08.07.2015, 15:02 Uhr | 0 |

Fenster erzeugen Strom Boeing testet neue Techniken an alter TUI-Maschine

Eine späte Karriere als Forschungsflugzeug hat kurz vor ihrer Verschrottung ein Ferienflieger der TUI angetreten. Der Flugzeughersteller Boeing nutzt die betagte 757, um neue grüne Techniken an dem alten Flieger zu erproben. Derzeit absolviert der TUI-Flieger Testflüge in den USA.

Auftanken der Boeing ecoDemonstrator 757
Á

Auftanken der Boeing ecoDemonstrator 757: Das Forschungsflugzeug erprobt gerade das Fliegen mit Kerosin, das 5 % Biosiesel enthält.

Foto: Boeing

Die Testreihe ist Teil des ecoDemonstrator-Programms von Boeing, mit dem der Hersteller neue, grüne Techniken möglichst schnell in den Flugzeugbau integrieren will. Dazu arbeitet Boeing eng mit TUI, der Nasa und der Aircraft Fleet Recycling Association zusammen. Die TUI will beispielsweise die neuen Techniken, die sich bereits für den Einsatz bewähren, in seiner Flotte nutzen.

„Ziel des Boeing ecoDemonstrator Programms ist es, unseren Kunden neue, umwelteffizientere Technologien und Flugzeuge schneller zur Verfügung zu stellen“, erklärt Mike Sinnet, Vice President of Product Development bei Boeing. Beispielsweise testet der ecoDemonstrator 757, so die offizielle Bezeichnung der TUI-Maschine, eine Krüger-Blende an der linken Tragfläche, die die Eintrittskante vor Insekten schützen kann.

Durch spezielles Coating den Luftwiderstand reduzieren

An der rechten Tragfläche hat die Nasa insektenabweisende Beschichtungen aufgebracht, die die Insektenrückstände an den Vorderkanten der Tragflächen reduzieren sollen. Durch beide Techniken soll der Luftwiderstand reduziert werden, indem eine bessere Laminarströmung über die weitere Tragfläche ermöglicht wird, so Boeing.

Dabei bedienen sich Boeing und Nasa einer von der Universität Michigan vor zwei Jahren entwickelten Technik, die allerkleinste Poren in der Außenhaut durch so genanntes Super-Phobic-Coating verschließt. Dies geschieht mit Hilfe von PDMS-Nanopartikel. Bei PDMS handelt es sich um Polydimenthylsiloxan.

Am Seitenleitwerk testen Nasa und Boeing die aktive Strömungskontrolle zur Verbesserung des Luftstroms über das Seitenruder und zur Maximierung der aerodynamischen Effizienz, teilte der Hersteller mit. Testreihen im Windkanal ergaben eine höhere Effizienz des Seitenleitwerkes von rund 20 %. Jetzt soll die aktive Strömungskontrolle in der Praxis getestet werden.

 Schwerpunkt der aktuellen Testflüge über Seattle ist zudem die Energieeinsparung und Stromproduktion an Bord. So hat Boeing die Fenster der Maschine ausgetauscht. Erprobt werden neue Fenstertypen, die sogar die Energiegewinnung während des Fluges erlauben.

5 % Biodiesel im Kerosin

Aus den sehr hohen Temperaturunterschieden zwischen der Außenluft, die um -50 °C liegt, und dem Flugzeuginneren, wo die Passagiere bei 20 °C reisen, sollen neuartigen Fenster Strom erzeugen. Während bislang Fenster sogar Strom verbrauchen, um sie gegen das starke Sonnenlicht zu dimmen, sollen die neuen Fenster nicht nur das Sonnenlicht filtern, sondern Strom ins Bordnetz einspeisen.

Zum laufenden Testprogramm gehören auch Flüge, bei denen dem normalen Kerosin zusätzlich Biodiesel beigemischt wird, so wie das im Kraftfahrzeugbetrieb schon seit langem üblich ist. Boeing experimentiert mit Biodieses-Anteilen von 5 %. In diese Versuche ist auch das Langley Research Center der Nasa in Hampton in Virginia eingeschaltet.

Die Boeing 757 der TUI ist 25 Jahre alt

Bei der Boeing 757 handelt es sich um ein altes, längst nicht mehr hergestelltes Flugzeugmuster, das aber nach wie vor besonders für Mittelstrecken und kürzere Langstrecken eingesetzt wird. TUI flog mit deutschen wie britischen Kennzeichen eine größere Zahl dieser Maschinen, die rund 250 Sitze aufweisen. Inzwischen werden diese Flugzeuge allerdings ausgemustert und durch die Boeing 787 Dreamliner ersetzt. Die von Boeing eingesetzte 757 von TUI wurde 1990 hergestellt und hat heute für die Testserien die amerikanische Zulassung N757ET.

Solche Versuche werden gerne mit alten, ausgemusterten Maschinen durchgeführt. Diese sind besonders billig zu haben, der Schaden durch missglückte Tests ist vergleichsweise gering. Die Erprobung neuer Techniken an neuen Maschinen würde zudem dazu führen, dass diese nur noch als gebrauchte Verkehrsmaschinen mit erheblichem Wertverlust verkauft werden könnten.

Anzeige
Von Peter Odrich & Axel Mörer-Funk
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden