06.10.2014, 10:45 Uhr | 0 |

Intelligente Netze Waschen wenn die Sonne scheint

In drei Dörfern regelt ein kleines Kästchen im Transformatorenschrank den Stromfluss. In das Netz sind große Stromfresser wie Waschmaschinen und Stromerzeuger wie Solarzellen und Minikraftwerke integriert. Die gleichmäßigere Stromverteilung soll den teuren Ausbau der Leitungsnetze reduzieren oder sogar überflüssig machen.

Hunderttausende Kilometer neue Stromleitungen müssen in Städten und Dörfern verlegt werden, um die immer größeren Energiemengen zu transportieren, die Fotovoltaikanlagen auf den Dächern, Minikraftwerke in den Kellern und in Zukunft verstärkt auch Kleinwindgeneratoren in Gärten und auf Dachgiebeln erzeugen. In diesem Ausmaß ist das nicht nötig, glauben Experten. Intelligente Netze können den Strom so verteilen, dass er zum einen erzeugernah verbraucht wird. Zum anderen leiten sie den Strom immer durch die Leitung, die die größten freien Kapazitäten hat. Der Essener Energieversorger RWE macht jetzt die Probe aufs Exempel, wie www.green.wiwo.de berichtet. Er hat drei kleine Netze in Rheinland-Pfalz und Bayern entsprechend aufgerüstet.

Intelligente Stromzähler als Grundausstattung

Einige 100 Haushalte im Hunsrückstädtchen Kisselbach, in Wertachau, einem Stadtteil von Schwabmünchen, und in Wincheringen nahe Trier erhielten intelligente Stromzähler, die der Stromerzeuger alle 15 Minuten abliest. Das gelingt mit Hilfe von eigens verlegten Glasfasernetzen. In einem Fall ­– in Wincheringen – fließen die Daten über normale Stromleitungen. Sämtliche Verbrauchsdaten sowie die ebenfalls übermittelten Einspeisungen privater Kleinkraftwerke registriert der Smart Operator, ein kleines elektronisches Kästchen, das im Transformatorenschrank des jeweiligen Netzes untergebracht ist.

Der agiert wie ein Verkehrspolizist auf einer viel befahrenen Kreuzung. Er lenkt die Ströme über die jeweils kürzeste und am wenigsten belastete Leitung zu den Verbrauchern. Damit ist beispielsweise sichergestellt, dass die Waschmaschine von Frau Maier mit Strom aus den Solarzellen auf dem Dach der Nachbarin versorgt wird.

Aktive Steuerung von Großverbrauchern

Der Smart Operator greift sogar aktiv ins Geschehen ein. Wenn viel Solarstrom eingespeist wird, informiert er den in jedem Haus installierten Home Energy Controller über den Überschuss. Der erteilt dann entsprechend voreingestellten großen Stromfressern wie Waschmaschine, Geschirrspüler und Wäschetrockner den Startbefehl. Damit werden der Stromverbrauch verstetigt und Überlasten in den Leitungen vermieden. Außer diesen Geräten sind Wärmepumpen, Warmwasserspeicher, Ladeboxen für Elektroautos und private Pufferbatterien ins intelligente Netz, auch Smart Grid genannt, integriert. In Kisselbach hat RWE zusätzlich eine 150-Kilowattstunden-Pufferbatterie installiert, um den dort in großen Mengen anfallenden Solarstrom in sonnenarme Zeiten hinüberzuretten

Die angeschlossenen Verbraucher und Erzeuger können das energetische Geschehen in ihrem Haushalt via Internet in Echtzeit verfolgen. Einen finanziellen Vorteil von der Nutzung überschüssigen und daher billigen Stroms haben die Versuchsteilnehmer nicht. Weil der Netzausbau nicht so umfangreich sein muss wie ohne Smart Grid profitieren sie dennoch, weil die Netzentgelte langsamer steigen. Die Testphase läuft noch bis Ende 2015.

In Frankreich hat Netzbetreiber RTE (Réseau de transport de l'électricité) – ebenfalls in einem Pilotprojekt – Kunden mit intelligenten Stromzählern und einer Warnanlage ausgestattet, um zu testen, wie sich Verbrauchsspitzen vermeiden lassen.

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Von Wolfgang Kempkens
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