18.07.2014, 16:24 Uhr | 0 |

Russland in der Kritik Absturz von Flug MH17: Widersprüche und Schuldzuweisungen

Bei der am Donnerstag über der Ostukraine abgestürzten Boeing 777 sind alle 298 Passagiere an Bord ums Leben gekommen. Für die USA steht fest, dass die Maschine – entweder von ukrainischer oder von russischer Seite – gezielt abgeschossen wurde. Zwei Flugschreiber sind offenbar geborgen worden.

Brennende Trümmer der über der Ost-Ukraine abgestürzten Boeing 777
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Ein Bild der Zerstörung: brennende Trümmer der abgestürzten Boeing 777. Die Maschine der Malaysia Airlines war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur, als sie offenbar in 10.000 Meter Höhe über der Ost-Ukraine abgeschossen wurde. 

Foto: dpa

Der Absturz der Maschine der Malaysia Airlines im Osten der Ukraine nahe der russischen Grenze hat weltweit Bestürzung ausgelöst und sogleich die Frage aufgeworfen, ob und wenn ja von wem die Maschine gezielt abgeschossen wurde. Die Staatschefs von Russland und der Ukraine, Wladimir Putin und Petro Poroschenko, haben bislang gegenseitig Schuldzuweisungen und Vorwürfe ausgetauscht. Das Gebiet, in dem die Boeing 777 abgestürzt ist, wird von prorussischen separatistischen Rebellen beherrscht, gegen die die ukrainische Regierung vorgeht. „Terroristen haben fast 300 Menschen mit einem Schlag getötet“, sagte Präsident Poroschenko. Putin hielt dagegen, dass die harte militärische Vorgehensweise der Ukraine gegen die Separatisten zur Instabilität in der Region geführt habe.

„Die Krise wird angeheizt durch russische Unterstützung“

Auch die Amerikaner gehen davon aus, dass der Absturz der Maschine kein Unfall war. „Wir haben noch nicht alle Fakten, aber das Ereignis ist im Zusammenhang mit der Krise in der Ukraine zu sehen. Diese Krise wird angeheizt durch russische Unterstützung für die Separatisten, durch Waffen, Material und Training“, heißt es in einer Verlautbarung des Weißen Hauses. Nicht nur die Amerikaner vermuten inzwischen, dass eine Boden-Luft-Rakete gezielt auf die Boeing 777 abgefeuert worden ist. Die Infrarot-Kamera des US-Verteidigungsministeriums und militärische Aufklärungssatelliten, so berichten die US-Medien, hätten dies inzwischen bestätigt.

epa04321002 The Pro-Russian self-proclaimed governor of the Donetsk region Paul Gubarev (3-L) looks on the Boeing 777, Malaysia Arilines flight MH17 debris, which crashed during flying over the eastern Ukraine region near Donetsk, Ukraine, 18 July 2014. A Malaysia Airlines plane with 295 people on board crashed at 17 July in eastern Ukraine, and both the government and separatist rebels fighting in the area denied shooting it down. All passengers on board Flight MH17 from Amsterdam to Kuala Lumpur are feared dead. Malaysia Airlines said that it lost contact with Flight MH17 at 1415 GMT, about 50 kilometres from the Russia-Ukraine border. The plane was carrying 280 passengers and 15 crew members, the airline said. EPA/ANASTASIA VLASOVA +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Der selbsternannte prorussische Gouverneur der Region Donezepa Paul Gubarev (3.v.l) besichtigt die Absturzstelle.

Foto: EPA

Falls die Maschine tatsächlich von einer Boden-Luft-Rakete, mutmaßlich vom Typ „Buk“, getroffen worden ist, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, wer sie abgefeuert hat. Während die Separatisten dementierten, dass sie im Besitz dieses aus spätsowjetischer Zeit stammenden Waffensystems seien, will der ukrainische Geheimdienst Telefongespräche abgehört haben, die anderes belegen.

Hielten Separatisten die Boeing für eine ukrainische Militärmaschine?

Demnach hätte Igor Strelkow, der als „Verteidigungsminister“ der selbsternannten „Volksrepublik Donezk“ fungiert, damit geprahlt, in der Gegend von Tores im Donezker Gebiet ein Flugzeug „vom Himmel geholt“ zu haben. Die „Kyiv Post“ berichtete, dass die Separatisten die Boeing wohl irrtümlich für eine Transportmaschine des ukrainischen Militärs gehalten hätten. In den Tagen zuvor waren sowohl ein Transportflugzeug als auch ein Kampfjet der Ukraine in diesem Gebiet abgeschossen worden.

Im Interview mit dem Nachrichtensender n-tv zeigt sich der Osteuropa-Experte Klaus Segbers sicher, dass es sich bei der Rakete, die wahrscheinlich zum Abschuss von MH17 führte, um ein russisches Fabrikat handelt. Gleichzeitig zweifelte er daran, dass die prorussischen Rebellen in der Lage seien, dieses hoch entwickelte System inklusive Radar bedienen zu können. Amerikanische Militärexperten halten dies zwar für möglich, aber nur mit russischer Hilfe. „Ob es nun die Russen selber waren, oder von ihnen aufgerüstete Separatisten macht keinen nennenswerten Unterschied“, wird der amerikanische Senator John McCain in der deutschen Tagesschau zitiert.

Die Boeing flog oberhalb der von der Ukraine festgelegten Flugverbotszone

Unterdessen haben die Aufständischen in der Ostukraine zugesagt, den nationalen und internationalen Ermittlern freien Zugang zur Absturzstelle gewähren zu wollen. Von den Separatisten selbst sei eine Black Box des Flugzeuges gefunden und nach Moskau gebracht worden. Außerdem soll ein zweiter Flugschreiber gesichert worden sein.

epa04321133 Personal belongings and luggage of passengers between debris of the Boeing 777, Malaysia Arilines flight MH17, which crashed during flying over the eastern Ukraine region near Donetsk, Ukraine, 18 July 2014. A Malaysia Airlines plane with 295 people on board crashed at 17 July in eastern Ukraine, and both the government and separatist rebels fighting in the area denied shooting it down. All passengers on board Flight MH17 from Amsterdam to Kuala Lumpur are feared dead. Malaysia Airlines said that it lost contact with Flight MH17 at 1415 GMT, about 50 kilometres from the Russia-Ukraine border. The plane was carrying 280 passengers and 15 crew members, the airline said. EPA/ANASTASIA VLASOVA +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Gepäck und persönliche Sachen aus dem nahe Donetsk in der Ukraine abgestürzten Flugzeug: 280 Passagiere und 15 Crew-Mitglieder befanden sich an Bord des Fliegers. Es gibt keine Überlebenden.

Foto: dpa

Die Maschine der Malaysia Airline befand sich zum Zeitpunkt des Absturzes auf etwa 10.000 Metern Höhe. Das lag oberhalb der von den ukrainischen Behörden festgelegten Flugverbotszone. Während die US-Luftfahrtbehörde bereits vor drei Monaten ihren Fluggesellschaften den Flug über dem betreffenden Gebiet generell untersagt hatte, war bisher der Überflug für viele andere Fluglinien kein Problem, zumal in dieser großen Höhe. Inzwischen haben auch andere Nationen, darunter Frankreich, reagiert und die Order ausgegeben, das ukrainische Luftgebiet zu meiden, bis die Ursache des Absturzes geklärt ist.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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