20.11.2014, 10:22 Uhr | 0 |

Studie zur Sicherheit Unfallrisiko bei Pedelecs und normalen Fahrrädern gleich hoch

Eine Studie zeigt, dass Pedelecs trotz ihrer höheren Geschwindigkeit nicht unfallgefährdeter sind als Fahrräder ohne Hilfsmotor. Trotzdem stellen die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Zweiräder neue Anforderungen an die Infrastruktur. 

Stuntman demonstriert Unfall mit Fahrrad
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Nach einer Studie der Technischen Universität Chemnitz im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer ist das Unfallrisiko für Radfahrer mit und ohne Hilfsmotor gleich hoch. Allerdings müssen Pedelec-Fahrer bei höheren Geschwindigkeiten mit schwereren Verletzungen rechnen. 

Foto: Carsten Rehder/dpa

Traumhaft: Radfahren ohne angestrengt in die Pedale treten zu müssen; sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, ohne dabei bergauf gleichzeitig schwitzen zu müssen. Pedelecs bieten diese Option. Die Fahrräder mit Elektromotor-Unterstützung schaffen bis zu 25 km/h, S-Pedelecs werden sogar bis zu 45 km/h schnell. Die Bikes mit dem Hilfsmotor sind beliebt: Allein 2013 wurden rund 410.000 Pedelecs gekauft; vornehmlich von älteren Menschen, aber nicht nur.

Studie im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer

So bequem das auch ist – sind die Pedelecs denn auch sicher? Oder sind die Zweiräder durch ihre höhere Geschwindigkeit unfallträchtiger als normale Drahtesel, die allein durch Muskelkraft betrieben werden? Arbeitspsychologen und Sportgerätetechniker der Technischen Universität Chemnitz wollten es genau wissen. Im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer untersuchten sie die Unfallträchtigkeit von Pedelecs.

Ausgehend von der Frage, wie sich die potenziell höhere Geschwindigkeit auf das Fahrverhalten und das Unfallgeschehen auswirken, vergleichen sie den Radleralltag samt aller brenzligen Situationen von 31 Fahrrad-, 49 Pedelec- und 10 S-Pedelec-Fahrern miteinander. Dafür rüsteten sie die fahrbaren Untersätze der insgesamt 90 Teilnehmer im Alter von 16 bis 83 Jahren mit Kameras und Sensoren aus, um das alltägliche Fahrverhalten der Probanden vier Wochen lang zu untersuchen. Außerdem befragten sie die Pedalritter zu ihrer subjektviven Einschätzung.

Unfall-Situationen bei allen Fahrradtypen gleich

Was dabei herauskam, kann je nach Lesart beruhigend für die Pedelec-Fahrer sein – oder beunruhigend für die Gesamtheit der Zweiradfahrer. So legt die Studie nahe, dass die Anzahl und die Art von tatsächlichen und Beinahe-Unfällen nicht von der der Frage „Pedelec oder nicht“ abhängt – die Geschwindigkeit ist also nicht relevant.

Vielmehr droht Pedelecfahrern ebenso wie ihren unmotorisierten Zweirad-Kollegen die größte Gefahr durch Auffahrunfälle oder Frontalkollisionen, beim Ein- und Abbiegen bzw. beim Kreuzen von Straßen. Am häufigsten geraten die Zweiradfahrer mit Autos aneinander, gefolgt von Fußgängern sowie von anderen Fahrradfahrern mit und ohne Hilfsmotor.

Gefahr droht bei Auspark-, Wende- und Überholmanövern

Im Klartext heißt das: Wenn Autofahrer die Vorfahrt missachten oder sich beim Wenden und Ausparken mehr auf den Lack ihres Fahrzeugs als auf andere Verkehrsteilnehmer konzentrieren, wird’s gefährlich, ebenso, wenn Radfahrer sich gegenseitig überholen, sich entgegenkommen oder der Weg mit einem Fußgänger geteilt werden muss.

ARCHIV - Eine Frau fährt am 03.05.2014 bei strahlendem Sonnenschein auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin mit dem Fahrrad entlang. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Laut Studie geraten Radfahrer am häufigsten mit Autos aneinander, gefolgt von Fußgängern sowie von anderen Fahrradfahrern mit und ohne Hilfsmotor. 

Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Sogar bei den deutlich schnelleren, gerne im Berufsverkehr eingesetzten S-Pedelecs kommt es nicht häufiger zu Unfällen oder gefährlichen Situationen als bei den anderen Zweirädern – und das, obwohl sie bis zu 45 Stundenkilometer schnell werden können. Allerdings, das legen vergleichbare Studien zum Beispiel aus der Schweiz nahe, sind Unfälle mit S-Pedalecs aufgrund ihres höheren Tempos schwerer als mit anderen Fahrrad-Typen. Ein Grund, warum S-Pedelecs nach Ansicht von Experten mit Recht als Kleinkrafträder eingestuft werden, und auch Versicherungs- und Helmpflicht erscheint ihnen vor diesem Hintergrund sinnvoll. Die langsameren „einfachen“ Pedelecs werden gemeinhin als Fahrräder eingestuft.

Experten fordern mehr Platz für Radfahrer

Was genau aber schließen die Forscher und ihre Auftraggeber aus dieser Studie? Zum einen, dass Pedelecs nicht gefährlicher sind als normale Fahrräder – aber auch, dass dringend etwas an der Infrastruktur für Radfahrer getan werden muss. So sei es dringend erforderlich, dass Platz genug für Überholmanöver von Radfahrern untereinander möglich sind – ein wichtiger Punkt bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten. 

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Von Judith Bexten
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