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17.11.2013, 08:13 Uhr | 0 |

Nachhaltiges Bauen Europas größtes Holzhaus mit Strohballendämmung

Es ist fünfstöckig, besteht aus 38 Tonnen Stroh, 100 Tonnen Lehm und 200 Tonnen Nadelholz: das Norddeutsche Zentrum für nachhaltiges Bauen im niedersächsischen Verden. Schon vor Einweihung im nächsten Jahr hat es einen Innovationspreis der SPD erhalten.

Das NZNB im niedersächsischen Verden
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Das NZNB wird nach seiner Fertigstellung im Jahr 2014 das höchste mehrstöckige Strohballengebäude Europas sein.

Foto: NZNB

Von außen wird man dem Bau sein nachhaltiges Innenleben wohl nicht unbedingt ansehen. Aber riechen wird man sie können, die Strohballen in der Dämmung und das Nadelholz des Ständerwerkes. Im niedersächsischen Verden, rund 50 Kilometer von Bremen entfernt, entsteht derzeit das größte strohgedämmte und direkt verputzte Holzhaus Europas. Mitte des nächsten Jahres soll, nach anderthalbjähriger Bauzeit, Einweihung sein.

Dämmstoff ohne hohen Energieaufwand

Das 20 Meter hohe Gebäude wird das Norddeutsche Zentrum für nachhaltiges Bauen (NZNB) beherbergen. Es wird sowohl Bürogebäude mit 1 300 Quadratmetern Nutzfläche, als auch Kompetenzzentrum mit einer Ausstellung über nachhaltiges Bauen sein.

Thomas Isselhard, Architekt des Gebäudes und Vorsitzender des Netzwerkes Nachhaltiges Bauen, ist überzeugt vom Rohstoff Stroh: „Stroh wird in einer nachhaltigen Landnutzung vielfach für den Humuserhalt auf den Feldern und damit als Wertstoff eingesetzt. Doch der Teil, der dazu nicht verwendet wird, kann auch zu Ballen gepresst und anschließend zum Beispiel als hochwertiger Dämmstoff genutzt werden. Für die Herstellung ist damit kaum zusätzlicher Energieaufwand notwendig."

Im Haus, das Isselhard nun baut, wird es neben Stroh und Holz auch einen Kalkputz für die Außenwände und einen Lehmputz für Innen geben. Die große Glasfassade wird ohne äußeren Rahmen auf eine Tragkonstruktion aus Kiefern-Brettschichtholz montiert. Tragendes Element des gesamten Gebäudes ist das Holz, aus dem auch Treppenhaus und Fahrstuhlschacht bestehen.

Zwischen die Balken des vorgefertigten Holzständerwerkes wird das dicht gepresste und unbehandelte Stroh hineingedrückt. Über 1000 Strohballen mit einem Gesamtgewicht von 38 Tonnen sind verarbeitet worden. Die fertigen Einheiten aus Holz und Stroh sind jeweils drei Meter hoch, zwei Meter breit und 60 Zentimeter dick. 200 davon wurden für den Bau benötigt. Hinzu kommen 100 Tonnen Lehm und 120 Tonnen Kalkputz.

Inzwischen gibt es zwischen 200 bis 300 Strohballenhäuser in Deutschland

Das NZNB ist nicht das erste Strohballenhaus in Deutschland. Seit 2006 besteht die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für die so genannten Baustrohballen. Initiator für die notwendigen Baustofftests war damals der Fachverband Strohballenbau Deutschland. „Seitdem können Strohballenhäuser wie jedes andere Haus gebaut werden, wenn der getestete und zugelassene Wandaufbau verwendet wird“, erklärt Isselhard.

Die Anfragen von Interessenten, die mit Stroh bauen, nähmen stetig zu, sagt der Architekt. Es sei aber nach wie vor schwer, Handwerksbetriebe zu finden, die diese Bauweise anböten. Inzwischen gibt es nach Angaben des Fachverbandes zwischen 200 und 300 Bauwerke dieser Art in Deutschland.

Strohhäuser sind so brandsicher wie Steinhäuser auch

Die Befürchtung, dass ihr Strohballenhaus leichter brennt als herkömmliche Steingebäude, müssen Bauherren nicht haben. Die Strohhäuser seien so brandsicher wie jedes andere Haus und entsprächen den Brandschutzvorschriften, sagt Isselhard. Durch die starke Verdichtung des Strohs würde sich keine Luft zwischen den Halmen befinden. Die dichte Pressung des Strohs würde auch einen Parasitenbefall oder das Einnisten von Insekten oder Nagetieren verhindern, ist sich Isselhard sicher.

NZNB erhält Innovationspreis der SPD

Geehrt wurde das Zentrum für nachhaltiges Bauen schon vor seiner Fertigstellung. Im September erhielt das NZNB den Innovationspreis 2013 des Arbeitskreises der Selbstständigen in der SPD. In diesem Jahr ging es in der inhaltlichen Ausrichtung des Preises um Unternehmen mit innovativen Konzepten zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz. Die Jury entschied sich für das NZNB: „Das Bauen mit den ältesten, natürlichen Baustoffen der Menschheit – Holz, Lehm und Stroh – in Hightech-Bauweise für modernste Ansprüche funktioniert.“

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Von Gudrun von Schoenebeck
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