28.03.2013, 09:00 Uhr | 0 |

Geldanlage Per Crowdfunding in die Energiewende investieren

Gleich mehrere Internet-Plattformen sammeln Gelder bei Privatleuten ein, um Energieerzeugungs- bzw. Energieeffizienz-Projekte zu finanzieren. Den Investoren werden hohe Zinsen in Aussicht gestellt. Anlegerschützer warnen unterdessen vor möglichen Totalverlusten.

Per Crowdfunding in die Energiewende investieren - Teaser
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Angesichts der niedrigen Guthabenzinsen für Tages- und Festgelder hält so mancher Anleger nach neuen Horizonten Ausschau. Warum nicht über eine Crowdfunding-Plattform in ein Umweltprojekt investieren? Gutes Gewissen plus Rendite – das klingt doch verlockend. Ein mögliches Anlageziel ist der Solarstrompark Liebenthal. Die Initiatoren versprechen Zinsen zwischen 4 % und 8 % bei Laufzeiten von fünf, zehn oder 15 Jahren.

Hier ist Vorsicht geboten. Generell gilt: Niemand sollte sich von einem schicken Projektvideo im Web blenden lassen. "Nicht jedes Projekt eignet sich für das Crowdfunding", mahnt etwa Jens-Uwe Sauer, Geschäftsführer beim Crowdfunding-Spezialisten Seedmatch. Die Idee sollte möglichst ausgereift sein, also als fertiges Produkt oder Dienstleistung vorliegen. Der Mehrwert von Crowdfunding-Plattformen liege im einheitlichen und transparenten Zugang zu den Angeboten, so Sauer.

Neue Plattform LeihDeinerStadtGeld

"Wir legen besonderen Wert auf die Sicherheit der Anlegergelder", sagt Johannes Laub. Er ist Geschäftsführer der LeihDeinerStadtGeld GmbH. In dieser Funktion hat er die Plattform "LeihDeinerUmweltGeld" ins Leben gerufen. Auf ihr werden die Gelder für das Projekt in Liebenthal gesammelt.

In Liebenthal werden die vergebenen Umweltkredite zunächst auf einem Treuhandkonto gesammelt und erst nach Prüfung und Freigabe an die Projektträgerin weitergeleitet. Der Einstieg in den Liebenthaler Solarpark ist ab 100 € möglich. Das Beteiligungsvolumen des Internetschwarms ist auf 643 900 € festgesetzt. Das entspricht etwas mehr als 10 % vom gesamten Investitionsvolumen am Projektstandort in Brandenburg.

Die direkt von Bürgern initiierte Energiewende liegt im Trend. Erste Erfolge verzeichnet auch das Portal Greenvesting. In weniger als vier Wochen kamen mehr als 100 000 € für eine Photovoltaikanlage in Usedom zusammen. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Plattformen sind dabei unterschiedlich. Das Gros der Angebote bezieht sich auf meist kleinere Solarthermie- und Photovoltaikprojekte.

Der Betreiber crowdener.gy finanzierte bereits erfolgreich eine Dach-Solaranlage in Ahrenshagen (Mecklenburg-Vorpommern) über die Crowd. "Beteiligt haben sich 27 Investoren", so Peer Piske, Gründer der Plattform. Durchschnittlich rund 1500 € stecken einzelne Anleger in ein solches Projekt. Die Rendite der Anleger für die ersten beiden bereits abgeschlossenen Projekte bei crowdener.gy liegt nach Angaben der Initiatoren zwischen 6 % und 8 %. Der Betreiber wiederum refinanziert sich durch eine fünf- bis zehnprozentige Erfolgsgebühr, entrichtet direkt von der Energiegenossenschaft.

Bettervest investiert in Energieeffizienz

Öko-Crowdinvesting bezieht sich aber nicht nur auf die Sonnenenergie. Auf der Plattform Bettervest dreht sich alles um Energieeffizienz im Mittelstand. Die neue Initiative setzt auf das Energiesparen über LED-basierte Beleuchtungskonzepte. Das Besondere: Ein Teil der durch innovative Technologien erzielten Energieeinsparung fließt in Form einer zusätzlichen Rendite wieder an die Unterstützergemeinde zurück.

Künftig möchte Bettervest mit seinem crowdbasierten Contracting-Modell auch weitere Gebiete erschließen, wie Green IT, Heizungs- und Klimatechnik, Kraft-Wärme-Kopplung, oder die energieeffiziente Mobilität. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen aus der Cleantech-Branche sollen so an frisches Kapital gelangen. "Denn quasi jeder kann Energie sparen", betont Geschäftsführer Patrick Mijnals.

Als reiner Vermittler, ähnlich wie die Auktionsplattform Ebay, sieht sich demgegenüber die Milk the Sun GmbH. Das Unternehmen fungiert in erster Linie als Online-Marktplatz für Photovoltaik-Anlagen. Der Betreiber überlässt es dem Geschick der Anleger, jedes Vorhaben selbst durch einen individuellen Qualitätscheck auf Herz und Nieren zu überprüfen.

Bei jedem Projekt genau hinschauen

Aber: "Scheitert das unterstützte Projekt, droht ein Totalverlust", gibt Christian Urban von der Verbraucherzentrale NRW zu bedenken. Der Experte für ökologische Geldanlagen plädiert deshalb dafür, sich bei jedem Vorhaben fundiert mit den jeweiligen Chancen und Risiken auseinanderzusetzen. Er rät auch dazu, sich unter anderem die Erfahrungsberichte anderer Nutzer über die Plattform anzusehen.

Wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Je nach Anlageform – Genussrecht, Inhaberschuldverschreibung oder etwa klassisches Darlehen – gibt es verschiedene Chancen. Allen gemeinsam sei aber ein Totalverlustrisiko, bilanziert Verbraucherschützer Urban. Und je nach Rechtsform des Geldsammlers lauern unterschiedliche Risiken. Für definitiv zu riskant hält Urban den Einstieg bei einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR): "Denn hier haften die Anleger sogar mit ihrem gesamten privaten Vermögen." Sein Ratschlag: Unabhängig von der Anlageform solle der Anleger sich nie in ein Vorhaben einkaufen, welches er nicht vollständig verstanden habe.

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Von L. Lochmaier | Präsentiert von VDI Logo
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