Erneuerbare Energien

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06.01.2016, 08:12 Uhr | 0 |

Energiewende stottert Bau von Windrädern 2015 stark eingebrochen

So kommt Deutschland bei der Energiewende nicht schnell genug voran. Beim Verkehr tut sich fast nichts, bei der Einsparung von Wärmeenergie auch nicht. Und selbst der Ausbau erneuerbarer Energieträger hat 2015 gestottert. Keine schöne Bilanz, die der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) da zieht.

Montage einer Windkraftanlage
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Der Ausbau der Windkraftanlagen in Deutschland hat 2015 stark an Tempo verloren. Dennoch ist der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf ein Drittel gestiegen.

Foto: Enertrag

„Das Potenzial bei Wärme und Verkehr bleibt ungenutzt, hier ist Deutschland im Jahr 2015 kaum vorangekommen", kritisiert Verbandsgeschäftsführer Hermann Falk. „Es fehlt an ordnungspolitischen Vorgaben und Anreizen, um eine echte Wärme- und Verkehrswende einzuleiten.“

Selbst in der Paradedisziplin der Deutschen, dem Ausbau der Stromerzeugung aus Wind, Sonne und Biomaterial, hapert es zunehmend. 2015 seien an Land Windanlagen mit einer Leistung von rund 3600 MW installiert worden. Das sei weit unter dem Niveau des Vorjahres, als Windräder mit 4750 MW Leistung ans Netz gingen, kritisiert der Verband.

Das ist umso bedauerlicher, als dass die Windenergie an Land der mit Abstand günstigste erneuerbare Energieträger ist. So liegen die mittleren Stromgestehungskosten der Windenergie an Land, berechnet auf 20 Jahre Betrieb, 2016/2017 je nach Standort zwischen 5,3 bis 9,6 Cent pro kWh. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Deutsche WindGuard im Auftrag des Bundesverbandes WindEnergie (BWE) und VDMA Power Systems hervor, die Mitte Dezember vorgelegt wurde.

Kosten für Strom aus Windkraft um 12 % gesunken

„Im Durchschnitt sind die Kosten im Vergleich zu 2012/2013 damit um 12 % gesunken“, so Hermann Albers, Präsident des BWE. „Die Windindustrie kann damit die Kostenreduktionsziele des 2014 beschlossenen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erreichen“, so Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems.

Doch auch der verlangsamte Zubau bleibt ein Zubau und zeigt positive Wirkung. Nach der vorläufigen Bilanz für 2015 der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen stieg die Stromerzeugung aus Windenergie an Land und auf See von 57,4 TWh im Jahr 2014 auf 86,0 TWh im abgelaufenen Jahr. Das wäre ein Plus von 50 %. Was sich auch auf die Gesamtbilanz der Erneuerbaren durchschlug: Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren stieg von 162,5 auf 194,1 TWh, ein Plus von 19 %.

Doch auch bei der Wärmeerzeugung sind Erneuerbare auf dem Vormarsch. 2015 wurden 159,5 TWh Wärme aus biogenen Feststoffen, aus Biogas und Erdwärme erzeugt. Das waren 10 % mehr als vor einem Jahr.

Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bei einem Drittel

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums ist der Anteil der Erneuerbaren am Energiemix 2015 auf mehr als 30 % gestiegen. „Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch lag 2014 bei 27,4 % und ist im ersten Halbjahr 2015 auf über 30 % gestiegen“, so das Ministerium auf seiner Webseite. Bis 2025 soll dieser Anteil sogar auf 40 bis 45 % steigen. Zielmarke sind 55 bis 60 % bis zum Jahr 2035.

Hinter einem gelbblühenden Rapsfeld ist die Biogasanlage der Agrargesellschaft Reinhardtsgrimma zu sehen, aufgenommen am 28.04.2007. Auch die Windkraftanlagen im Hintergrund zeugen von alternativer Energie, die in der Region genutzt wird. Neben dem Anbau von Raps für die Biodieselproduktion werden auch die Biogasanlagen immer stärker zum wirtschaftlichen Faktor der Landwirtschaft. Aber generell sind die Bauern sowohl bei Biomasse als auch bei Raps von klimabedingten optimalen Erträgen abhängig. Foto: Egbert Kamprath/lsn +++(c) ZB-FUNKREGIO OST - Honorarfrei nur fuer Bezieher des ZB-Regiodienstes+++
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Biogasanlage der Agrargesellschaft Reinhardtsgrimma: 2015 wurden deutlich weniger Anlagen zur Erzeugung von Energie aus Biomasse gebaut als 2014.

Foto: Egbert Kamprath/dpa

Allerdings haben sich nicht alle Energieträger gut entwickelt. So ist zum Beispiel der Bau neuer Anlagen zur Erzeugung von Bioenergie stark gesunken. „Die Bioenergie ist nach dem EEG 2014 massiv eingebrochen. Der Ausbau erreicht nicht einmal ein Viertel des vorgesehenen Korridors von 100 MW“, kritisiert BEE-Geschäftsführer Falk. „Diese Entwicklung ist fatal, weil wir eine regelbare Erneuerbare Energie dringend benötigen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.“

Das zeigt sich auch in der Energiebilanz. Demnach ist die Erzeugung von Strom aus Biogas um nur 3 % auf 30,1 TWh gestiegen.

Verband befürchtet Einbruch beim Bau von Windkraftanlagen

Die Photovoltaik hat ihren massivsten Einbruch beim Zubau schon 2014 erlebt, als nur noch 1899 MW neu installiert wurden. Das war nur noch gut die Hälfte von 2013, als 3304 MW ans Netz gingen. Jetzt befürchtet der Bundesverband Erneuerbare Energien, dass es auch der Windkraft an den Kragen geht. „Die Bundesregierung tritt beim Ausbau der erneuerbaren Energien durch die EEG-Änderungen kräftig auf die Bremse, anstatt zu beschleunigen", so Falk. „2012 wurde die Photovoltaik, 2014 die Bioenergie ausgebremst. Mit dem EEG 2016, dessen Eckpunkte soeben vom Bundeswirtschaftsministerium vorgelegt wurden, droht nun der Windenergie eine drastische Drosselung.“

Kein Verständnis hat der Verband dafür, dass im Wärmebereich immer noch der Einbau von Öl- und Gasheizungen durch die staatliche KfW gefördert wird.

Für die Kohleregionen in Nordrhein-Westfalen und in der Lausitz fordert Falk ebenfalls eine Energiewende. Beide Regionen halten am Kohleabbau und der Kohleverstromung fest und verpassen damit die Modernisierung ihrer Energieversorgung, meint Falk. „Das Festklammern an der Kohle wird diesen Regionen massiv schaden, weil sie dadurch von Innovationen und Zukunftsbranchen abgekoppelt werden.“

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Von Axel Mörer-Funk
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