10.03.2016, 13:33 Uhr | 0 |

Zeppelin NT Das größte Passagierluftschiff der Welt startet mit Propellern

Bei einer gemütlichen Geschwindigkeit von 70 km/h fliegt der moderne Zeppelin NT am Bodensee in etwa 300 m Höhe Leute spazieren. „Fliegen“ ist in diesem Fall die richtige Bezeichnung, denn anders als seine Vorgänger ist der Zeppelin NT schwerer als Luft und startet mit Hilfe seiner Triebwerke.

Er ist ungefähr so lang wie ein Airbus A 380, insgesamt aber etwas schlanker und nur etwa acht Tonnen schwer: Mit 75 m Länge und einem Hüllenvolumen von 8425 Kubikmetern ist der Zeppelin NT das derzeit größte Passagierluftschiff der Welt. Eine neue Technologie, die sich in der Bezeichnung „NT“ wiederfindet, unterscheidet den Zeppelin NT von seinen riesigen Vorgängern ebenso wie von Gas- und Heißluftballons. Er fährt nicht, sondern er fliegt. Denn er ist schwerer als die Luft. Zwar sorgt das Helium im Inneren der gewaltigen Hülle für Auftrieb, doch der Zeppelin NT startet mit einer statischen Schwere von etwa 350 kg bis maximal 400 kg. Drei 200 PS starke Flugmotoren treiben den Zeppelin an.

Senkrecht starten und rückwärts fliegen

Nach Angaben des Herstellers, der ZLT Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co KG, ist der Zeppelin NT weltweit der einzige Luftschiff-Typ, der eine starre Innenstruktur besitzt. Aluminiumträger, verstärkende Bauteile aus Carbonfasern und Aramidseile bilden ein dreieckförmiges Gerüst im Inneren. Dieses innere Tragwerk wiegt insgesamt gerade mal 1100 kg und gibt dem Luftschiff zusammen mit dem leicht überhöhten Innendruck seine Form. Das unterscheidet den Zeppelin NT auch von einem so genannten Prallluftschiff, das kein inneres Gerüst hat. Es bleibt lediglich durch den Überdruck des Gases im Inneren in Form.

Die schwenkbaren Seiten- und Hecktriebwerke des Zeppelin NT sorgen mit einem Schwenkwinkel von bis zu 120 Grad dafür, dass das Luftschiff kann, was Flugzeuge nicht können: senkrecht starten, auf der Stelle schweben, sich um die eigene Hochachse drehen, rückwärts fliegen und punktgenau landen. Alle Hauptkomponenten des Zeppelins NT, wie die Kabine, die Leitwerke und die Antriebe, sind am inneren Tragwerk befestigt – die Motoren in großem Abstand zur Gondel. Das Grundkonzept der starren Struktur und der daran befestigten neuartigen Schwenkpropeller gewährleistet Herstellerangaben zufolge optimale Sicherheit und eine bisher nie erreichte Manövrierfähigkeit.

Die Hülle des Zeppelin NT besteht aus reißfestem Mehrschichtlaminat. Sie wird mit nicht brennbarem Helium gefüllt, bis ein leichter Überdruck von 5 mbar erreicht und die Hülle damit prall gefüllt ist. Die Luftkammern, die sogenannten Ballonets, halten im Inneren den Druck bei jeder Flughöhe konstant.

In der Bodenseeregion fliegt der Zeppelin NT in etwa 300 m Höhe und mit einer gemütlichen Geschwindigkeit von etwa 70 km/h Leute spazieren. Seine Spitzengeschwindigkeit liegt jedoch bei 125 km/h und die maximale Flughöhe bei 3000 m ü.NN. Seine Reichweite beträgt 1000 km, seine maximale Flugdauer etwa 24 Stunden.

Bei 35 km/h Windgeschwindigkeit ist Schluss

Außer zwei Piloten und der Flugbegleitung können je nach Konfiguration bis zu zwölf Fluggäste mitfliegen. Alle bekommen einen Platz am Fenster.

Aufgrund seines ruhigen und vibrationsarmen Fluges eignet sich das moderne Luftschiff aber nicht nur für den Flugtourismus, für Rund- und Charterflüge, sondern auch für Langzeitüberwachungs- und Beobachtungsprojekte sowie als fliegendes Labor für die Wissenschaft. Ein drittes Einsatzfeld ist die Luftwerbung.

Wenn die Wolkenuntergrenze unter 400 m sinkt, die Sicht am Boden weniger als 5 km beträgt, Nebel, Hagel oder Schneefall herrschen oder Gewitter vorhergesagt sind, werden keine Passagierflüge mit dem Zeppelin NT durchgeführt ­– obwohl Blitzeinschläge die Flugeigenschaften Herstellerangaben zufolge nicht beeinträchtigen. „Zum Wohle der Fluggäste“ werden Passagierflüge außerdem bei Windstärken über 35 km/h eingestellt, heißt es in den FAQ der Deutsche Zeppelin-Reederei und der ZLT Zeppelin Luftschifftechnik. Dann ist im modernsten Luftschiff der Welt wohl Schluss mit der Gemütlichkeit. 

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Von Susanne Neumann
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