20.08.2013, 16:58 Uhr | 0 |

Smartphone als Pilot Autonomes Fluggerät für drinnen und draußen

Wiener Forscher haben einen Quadcopter gebaut, der sich an Hand der Kamera eines Smartphones orientiert. Dessen Rechenleistung reicht aus, um es zu steuern. Kontakt mit einer Bodenstation ist überflüssig.

Der Quadcopter der TU Wien.
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Der Quadcopter der TU Wien.

Foto: TU Wien

Ein Smartphone geht in die Luft, in Wien jedenfalls. Es ist das Herzstück eines Quadcopters, also einer Art Hubschrauber, der von vier kreuzförmig angeordneten Rotoren angetrieben wird. Das Virtual-Reality-Team des Instituts für Softwaretechnik und interaktive Systeme der Technischen Universität Wien hat dem schlauen Telefon eine App verpasst, die das Fluggerät steuert. Es orientiert sich, wenn es ausgereift ist,  ausschließlich optisch, also an markanten Punkten auf der Erde. Bisher werden Quadcopter von Hand gesteuert oder per Funk mit Hilfe einer Software in einem Computer am Boden. Den Wienern genügt die mittlerweile üppige Rechenleistung des Smartphones. Lediglich zur Koordination der Motoren und Steuerungselemente ist noch ein Mikrokontroller installiert.

Bodensensoren sind bald überflüssig

Ziel der vierköpfigen Gruppe ist ein Quadcopter, der völlig autonom fliegt, auch in geschlossenen Räumen. Er lässt sich beispielsweise nutzen, um Rettungskräften einen Überblick über das Ausmaß von Naturkatastrophen und Unfällen zu verschaffen. Derzeit muss das Fluggerät noch trainiert werden. Das Team bringt am Boden optische Codes an, mit deren Hilfe sich der Quadcopter orientiert. Gleichzeitig registriert er sonstige markante Punkte, die er beim nächsten Flug nutzt. Nach und nach fertigt er auf diese Weise eine virtuelle Landkarte an, die er auf den nächsten Flügen zur Orientierung nutzt. Damit kann er sogar ganz gezielt Orte ansteuern, die ihm von seinen Programmierern vorgegeben werden. „Später soll der Quadcopter ohne die Sensoren am Boden auskommen und sich ausschließlich mit Hilfe von vorhandenen Orientierungspunkten zurechtfinden“, sagt Annette Mossel, die Chefdesignerin des Fliegers, den sie gemeinsam mit Diplomanden baute.

Auf den Kauf eines fertigen Fluggeräts haben die Wiener Forscher verzichtet. Sie entwarfen es selbst und bauten es mit so geringem Kostenaufwand, dass das Smartphone die teuerste Komponente ist. Ein GPS-Empfänger, wie er in Navigationsgeräten steckt, ist nicht an Bord. Das funktioniert in geschlossenen Räumen nicht, durch die der Quadcopter ebenfalls schwirren soll, etwa, um in einem brennenden Gebäude Verletzte zu finden.

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Von Wolfgang Kempkens
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