07.09.2016, 07:29 Uhr | 0 |

Mit Werkstatt im Haus In Malmö entstehen Wohnungen nur für Fahrradfahrer

Mit dem Fahrrad bis zum Kühlschrank fahren? Und dann auch noch in einem mehrstöckigen Mietshaus? Im schwedischen Malmö ist das demnächst nicht nur erlaubt, sondern geradezu erwünscht. Im Cykelhuset Ohboy. Was es mit dem Haus nur für Biker auf sich hat, erfahren Sie beim Weiterlesen. 

In der schwedischen Stadt Malmö entsteht gerade das Paradies für Liebhaber der Mobilität auf zwei Rädern. Das Cykelhuset Ohboy ist ein Wohnhaus, das konsequent auf die Bedürfnisse der urbanen Fahrradmobilität zugeschnitten wird. Es hat sieben Etagen und bietet Platz für 55 Wohnungen und 33 Motel-Zimmer.

Die schwedische 300.000-Einwohner-Metropole gilt als die fahrradfreundlichste Stadt Schwedens. An 28 Kreuzungen genießen Fahrradfahrer Vorfahrt, das Radwege-Netz ist mit rund 500 km bestens ausgebaut. Ziel der Kommunalpolitik ist es, dass bis 2018 jede dritte innerstädtische Fahrt mit dem Fahrrad zurückgelegt wird.

Einkauf per Fahrrad bis zum Kühlschrank transportieren

Nun also der Schritt hin zur fahrradfreundlichen Architektur. „Man kann mit seinem Fahrrad direkt in sein Appartment gelangen“, betont Cord Siegel vom deutsch-dänisch-schwedischen Architekturbüro Hauschild + Siegel, welches das Cykelhuset Ohboy entworfen hat. „Wenn man etwas einkauft, kann man es bis zu seinem Kühlschrank transportieren.“ Dazu dient ein großzügig dimensionierter Aufzug, mit dem die Mieter ihre Fahrräder sehr bequem bis zu ihren Wohnungen mitnehmen können. Besonders pfiffig: Wie in einem Krankenhaus öffnen sich die Aufzugtüren zu beiden Seiten.

Ebenfalls durchdacht: Die Gänge und Flure im Gebäude sind breit, damit sich die vielen Biker mit ihren Rädern nicht in die Quere kommen. Auch Transporte mit Lastenrädern passen problemlos durch die Flure. Gut für Lieferanten: Zu jeder Wohnung gehört eine Paketbox, in welcher Einkäufe oder Retouren deponiert werden können.

Wandhalterungen für die Räder

Die 55 Wohnungen sind für ein bis vier Personen konzipiert und haben ein bis fünf Zimmer. Alle bieten einen großen Balkon, um das Fahrrad sicher zu parken. Auch sind in den Wohnungen Wandhalterungen montiert, um Fahrräder platzsparend zu verstauen. Alternativ kann das eigene Fahrrad direkt vor der Haustüre im Laubengang angeschlossen oder sicher im Fahrrad-Abstellraum im Erdgeschoss verwahrt werden.

Alle Bewohner können sich jederzeit Fahrräder unterschiedlichster Größe und Bauart ausleihen. Besonders praktisch, wenn überraschend Besuch vorbeischneit und eine Führung durch die drittgrößte Stadt Schwedens per Rad ansteht. Eine kleine Fahrradwerkstatt im Cykelhuset Ohboy garantiert, dass kleine Defekte am Rad schnell repariert werden.

Umfassendes Mobilitätskonzept vorgelegt

Das Cykelhuset Ohboy ist mehr als nur eine hübsche Idee, es ist ein umfassendes ganzheitliches zukunftsweisendes Mobilitätskonzept. Denn in Schweden gilt der 1952 erlassene Auto-Stellplatzschlüssel für innerstädtische Wohngebäude. Das Cykelhuset Ohboy wird das erste Gebäude in Schweden sein, das die Parkeringsnorm 0 erfüllt. Das bedeutet, dass nur ein einzelner Behindertenparkplatz errichtet wird, auf die Schaffung weiterer Stellplätze wird bewusst verzichtet.

Um trotzdem eine Baugenehmigung zu erhalten, mussten die Architekten ein dem Stellplatzschlüssel gleichwertiges Mobilitätskonzept vorweisen, welches im Rahmen einer Evaluation über einen Zeitraum von zehn Jahren auf seine Wirksamkeit überprüft wird.

Lage erleichtert den Autoverzicht

Den Mietern im Cykelhuset Ohboy werden auch Alternativen zum Rad angeboten: So erhalten sie eine Mitgliedschaft beim Carsharing-Anbieter Sunfleet und eine Monatskarte für den öffentlichen Personen-Nahverkehr. Gleich neun Carsharing-Stationen befinden sich im Umkreis von 500 m um das Cykelhuset Ohboy.

Auch die Lage des Gebäudes macht den Autoverzicht leicht: Es sind mit dem Fahrrad gerade einmal drei Minuten bis zum 1.400 m entfernten Hauptbahnhof. Die nächste Bushaltestelle liegt praktisch vor der Haustüre und im unmittelbaren Umfeld befinden sich diverse Supermärkte, Bars und Restaurants. 

In London entstehen derweil Parkhäuser für Fahrräder. Sie sind als Türme konzipiert, die wahlweise als Glasturm in den Himmel ragen oder unsichtbar unter der Erde verschwinden. Gerade einmal 8,15 m misst ein solcher Eco Cylce Turm, der sich 11,65 m in die Vertikale erstreckt und trotzdem Platz für 204 Fahrräder biete

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Von Detlef Stoller
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