15.11.2013, 10:26 Uhr | 1 |

Schnellstes Flugzeug der Welt Aufklärer von Lockheed soll Mach 6 fliegen können

Der amerikanische Flugzeugbauer Lockheed will ein Aufklärungsflugzeug entwickeln, das so hoch und schnell fliegen kann, dass keine gegnerische Abwehrrakete ihm etwas anhaben könnte. Die SR-72 wäre mit sechsfacher Schallgeschwindigkeit das mit Abstand schnellste Flugzeug der Welt.

SR-72 von Lockheed
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Der amerikanische Rüstungskonzern Lockheed plant die Entwicklung eines neuen Überschallflugzeuges. Die SR-72 soll die sechsfache Schallgeschwindigkeit erreichen und damit für Abwehrsysteme nicht erreichbar sein.

Foto: Lockheed

Noch vor ganz kurzem konzentrierten sich die Entwicklungen der Flugzeugbauer auf „unsichtbare“ Flugzeuge wie den sogenannten Tarnkappenbomber. Durch Formgebung und Oberflächenbeschaffenheit können solche Flugzeuge Radargeräte nicht aufspüren. Dies führte bisher zu einem ständigen Wettkampf in der Weiterentwicklung der Radartechnik und der Flugzeugtechnik.

Nun will Lockheed einen anderen Weg gehen und wieder ein Flugzeug entwickeln, das durchaus auf dem Radarschirm zu sehen ist. Es soll zugleich aber so hoch und schnell fliegen, dass keine Rakete, geschweige denn ein Abfangjäger erreichen kann.

Lockheed hat mit Überschallflugzeugen große Erfahrungen

Der erste Fernaufklärer, durch den Lockheed berühmt geworden ist, war die U-2 , ein Flugzeug, das auch einmal allen Abwehrwaffen davon flog. Das ging solange gut, bis die Russen es doch schafften, durch eine Neuentwicklung eine U-2 abzuschießen.

Später baute Lockheed die SR-71, einen Fernaufklärer, der mit 3,2-facher Schallgeschwindigkeit um die Erde rasen konnte. 1976 flog die US Air Force mit einem SR-71 Blackbird in weniger als zwei Stunden von New York nach London und erreichte Geschwindigkeiten von mehr als Mach 3.

Die SR-71 steht allerdings längst im Museum, so auch im größten europäischen Luftfahrtmuseum in Duxford in Großbritannien, weil sie längst nicht mehr schnell genug ist, um den schnellsten Abwehrraketen zu entkommen. Nun strebt Lockheed eine Verdopplung auf sechsfache Schallgeschwindigkeit an, um auf Jahre hinaus einen Vorsprung gegenüber den modernsten Abwehrwaffen zu haben.

Zu den großen Schwierigkeiten gehört die Triebwerksfrage:Moderne Jet-Triebwerke lassen in der Regel nur Geschwindigkeiten zu, die lediglich geringfügig über 2 Mach, die doppelte Schallgeschwindigkeit, hinausgehen. Möglich ist der Einsatz von so  genannten Ramjets, einer Art Raketentriebwerken, die aber den Nachteil haben, dass sie mindestens die drei- bis vierfache Schallgeschwindigkeit brauchen, um ein Flugzeug selbst antreiben zu können. Diese Geschwindigkeit lässt sich aber mit den herkömmlichen Motoren nicht erreichen.

Die SR-72 soll 6 Mach schnell fliegen

Für die SR-72 setzt Lockheed in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Wehrtechnikunternehmen Aerojet Rockdyne auf einen Antrieb des Flugzeugs mit einem Standard-Jetfighter-Motor, entweder von General Electric (F110) oder von Pratt & Whitney (F100). Mit einigen Zusatzaggregaten, über die Lockheed bisher nichts sagen will, soll die Geschwindigkeit der SR-72 auf rund 2,5 Mach gesteigert werden, ehe dann ein Ramjet-Motor einsetzt, der durch verschiedene Veränderungen auf eine niedrigere Anfangsgeschwindigkeit als die bisher notwendigen 3 bis 4 Mach ausgelegt ist. Dieser Weg wird von Lockheed nicht nur als gangbar, sondern zugleich auch als relativ kostengünstig eingeschätzt.

Ob die SR-72 tatsächlich gebaut wird, hängt allerdings vom amerikanischen Militär ab:Allein schon von den Entwicklungskosten her gibt es in der westlichen Welt aber nur ein einziges Land, das sich ein Flugzeug für Aufklärungszwecke wie die SR-72 leisten könnte. Und das sind die Vereinigten Staaten. Ob die SR-72 aber tatsächlich gebaut werden wird, hängt entscheidend davon ab, ob das amerikanische Militär das Geld zusammenbringt, um diese viele Milliarden Dollar teure Entwicklung bezahlen zu können.

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Von Peter Odrich
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kommentare
15.11.2013, 19:23 Uhr Progetti
Schnell zu sein ist nicht alles, zufallsgeneratorgesteuerte Kurven wären erforderlich, um eine Zielerfassung zu erschweren.

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