28.05.2013, 07:00 Uhr | 0 |

Drohnen aus Siegen Deutsche Bahn setzt lautlose Mini-Helikopter gegen Sprayer ein

Die Deutsche Bahn testet in den kommenden Wochen den Einsatz unbemannter Mini-Hubschrauber, um Graffiti-Sprüher auf frischer Tat zu ertappen und juristisch belangen zu können. Die Drohnen sind mit Wärmbildkameras ausgerüstet und fliegen geräuschlos über die Abstellplätze der Bahn, um Sprayer aufzuspüren.

Drohne md4-1000 der Firma Microdrones beim Einsatz in Frankfurt
Á

Drohnen der Siegener Firma Microdrones sollen künftig der Deutschen Bahn helfen, Sprayer zu entlarven, die nachts abgestellte Wagons beschmieren. Die Drohnen können fast lautlos in der Luft stehen und ein Gelände mit Wärmebildkameras überwachen.

Foto: Microdrones

„Wir müssen neue Wege bei der Graffiti-Bekämpfung gehen“, erklärt der Sicherheitschef der Deutschen Bahn, Gerd Neubeck. Die Graffiti-Schmierereien im Netz der DB nehmen jährlich zu: Die Schäden liegen bei rund sieben Millionen Euro pro Jahr. Deshalb kommt jetzt ein Mini-Helikopter zum Einsatz, der wie eine Drohne arbeitet. Während des Fluges nimmt er mit einer Wärmebildkamera Personenbewegungen wahr und filmt diese. Der Flugschreiber hält alle Daten des Fluges fest, inklusive der Standortdaten. Ein Pilot und ein Operator am Boden werten die Daten aus. Mit den gerichtsfest dokumentierten Informationen können die Sprayer daraufhin juristisch belangt werden.

Helikopter schafft einen Radius bis zu 40 Kilometer

Dank seines Akkus kann der Mini-Hubschrauber etwa 80 Minuten lang in der Luft bleiben und bis zu 54 km/h fast geräuschlos fliegen. Die Flughöhe zur Überwachung der Täter beträgt 150 Meter. Wird der Hightech-Flieger per Hand gelenkt, hat er einen Radius von 500 Meter. Wird hingegen der Autopilot eingeschaltet, schafft der Flieger einen Radius von bis zu 40 Kilometer.

Einsatz des Helikopters vorerst nur auf DB-Gelände

Aus Gründen des Datenschutzes wird die Drohne jedoch vorerst nur im Luftraum und auf dem Gelände der Deutschen Bahn eingesetzt. Auf den Abstellanlagen für Züge soll den Sprayern zunächst das Handwerk gelegt werden. Insgesamt fand die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr 14.000 Graffitis. Dem Unternehmen entstand 2012 dadurch ein Schaden in Höhe von 7,6 Millionen Euro. Der Hightech-Flieger, der jetzt eingesetzt wird, kostet das Unternehmen pro Stück 60 000 Euro.

Einsetzbar ist die Drohne aber auch, um die wachsende Zahl von Metalldieben in den Griff zu bekommen. 2012 hat die Bahn 558 Metalldiebe festgenommen, der Schaden belief sich auf 17 Millionen Euro. Wegen Kupfer- und Metalldiebstählen fielen im vergangenen Jahr mehr als 17 000 Züge aus und verkehrten mit großen Verspätungen aufgrund notwendiger Umleitungen. Gestohlen werden vor allem Kabel von Oberleitungen, aber auch Schienenstücke und Schrauben. Auch hier könnten die Mini-Helikopter helfen, den Dieben das Handwerk zu legen.

Die Bahn-Drohne kommt aus Siegen in NRW

Hergestellt wird die Drohne vom Siegener Unternehmen Microdrones. Das Unternehmen, das 2005 gegründet wurde, hat sich auf unbemannte Fluggeräte spezialisiert. Die Bahn nutzt die Flugplattform md4-1000. Dabei handelt es sich laut Microdrones-Sprecher Michael Thoss gegenüber ingenieur.de um miniaturisierte Quadrokopter, die vertikal starten und landen können. Das Modell, für das sich die Bahn entschieden hat, ist seit 2010 auf dem Markt und wurde bislang rund 250-mal verkauft.

Die Drohne kann beispielsweise zur Überwachung von Baustellen oder für Filmaufnahmen in besonders sensiblen Bereichen genutzt werden. So hat das Unternehmen aus seiner Homepage ein Video veröffentlicht, dass ein md4-1000 in der Serengeti aufgenommen hat.

Fluggerät wiegt nur rund fünf Kilogramm

Die Karosserie des in Siegen entwickelten Fluggerätes besteht aus Kohlefasern und wiegt ja nach Ausstattung 4,5 bis 5,5 Kilogramm, so Thoss. Die Nutzlast liegt bei 1200 Gramm. Selbst bei Regen, Schnee und Staubbelastungen kann die md4-1000 ohne Probleme fliegen. Für den Antrieb ist der Mini-Hubschrauber mit vier bürstenlosen Motoren ausgestattet, die ohne Getriebe arbeiten. Daraus ergibt sich eine geringe Geräuschentwicklung von unter 68 dBA, gemessen schwebend in einer Entfernung von drei Metern.

Bauteile und Elektronik widerstehen nach Angaben des Herstellers Temperaturen von bis zu 130 Grad, so dass die Drohnen auch über Bränden eingesetzt werden können. Auch bei starkem Wind seien die Geräte flugfähig und könnten im automatischen GPS-Position-Hold-Modus ohne Nutzereingaben über einem Einsatzort schweben.

Nach Angaben des Unternehmens sind die Drohnen geeignet für den Einsatz bei Anti-Terror-Operationen und die Drogenbekämpfung, zur Gelände-Kartierung aus der Luft, für Tracking & Monitoring von Kontamination bei Nuklearenunfällen und für das Monitoring bei Katastrophen und großen Unfällen. Denkbar ist auch die Grenzüberwachung, die Bekämpfung von Wilderei sowie die Unterstützung bei der Bekämpfung von Waldbränden.

Anzeige
Von Petra Funk & Christian Cürten
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden