19.09.2014, 16:19 Uhr | 0 |

Kinetikplatten im Rasen Brasilianischer Fußballnachwuchs erzeugt beim Laufen Strom fürs Flutlicht

In einer armen Favela in Rio de Janeiro erzeugt der Fußballnachwuchs durch Laufbewegungen Strom für die Flutlichtanlage. Möglich machen das Kinetikplatten unter dem Rasen. Sie wandeln jeden Schritt in sieben Watt Strom um – in der Summe genug für sechs Flutlichter am Spielfeldrand. 

Fußballplatz in der brasilianischen Favela Morro da Mineira
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Dunkelheit bedeutete bislang Trainings-Aus. Jetzt erzeugen die jungen Fußballer in der brasilianischen Favela Morro da Mineira im Laufen ihren eigenen Strom.

Foto: Pavegen

So ist Fußball im brasilianischen Favela-Komplex Morro da Mineira: Nachdem die Sonne ihr Tagesgastspiel am Himmel beendet hat, konnten weder Vereine noch die Favela-Kids den Fußballplatz benutzen, weil er zumeist wegen fehlender Elektrizität unbrauchbar war. Die jungen Spieler mussten dann auf die umliegenden Straßen ausweichen.

Jeder Schritt lässt 40 LEDs eine Minute lang leuchten

Der Mineral- und Erdgasgigant Shell wollte den Favela-Kids helfen. 200 Hightech-Fliesen sollten daher das allabendliche Lichtproblem lösen. Diese Kacheln wurden jetzt in den Untergrund des Rasens verbaut und reagieren auf den Druck, der entsteht, wenn die Sportler über das Feld dribbeln. Jeder Fußabdruck auf einer dieser 600x450x68 Millimeter großen Platten erzeugt einen Stromfluss von sieben Watt – das reicht aus, um 40 LEDs für eine Minute mit Strom zu versorgen. In der Summe ist das genug für sechs Flutlichter am Rasenrand. „Diese Technologie verwandelt jeden einzelnen Schritt in elektrische Energie. Jedes Mal, wenn man auf eine Platte im Boden tritt, wird Strom produziert und gespeichert. Und dieser Strom wird genutzt, um Licht zu erzeugen“, sagt der Erfinder dieser Technologie, Laurence Kemball-Cook.

Die Platten der Firma Pavegen werden mit einem hohen Anteil an recycelten Kohlenstoffmaterialien gefertigt. Das Obergummi wird zu 100 Prozent aus recycelten Lkw-Reifen hergestellt. Ein großer Teil der Einbauten in den Platten besteht aus recyceltem Aluminium.

Tests im Flughafen London-Heathrow

Cook gründete im Jahr 2009 die Firma Pavegen mit Sitz in London und leitet sie seitdem als CEO. Ihm geht es mit seinen druckempfindlichen Fliesen allerdings um deutlich mehr als nur um die Energiegewinnung durch Fußtritte. So können die Fliesen Informationen über die pro Platte erzeugte Energie an Server schicken. Dadurch werden Echtzeit-Datenanalysen ebenso möglich wie Live-Darstellungen der Trittabfolgen.

Um seine Fliesen auf Herz und Nieren prüfen zu können, hat Pavegen 51 dieser drucksensitiven Fliesen im Terminal 3 des Flughafens London-Heathrow installiert. Diese liefern die Stromversorgung der LED-Leuchten entlang des Flures. Sie liefern auch eine Trittdatenanalyse in Echtzeit. 18,4 Millionen Passagiere sind im Jahr 2012 über die Fliesen von Pavegen im größten Terminal am Flughafen Heathrow gelaufen und haben den Flur in unterschiedliche Helligkeiten getaucht.

Fliesen ermöglichen Besucher-Frequenzanalysen von Plätzen

Sein System sieht Kemball-Cook als einen wichtigen Baustein für die vernetzten Städte von morgen. Mit diesen Fliesen ist es möglich, sehr exakte Besucher-Frequenzanalysen von Plätzen zu erhalten. Jede einzelne Fliese liefert die Information über die Trittfrequenz. Das ermöglicht auch Begehungsmuster. „Unternehmer sollten keine Regeln kennen und alle Hindernisse überwinden“, sagt Kemball-Cook, der ein Studium in Industrial Design & Technik an der Universität Loughborough abgeschlossen hat.

Dann wurde Shell LiveWIRE, die größte Online-Community Großbritanniens, auf den Jung-Unternehmer aufmerksam und kürte ihn zu einem der Finalisten des Shell LiveWIRE Unternehmer-Wettbewerbs des Jahres 2011. Das Eventteam von JWT London hat im Auftrag von Shell dieses besondere Fußballfeld in Morro Da Mineira entwickelt. Die Ausstattung des Favela-Fußballplatzes läuft im Rahmen des makethefuture-Programms von Shell, dass sich mit künftiger Energienutzung beschäftigt und vor allem Jüngere für das Thema und die Wissenschaft begeistern soll. Die Kids in der Favela in Rio sind schon jetzt begeistert von ihrer Flutlichtanlage, die sie durch ihr Dribbling unter Strom halten.

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Von Detlef Stoller
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