10.10.2014, 08:32 Uhr | 0 |

The Thames Deckway Architekten planen schwimmende Fahrrad-Schnellstraße auf der Themse

Warum sollte man den Radweg nicht einfach aufs Wasser verlegen, wenn an Land kein Platz mehr ist? Eine Gruppe von Planern hat genau das getan. Wenn es nach ihnen geht, radeln Londons Pendler demnächst über einen schwimmenden Highway auf der Themse. 

Der Bau des schwimmenden Radwegs über der Themse würde rund 760 Millionen Euro kosten
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Der Bau des schwimmenden Radwegs über der Themse würde rund 760 Millionen Euro kosten. Dem Konsortium schwebt eine Maut von etwa 1,90 Euro pro Strecke vor.

Foto: The River Cycleway Consortium

Bereits jetzt entfällt in vielen Metropolen zu Stoßzeiten bis zu einem Viertel des Verkehrs auf Fahrradfahrer. Doch selbst der wendigste Radler braucht Platz, um sich schnell und sicher fortzubewegen. Wohin also mit den dringend benötigten Radwegen, wenn die Straßen sowieso schon zu eng sind?

Genau – ab aufs Wasser. Das jedenfalls hat sich offenbar eine Gruppe namens The River Cycleway Consortium gedacht, zu der neben dem Architekten David Nixon und der Kreativunternehmerin Anna Hill auch das Hugh-Broughton-Architektenbüro und die Ingenieurfirma Arup gehören. Ihr Projekt Thames Deckway verlegt den Radweg kurzerhand auf die Themse.

Dort führt er von Battersea im Südwesten von London City rund zwölf Kilometer bis zum Finanzzentrum Canary Wharf im Herzen der englischen Hauptstadt. Nach Vorstellungen der Planer verläuft der Radweg nah am Südufer, weit genug weg vom regulären Schiffsverkehr. Da der Weg auf dem Wasser aufliegt, hebt und senkt er sich mit dem Wasserstand des Flusses.

Mit Energie versorgt sich der Deckway selbst

Radfahrer gelangen über Rampen auf den Biker-Highway. In regelmäßigen Abständen soll es Haltepunkte geben, dazu Kioske und Fahrradverleih-Stationen, die auch Lastenfahrräder, Kinderfahrräder oder – für die ganz Kleinen – Kindersitze im Programm haben. Energie für Beleuchtung und andere Extras soll mit Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen produziert werden, die im Deckway integriert sind.

Insgesamt werde die Strecke für einen einigermaßen trainierten Fahrer innerhalb von 30 Minuten zu bewältigen sein, heißt es – schneller und sicherer als auf den Straßen der Metropole, wo Autos und Ampeln den Verkehrsfluss behindern. Ganz kostenfrei wird die Benutzung jedoch nicht sein: Dem Konsortium schwebt eine Maut von etwa 1,90 Euro pro Strecke vor.

Deckway soll rund 760 Millionen Euro kosten

So, wie ihn sich die Planer vorstellen, würde der schwimmende Radweg rund 760 Millionen Euro kosten, bauen könne man ihn innerhalb von zwei Jahren nach Freigabe, so die Schätzungen. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Zurzeit sammeln die Planer Geld, um eine Machbarkeitsstudie zu finanzieren, später sollen nach Möglichkeit private Investoren ins Boot geholt werden.

Gespräche mit der Stadtverwaltung sowie mit den Verkehrsbetrieben Londons gab es bereits. Prinzipiell rennen die Deckway-Planer mit ihrem Konzept offene Türen ein, da die Stadt selbst Lösungen für den Fahrradverkehr sucht und sich Bürgermeister Boris Johnson für eine Steigerung der Radfahreranteils ausspricht. Die Reaktionen der Gesprächspartner seien entsprechend positiv gewesen, so das Konsortium, eine Zusage für Unterstützung habe es jedoch noch nicht gegeben.

Kritikpunkte: Preis, Sicherheit und bereits existierende Routen

Kritiker haben sich inzwischen ebenfalls zu Wort gemeldet. Neben dem hohen Preis bemängelt zum Beispiel der Stadtpolitik-Blog CityMetric, dass die Route nahezu parallel zu bereits existierenden Fahrrad-Highways verläuft, also keine neuen Strecken erschlossen würden. Außerdem sehen sie Gefahren für Radfahrer durch das Nebeneinander von Pontons für Schiffe und Radweg, da sich beides mit dem Wasserstand der Themse bewegt – insgesamt, so das Urteil des Autors, höre sich das Ganze nach einem Werbemanöver für die Beteiligten an. 

Ähnlich futuristisch mutet das Projekt von Architekt Norman Foster an, der eine Hochbahn für Radfahrer, den sogenannten SkyCycle, quer durch London vorgeschlagen hat. Doch auch andere Städte experimentieren mit Highways, um Radfahrer kreuzungsfrei und schneller von den Stadträndern in die City zu bringen. Kopenhagen ist schon dabei, die Highways zu realisieren. Die ersten Strecken sind schon in Betrieb. Und in Eindhoven gibt es bereits den ersten Kreisverkehr für Radfahrer, der in der Luft über eine Kreuzung hängt.

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Von Judith Bexten
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