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23.07.2015, 08:51 Uhr | 0 |

1000 km Reichweite Studenten der TU Einhoven bauen familientaugliches Solarauto

Dank einer fast sechs Quadratmeter großen Dachfläche voller Solarzellen soll viersitzige Elektroauto Stella Lux im Jahresdurchschnitt mehr Energie produzieren als es selbst verbraucht. Studenten der TU Eindhoven haben das leichte, alltagstaugliche Familienauto konzipiert.

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine dieser Studien, aus denen nie ein Serienauto wird: Vor allem von vorn betrachtet erinnert Stella Lux wegen seines Mitteltunnels eher an einen Katamaran. Und das seitlich überstehende Dach trägt auch noch zur ungewöhnlichen Optik bei. Dennoch hat das Auto das Potenzial zur Familienkutsche, mit vier Sitzen und einer Reichweite bis zu 1000 km.

Genau darum geht es den Studenten der TU Eindhoven, die Stella Lux als zwar nicht alltägliches, aber doch alltagstaugliches Fahrzeug konzipiert haben. Schon mit dem Vorgänger Stella haben sie vor zwei Jahren die „World Solar Challenge“ in Australien gewonnen, in der Klasse der Cruiser, bei denen es weniger auf Leistung und Tempo als vielmehr auf Komfort ankommt.

Spitzengeschwindigkeit von 125 km/h

Auch dieses Jahr will das niederländische Team an dem Wettbewerb teilnehmen, diesmal aber mehr aufs Tempo drücken. Bis zu 125 km/h erreicht Stella Lux, vor allem dank des sehr geringen Leergewichtes von 375 kg, das die Nachwuchsingenieure durch Leichtbaumaterialien wie Faserverbundstoffe und Aluminium erzielt haben. Hinzu kommt die günstige Aerodynamik des Autos, das zwar mit 4,5 m recht lang, dafür aber nur 1,12 m hoch ist.

Fast 400 Solarzellen auf dem Dach und leistungsstarke Akkus sorgen nach Angaben der Forscher für eine positive Energiebilanz: Das Auto kann im Jahresmittel etwas mehr Strom produzieren als es selbst verbraucht. So könnte beispielsweise das eigene Haus noch mit der überschüssigen Energie versorgt werden – allerdings reicht das wohl für nicht mehr als ein bisschen Beleuchtung.

Navi berechnet die sonnigste Route

Die positive Energiebilanz soll auch dadurch zustande kommen, dass das verfügbare Sonnenlicht optimal ausgenutzt wird. Die künftigen Ingenieure haben dafür ein Navigationssystem eingebaut, das die Route mit den günstigsten Wetterbedingungen errechnen kann.

Größten Wert legen die Entwickler aber darauf, dass ihr Auto nicht bloß eine praxisferne Studie ist. Ganz normale Dinge wie ein Radio gehören zur Ausstattung – sogar eins, dass automatisch leiser wird, wenn sich ein Einsatzwagen mit Martinshorn nähert. Die Türen öffnen sich, sobald sich der Besitzer mit seinem Smartphone dem Auto nähert, und der Bordcomputer lässt sich sogar komplett mit dem Handy synchronisieren, so dass er beispielsweise am digitalen Terminkalender beispielsweise erkennt, wie viel Energie für die geplanten Fahrten verbraucht wird.

Designer entwickelten komfortablen Innenraum

Zum Team in Eindhoven gehören auch Designer, die sich nur mit Fragen des Komforts und der Optik befassen. Sie haben beispielsweise eine ausgeklügelte Beleuchtung entwickelt, die den Passagieren den Eindruck vermitteln soll, „in einer futuristischen Lounge zu sitzen“. Hinzu kommen spezielle Sitze, die direkt mit den Türen verbunden sind und sogar über leichte Kopfkissen verfügen.

Für die World Solar Challenge peilen die Eindhovener auch dieses Jahr wieder den Sieg in der Cruiser-Klasse an. Um in Australien teilnehmen zu können, fehlt allerdings noch einiges an Sponsoren-Geld. Über ihre Webseite haben die Studenten eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, bei der bislang rund 32.000 € zusammengekommen sind. Fast 150.000 € müssen in den kommenden fünf Wochen noch aufgebracht werden.

Natürlich sind die niederländischen Ingenieure nicht die einzigen, die an Solarflitzern tüfteln. Die Maschinenbauer der Hochschule Bochum sind ebenfalls schon weit gekommen bei der Entwicklung und haben den Europatitel beim Langstreckenrennen SolarWorldGT gewonnen. Allerdings sind sie von einem Viersitzer noch weit entfernt. Und auch bei der nächsten Formula Student auf dem Hockenheimring werden wieder 40 Elektroautos, teilweise mit Solarzellen auf der Karosserie, antreten.

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Von Werner Grosch
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