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02.02.2016, 12:44 Uhr | 1 |

Energiespeicher in Hannover Wie Daimler mit Smart-Batterien schon vor dem Verkauf Geld verdient

Wie hält man Batterien für Elektroautos im Ersatzteillager frisch? Indem man sie bis zum Verkauf benutzt. Mit dieser Idee will Daimler nun Geld verdienen. Gemeinsam mit den Stadtwerken Hannover baut der Autohersteller einen Energiespeicher, der Netzschwankungen ausgleichen soll. Später sollen die Batterien dann E-Smarts mit Energie versorgen.

E-Smart im Stadtverkehr
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3000 nagelneue Ersatzakkus für den E-Smart werden in Hannover zu einem Energiespeicher zusammengeschaltet. Der Sinn: Liegen die neuen Akkus im Ersatzteillager, würden sie unter Leistungseinbußen leiden. Durch die Nutzung als Speicher zum Ausgleich von Netzschwankungen bleiben sie dagegen leistungsfähig.

Foto: Daimler

Das nennt man eine klassische Win-Win-Situation, die sich die Daimler-Tochter Accumotive und Enercity, Tochter der Stadtwerke Hannover, ausgedacht haben: In diesem Jahr beginnt der Bau eines Energiespeichers, der aus 3000 Akkus für den E-Smart besteht. Er wird eine Speicherkapazität von 15 MWh. „Diese 3000 Module verdienen Geld als Ersatzteillager“, freut sich Daimler-Manager Harald Kröger. Es ist eine ziemlich gute Idee und auch zugleich eine Weltpremiere. Bis heute kommen allenfalls gebrauchte Batterien aus Elektroautos für Stationärspeicher zum Einsatz.

In Hannover werden dagegen völlig neue Batterien eingesetzt. Daimler muss die Batterien vorhalten für den Fall, dass Akkus in den Elektro-Smarts ausgetauscht werden müssen. Liegen die Akkus aber ungenutzt im Ersatzteillager, büßen sie massiv an Leistung ein. Nicht so, wenn sie genutzt werden. „Das hat keine Auswirkungen auf den Alterungsprozess, sondern wirkt im Gegenteil wie ein Jungbrunnen“, betont Kröger.

Tiefenentladung kann einen Totalschaden verursachen

Denn wiederaufladbare Batterien wollen immer wieder aufgeladen werden. Deshalb ist es notwendig, diese Batterien regelmäßig gezielt schonend zu entladen und wieder zu beladen. Diesen Prozess nennt man Zyklisieren. Das bedeutet für die Lagerung von Ersatzbatterien einen hohen Betriebsaufwand. Ohne Zyklisierung droht mit der Zeit eine sogenannte Tiefenentladung. Im schlimmsten Fall kann diese Tiefenentladung einen Totalschaden der neuen Batterien zur Folge haben.

All diese Sorgen und Probleme umgeht Daimler mit der Kooperation in Hannover. Denn der stets schwankende Regelleistungsbedarf des Stromnetzes sorgt automatisch für das erforderliche Zyklisieren der Akkus.

Speicher kann Hannover für zwei Minuten mit Strom versorgen

Daimler und die Stadtwerke investieren jeweils sechs Millionen Euro in das Projekt. Ab 2017 soll der Stationärspeicher aus Smart-Akkus Strom Netzschwankungen ausgleichen. Den Gewinn aus dem Stromgeschäft teilen sich die beiden Partner.

Die 3000 Smart-Batterien erreichen eine Leistung, mit der theoretisch ganz Hannover zwei Minuten lang mit Strom versorgt werden kann. Diese Zahl zeigt aber gleichzeitig, dass solche Speicher allenfalls im kleinen Rahmen dazu dienen können, das Stromnetz in Deutschland zu unterstützen und zu stabilisieren.

Die 3000 Batterien sind der Ausfluss eines Versprechens, dass Daimler den Kunden machte, die von 2012 bis zum Produktionsstopp Mitte 2015 einen E-Smart gekauft haben. Daimler garantierte allen Käufern, 15 Jahre ab dem Autokauf die Ersatzteile vorzuhalten.

Noch keine Erfahrung mit der Lebensdauer

Wirkliche Erfahrungen mit der Lebensdauer der in den E-Smarts verbauten Batterien hat Daimler noch nicht. Dazu ist die Nutzungsdauer zu kurz. Manager Kröger sagt, dass der bisherige E-Smart-Betrieb gezeigt habe, dass die Batterien sehr lange halten. Bisher habe noch kein privater Nutzer eines E-Smart einen Ersatz angefordert, weil die Ursprungsbatterie Leistungsabfälle zeigte oder gar kaputt ging. Das wäre aber auch etwas früh bei einer Nutzungsdauer von maximal vier Jahren.

Wie teuer die Batterien aus Hannover sind, wollte Kröger noch nicht sagen. Er könnte ja den Preisvorteil an seine Kunden weitergeben. Könnte er.

Hier finden Sie eine Übersicht der meistverkauften Elektroautos in Deutschland.

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Von Detlef Stoller
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kommentare
03.02.2016, 10:11 Uhr Carlo Jesse
Die Idee gelagerte Batterie zum Ausgleich von Spitzennachfragen zu nutzen ist generell gut. Frage ist ob dieses Geschäft profitabel ist unter Berücksichtigung der Gesamtinvestition. Die Planbarkeit für vorhandene Kapazitäten wird unter Umstanden ein Problem. Man sollte daher lieber Batterien just in time produzieren und die Lagerkapaziät gering halten. Daimler ist kein Stromhersteller / Lieferant. Die Kernkompetenz ist die Fahrezeugentwicklung und das Auto verkaufen. Hier sollte Daimler seinen Fokus drau legen. Viele Innovationen im Auto Verkauf werden aktuell nicht progressiv entwickelt. Innovative Online Unternehmen wie www.wirkaufen-ihrauto.de oder sixt Neuwagen nehmen DAIMLER und deren Händlernetz weitere Erträge ab.

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