31.07.2014, 13:11 Uhr | 0 |

Induktionstechnik im Asphalt Radeln und gleichzeitig laden: Drahtlose Energie auf dem Radweg

Das wär’s: Beim Radeln lädt sich das E-Bike drahtlos über Induktionsschleifen im Asphalt auf. Und das Handy gleich mit. Ein britischer Student hatte die Idee und entwickelte einen Bausatz zum Umrüsten für Fahrräder.

Das Flux-Fahrrad des britischen Designstudenten Offer Canfi
Á

Das Flux-Fahrrad des britischen Designstudenten Offer Canfi: Im Dreieck des Rahmen sind Spulen versteckt. Dadurch kann das Elektrorad per Induktion Strom aus Spulen beziehen, die im Asphalt des Radweges eingelassen sind – so die Idee des Studenten.

Foto: Offer Canfi

Der Designer Offer Canfi hat seinem Projekt den Namen „Flux“ gegeben und hofft, dass schon in naher Zukunft die ersten Elektroräder über Radwege mit Ladetechnik durch London rollen. Die Stadt könnte für Canfis Idee eine Menge übrig haben. Denn Londons Bürgermeister Boris Johnson will in den kommenden zehn Jahren eine Milliarde Pfund in den Radverkehr investierten.

Er plant zahlreiche Fahrradautobahnen quer durch die Stadt, hat ein Leihradsystem schon in die Tat umgesetzt und plant einen gewaltigen Ausbau des Radverkehrsnetzes. Da könnte die Ladetechnik gleich miteingebaut werden.

Für seine Abschlussarbeit am Royal College of Art, Londons Universität für Kunst und Design, hat der selbst ernannte Futurologe die Idee entwickelt, den Strom für Pedelecs und E-Bikes von der Straße zu nehmen. Über eine drahtlose, induktive Energieübertragung sollen die Fahrräder während der Fahrt mit Strom versorgt werden.

Im Asphalt liegen Transmitterspulen, durch die ein Wechselstrom fließt

Nach Canfis Konzept würden in den Asphaltbelag der Radstreifen abschnittsweise Transmitterspulen eingearbeitet. Durch diese Sender fließt ein Wechselstrom, der ein elektromagnetisches Wechselfeld erzeugt. Der Empfänger – in diesem Fall das Fahrrad – besitzt ebenfalls eine Spule aus Kupferdraht, die das Wechselfeld einfängt und wieder in Strom umwandelt, der den Elektromotor des Pedelecs versorgt und die Akkus von Smartphones und Laptops auflädt.

„Die Spulen im Asphalt werden automatisch mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen aktiviert, wenn das Fahrrad in deren Nähe kommt“, erklärt Offer Canfi. Dafür wird die RFID-Technologie („radio frequency identification“) verwendet. Ein kleiner Transponder am Fahrrad sendet hochfrequente Radiowellen mit geringer Reichweite aus, die von einem Lesegerät erkannt werden.

Auch andere Geräte, die Spulen besitzen, können aufgeladen werden

Um seine Idee in der Praxis zu testen, hat Offer Canfi den „Capacitor 1.21“ entwickelt. Mit diesem Bausatz kann jedes Fahrrad, das einen Rahmen aus faserverstärktem Kunststoff hat, in ein E-Bike verwandelt werden. Der Capacitor besteht aus einer Empfangsspule und einem Motor, der das Rad antreibt. Wenn der Strom nicht reicht oder der Radler auf einem nicht entsprechend ausgerüsteten Weg fährt, muss er selbst in die Pedale treten. Für Smartphone und Laptop gibt es in eine besondere Halterung. Dort laden sich deren Batterien auf.

Einige Teile für seinen Capacitor will der Designer aus Kunststoff per 3D-Drucker herstellen. Noch ist der Bausatz alles in allem etwas unter zwei Kilogramm schwer, was als zusätzliches Gewicht am Fahrrad relativ viel ist. Aber Designer Canfi hofft darauf, dass der Bausatz noch leichter und energieeffizienter gebaut werden kann. „Wenn man sich den wachsenden Markt für Elektrofahrräder anschaut und das Aufkommen der induktiven Energieübertragung als effiziente Art, den Strom drahtlos zu übertragen, glaube ich, dass mein Projekt im Stadtverkehr wirklich eine Zukunft hat.“ 

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden