08.11.2014, 08:16 Uhr | 0 |

E-Auto Grimsel Weltrekord für Elektroautos: Von 0 auf 100 in nur 1,785 Sekunden

Dieses Elektroauto könnte man auch Rakete nennen: Der Grimsel hat mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 in nur 1,785 Sekunden einen neuen Beschleunigungsweltrekord aufgestellt. Entwickelt wurde das Auto von Studierenden der ETH Zürich und der Hochschule Luzern.

Der Elektro-Rennwagen Grimsel
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Der Elektro-Rennwagen Grimsel braucht nur 26 Meter, um 100 km/h zu erreichen. Das Auto wird von vier Radnabenmotoren angetrieben und wiegt nur 168 Kilogramm.

Foto: AMZ Racing

Gabriela Rafique ist 28 Jahre alt und Studentin der Arbeitspsychologie. Und sie hat einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie ist ein Hungerhaken, sie wiegt nur 50 Kilogramm. Das macht sie zur prädestinierten Pilotin in einem Wettbewerb, wo jedes Gramm zu viel alles in Frage stellt. Denn im internationalen Wettbewerb der Formula Student, des mit über 500 Teams weltweit größten Wettbewerbs für Ingenieure, der jährlich an verschiedenen Orten auf der Welt veranstaltet wird, geht es um Millisekunden.

Es galt, einen Weltrekord zu toppen, den ein Team der holländischen Technischen Universität Delft erst Anfang Oktober mit dem Elektrofahrzeug „DUT 12“ aufgestellt hatte. Dieses Team hatte einen selbst gebauten Elektroflitzer in einer Zeit von 2,134 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer beschleunigt.

Pilotin Rafique: „Man darf einfach keine Angst haben“

Am Montag, 3. November, 13:00 Uhr, setzte sich Gabriela Rafique, auf der Piste des Militärflughafens Dübendorf in der Schweiz hinter das Steuer des Elektrorennwagens Grimsel, den Studierende der ETH Zürich und der Hochschule Luzern gebaut haben. Dann gab sie Gas oder besser Strom und flitzte davon.

Um den Einfluss möglicher Hangneigung zu eliminieren, wird die offizielle Zeit für Beschleunigungs-Weltrekorde als Mittelwert aus zwei aufeinanderfolgenden Läufen in entgegengesetzter Richtung errechnet. Um 13:35 Uhr konnte schlussendlich die schnellste Zeit aufgestellt werden: Von 0 auf 100 in nur 1,785 Sekunden. „Man darf einfach keine Angst haben“, sagt Gabriela Rafique nach der Fahrt ausgesprochen cool.

Der neue Weltrekord ist unglaublich. Zum Vergleich: Ein Formel-1-Bolide braucht 2,5 Sekunden, um 100 km/h zu erreichen, ein Eurofighter ist mit 2,4 Sekunden einen Hauch schneller. Der eine Million Euro teure Bugatti Veyron braucht mit seinen 1200 PS ebenfalls 2,5 Sekunden. Schneller als der Grimsel ist das Elektromotorrad Killacycle-Bike mit unglaublichen 1,1 Sekunden von Null auf 100. Getoppt wird das nur noch von den Dragstern in den USA, die bei 0,4 Sekunden liegen.

Vier Radnabenmotoren bringen es auf 200 PS 

Wenn Gabriela Rafique das Pedal des Grimsel durchtritt, entsteht dieses Geräusch, welches viele vom Bohrer beim Zahnarzt ihres Vertrauens kennen. Es sind vier kleine Elektromotörchen in den Radnaben, die den Grimsel antreiben: Ein Elektro-Bolide, der nur 168 Kilogramm wiegt, aber 200 PS elektrische Energie auf die Radnaben bringt.

Jeder der vier kleinen und von den Studierenden selbst gebauten Elektromotoren wiegt nur 3,4 Kilogramm, leistet dabei aber 50 PS. An den Rädern wird ein Drehmoment von insgesamt 1630 Newtonmetern generiert. Das Karbonchassis wiegt nur 18 Kilogramm. Die 30 Studierenden aus dem Akademischen Motorsportverein Zürich (AMZ) der ETH Zürich und der Hochschule Luzern haben wirklich jedes Gramm weggefeilt.

Der Grimsel könnte ab 100 km/h auch an der Decke fahren

Die Aeorodynamik der Front- und Heckflügel ist derart wirksam, dass das Auto ab Tempo 100 umgekehrt an der Decke fahren könnte. Es würde nicht herunterfallen. Das Auto ist jedem Formel-1-Boliden in Sachen moderner Elektronik haushoch überlegen. Denn in der Königsdisziplin des Rasens ist vieles verboten, was Grimsel darf. So hat das Rennauto dank der vier Elektromotoren Allrad-Antrieb. Und der Antrieb jedes der vier Räder ist individuell gesteuert.

Und deshalb geht der leichte Grimsel ab wie eine Rakete: Den Wahnsinn dahinter kann ein Vergleich verdeutlichen: Ein Mensch, der von einem sehr hohen Turm springt, hätte das gleiche Tempo erst nach 38 Metern im freien Fall erreicht, so etwa 2,8 Sekunden nach dem Absprung. 

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Von Detlef Stoller
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