28.08.2013, 06:59 Uhr | 1 |

Stromspeicherung Batteriespeicher für Eigenverbrauch von Solarstrom ist noch teuer und umstritten

Auf der Branchenmesse Intersolar wurde den Stromspeichern zum ersten Mal eine eigene Halle gewidmet. Zudem werden seit Mai Eigenverbrauchsspeicher staatlich gefördert. Die Sinnhaftigkeit von Heim-Stromspeichern für Photovoltaikstrom ist trotzdem umstritten.

Rack mit Batteriespeicher für Solarstrom
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Rack mit Batteriespeicher für Solarstrom: Seit Mai wird die Kopplung dieser Technologien mit einer Solarstromanlage gefördert, da dies die Stromnetzstabilität erhöhe. Der Nutzen ist dennoch umstritten. 

Foto: Intersolar

Weit mehr als hundert Aussteller zeigten auf der Branchen-Leitmesse Intersolar Mitte Juni Produkte zur Stromspeicherung. Seit Mai gibt es für alle, die zum Eigenverbrauch von Solarstrom Stromspeicher an ihre Photovoltaikanlagen anschließen, Geld vom Staat. Die gebeutelte deutsche Solarbranche setzt daher auf Komplettlösungen für mehr Eigenverbrauch, zu denen meist auch Batteriespeicher gehören. Kaum ein großer Systemanbieter, der nicht eine entsprechende Lösung anbietet.

Die Vielfalt der Technologien erschwert Auswahl und Preisvergleich. Zudem lässt sich nur durch individuelle Analyse jedes Einzelfalls ermitteln, was am besten wäre und ob sich der Speicher rechnet, denn der erreichbare Eigenverbrauchsanteil hängt stark von vorhandenen Geräten und Nutzungsgewohnheiten ab.

Preise von Speichern werden noch als zu hoch empfunden

Wer mittags, während der Erzeugungsspitze, kocht, wäscht, bügelt oder den elektrischen Rasenmäher nutzt, wird einen weniger großen Speicher brauchen als diejenigen, bei denen diese Aktivitäten wegen Berufstätigkeit erst am Spätnachmittag anfallen. Die Nutzungscharakteristik bestimmt auch die nötige Lade- und Entladegeschwindigkeit. Die Amortisationsdauer hängt neben dem Preis des Speicherprodukts wesentlich vom erreichten Deckungsgrad, den Wartungskosten, dem Strompreis während der Nutzungsdauer und der Haltbarkeit der Batterien ab.

Eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens Trendresearch bestätigt, dass die Preise von Speichern noch als zu hoch empfunden werden: 49 % der Befragten sahen sie als wichtigsten Hemmschuh für Speichertechnologien, gleich gefolgt von den politischen Rahmenbedingungen.

Die Installation eines Stromspeichers erfordert einen Fachmann. Käufer müssen zwischen ein- oder dreiphasigen Systemen und solchen für die Installation auf der Wechsel- (AC-gekoppelt) oder der Gleichstromseite (DC-gekoppelt) wählen, jeweils mit unterschiedlichem Aufbau der vor- und nachgelagerten Elektronik.

Bei nachträglichen Speicherinstallationen auf der Gleichstromseite kann man den alten Wechselrichter meist behalten. Wer sich aber für eine Installation auf der Wechselstromseite entschließt, muss in der Regel einen neuen Wechselrichter kaufen.

Redux-Flow-Technologie wird derzeit nur gewerblich eingesetzt

Fürs Heim eignen sich vor allem klassische Blei-Säure-, Blei-Gel- oder eben Lithiumbatterien der verschiedenen Varianten. Redux-Flow-Technologie, die etwa Gildemeister im Programm hat, wird derzeit nur gewerblich eingesetzt.

Bleitechnologie ist altbewährt, in der Gelvariante wartungsfrei und relativ kostengünstig. Dafür halten Bleibatterien kürzer und müssen relativ genau gefahren werden, um nicht ihren Geist vorzeitig aufzugeben. Mehr als 50 % Entladetiefe sind nicht drin, so der Erfahrungswert in der Branche: Man braucht also doppelt so viel Batteriekapazität für die real benötigte Speicherkapazität.

Die neuere Lithiumtechnologie ist erheblich teurer, kompakter, tiefer entladbar, langlebiger und wartungsfrei. Batterietechnologien wie Lithium-Titanat oder Lithium-Eisen-Phosphat lassen sich besonders oft be- und entladen, ohne dass ihre Speicherkapazität zurückgeht. Wichtig ist auch, wie schnell die Batterie lädt und wie viel Strom sie kontinuierlich abgeben kann.

Stromspeicher sind umstritten

Besonders günstig, so Ingenieur Clemens Günther vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) ist die Kombination des Stromspeichers mit einer leistungsstarken elektrogetriebenen Wärmepumpe und einem thermischen Speicher, weil hier der gewonnene Solarstrom Mehrfachnutzen entfaltet.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) verspricht für Photovoltaikanlagen mit Speicher bis zu 60 % solaren Deckungsgrad beim Stromverbrauch. Die Preise pro kWh Speicherkapazität liegen, so Karl-Heinz Pettinger vom Lehrstuhl für elektrische Energiespeicher der Universität Landshut, zwischen 200 €/kWh (Blei) und 1000 €/kWh (Lithium).

Freilich: Die Stromspeicher sind umstritten. Fraglich ist, ob sie genug zum Funktionieren des Stromnetzes beitragen oder ob sich nicht vielmehr der Eigenverbraucher aus der Verantwortung stiehlt. Denn der Eigenverbraucher senkt zwar seine Stromrechnung – aber für die Finanzierung sorgen jene, die nicht selbst Strom erzeugen.

"Es ist bei allen Parteien angekommen, dass diese Art der Finanzierung nicht funktioniert", behauptet Detlef Fischer, Geschäftsführer des Verbands der Bayerischen Elektrizitätswirtschaft (VBEW).

Der BSW hält dagegen, dass Batteriespeicher Überproduktion durch Sonne und Wind einfach einlagern und so das Stromnetz stabilisieren, was der Gemeinschaft durchaus nutze. Ohnehin gibt es nur einen Zuschuss zum Photovoltaikstromspeicher, wenn der erzeugte Strom höchstens zu 60 % ins Netz fließt. 

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Von Ariane Rüdiger | Präsentiert von VDI Logo
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kommentare
17.11.2013, 12:38 Uhr Progetti
Karbon- Super- Caps als Stromspeicher brauchen zwar wesentlich mehr Platz, könnten aber als Garagen- oder Kellerwandverkleidung funktionieren. Der Preis wird niedriger sein und die Lebensdauer fast unbegrenzt. Weil dann aber weniger CO2 produzierende Lastspitzen- Ausgleichs- Kraftwerke erforderlich sind, kann das Kyoto- Protokoll leichter erfüllt werden. So gesehen wäre eine kleine Förderung schon berechtigt.

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