen und einem System, mit dem im Fall von Rauchentwicklung an den Batterien dieser Rauch aus dem Flugzeug abgeleitet werden kann (VDI nachrichten 11/2013).

Die Flugdaten dieses Testflugs gehen jetzt an die FAA. Boeing hofft auf eine schnelle Zustimmung zu den technischen Lösungen für die Batterien durch die FAA und schließlich eine Aufhebung des Flugverbots.

Schon Ende März war Boeing-Chef Jim McNerney davon ausgegangen, dass die 787 bald wieder den normalen Flugbetrieb bei den Fluggesellschaften aufnehmen könnte.

Doch es bleiben Zweifel, wie schnell das geht, zumal das Fachblatt Flight International "zunehmende Spannungen" zwischen der US-Untersuchungsbehörde, dem National Transport Safety Board (NTSB) und Boeing entdeckt hat. Boeing hatte, trotz laufender Untersuchungen des NTSB über Ursachen und Art der Pannen, öffentlich diese Untersuchungen kommentiert, was der gängigen Praxis bei solchen Untersuchungen widerspricht.

Japanische wie amerikanische Spezialisten gehen nach Agenturmeldungen davon aus, dass Feuer und starke Rauchentwicklung bei den beiden Lithium-Ionen-Batterien Folge eines "thermischen Durchgehens" (thermal runaway) in den Batterienzellen gewesen sei, eine Lesart, der Boeing nicht zuzustimmen scheint. Allerdings ist auch die Ursache dieses thermischen Durchgehens noch nicht gefunden.

Sowohl diese Woche (11. bis 12. 4.) sowie zwei Wochen später (23. bis 24. 4.) wird der NTSB Anhörungen zum Einsatz von Lithium-Ionen Batterien in Flugzeugen durchführen. Das Ergebnis der Untersuchungen durch den NTSB ist maßgeblich für die Zulassung der neuen Batterien durch die FAA.

Erschwerend kommt hinzu, dass kürzlich auch noch zwei Lithium-Ionen-Autobatterien Probleme machten. So fing Mitte März eine solche Batterie in einem i-Mev von Mitsubishi Feuer beim Laden. Wenig später überhitzte in einem Mitsubishi Outlander-Hybrid eine Batterie und schmolz teilweise.

Hergestellt wurden diese Batterien von einem Joint Venture von Mitsubishi und GS Yuasa – dem Unternehmen, das auch die Lithium-Ionen-Batterien für die Boeing 787 herstellt. Fachleute wiesen jedoch unmittelbar nach den Vorfällen darauf hin, dass diese Batterien sich wesentlich von den in der 787 genutzten unterscheiden.

Auch der Japan Transport Safety Board (JTSB) hat in dieser Woche noch einmal Tests an der im Januar im südjapanischen Takamatsu notgelandeten 787 durchgeführt. Die japanischen Flugaufsichtsbehörden werden sich zu einer Freigabe der Flieger erst dann entschließen können, wenn auch die US-Behörden eine Freigabe befürworten. Wie lange das tatsächlich dauern wird, ist offen, zumal die Zulassungsbehörden in Japan und den USA kaum bereit sein werden, Risiken einzugehen.

Denn nach einer Untersuchung des Medienunternehmens Bloomberg sind 70 % aller Todesopfer bei Flugzeugunglücken in den letzten 20 Jahren deshalb gestorben, weil es den Zulassungsbehörden nicht gelungen war, Sicherheitslücken bei der Zulassung neuer Flugzeuge zu finden oder vorherzusehen.

Das JCAB, das Mitte dieser Woche die Testberichte der FAA bekam, gab sich so auch zurückhaltend, was die Wiederaufnahme der Flüge angeht. Fluggesellschaften wie United oder Qatar Airways planen aber bereits, ihre Flüge mit der 787 spätestens Ende Mai wieder aufnehmen zu können.

Denkbar wären allerdings auch Zwischenschritte. Die japanische Fluggesellschaft ANA, die allein 17 Boeing 787 besitzt, soll bereits mit der Schulung ihrer Piloten begonnen haben, damit diese ab Juni mit dem regulären Flugbetrieb wieder beginnen können. Presseberichten zufolge soll Ana aber auch überlegen, die 787 zuerst nur als Frachtflieger zu nutzen, bis sich zeigt, dass die Batterien zuverlässig arbeiten.

Eine ebenfalls diskutierte Variante ist die, die 787 vorerst nur auf Inlandsstrecken einzusetzen und nicht auf den transatlantischen oder transpazifischen Langstrecken, für die sie eigentlich ausgelegt ist. Bei Einsätzen auf Kurzstrecken wären die Flieger im Fall einer Panne bei den neuen Batterien nahe an Flughäfen. Reuters berichtete zudem, dass die FAA eine Startgenehmigung für sämtliche 787 vorerst nur auf Kurzstrecken beschränken könnte.

Für Boeing scheint das Problem mit der 787 bereits erledigt zu sein: 1 Mrd. Dollar will das Unternehmen in sein Werk in Charleston (South Carolina) stecken, wo die 787, auch Dreamliner genannt, gefertigt wird. moc

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Von Wolfgang Mock | Präsentiert von VDI Logo
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