24.06.2015, 10:41 Uhr | 0 |

Wolken am Himmel Solar Impulse musste Flug nach Hawaii erneut abbrechen

Das Solarflugzeug Solar Impulse hat gestern Abend nur fünf Minuten vor dem geplanten Flug Richtung Hawaii den Start abgebrochen. Grund waren dichte Wolken, die kurzfristig für den vierten Tag des Fluges vorhergesagt wurden. Seit mehr als sechs Wochen warten die Pioniere nun auf gutes Wetter für die schwierigste Etappe ihrer Weltumrundung.

Die Solar Impulse kurz vor dem Start im japanischen Nagoya
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Die Solar Impulse kurz vor dem Start im japanischen Nagoya: Gestern Abend musste das Solarflugzeug erneut seinen geplanten Flug nach Hawaii wegen schlechten Wetters absagen.

Foto: Rezo Pizzolante/Solar Impulse

Pilot André Borschberg saß längst im Flugzeug, nur fünf Minuten sollte es noch dauern bis zum Start im japanischen Nagoya. Endlich, mehr als sechs Wochen nach dem geplanten Start in Richtung Hawaii, sollte die nur mit Sonnenenergie betriebene „Solar Impulse 2“ am Dienstagabend mitteleuropäischer Sommerzeit abheben. Die Pioniere wollten den Flug wagen, obwohl die Bedingungen „grenzwertig“ waren, wie Borschbergs Partner Bertrand Piccard gestand.

Dann rief ein Techniker Piccard in einen Raum mit einem Monitor, der die Wettervorhersage für die nächsten fünf Tage anzeigte. Und im letzten Moment waren dort dichte Wolken aufgetaucht. Spätestens an Tag vier der fünftägigen Reise wäre die Solar Impulse unter einer dichten Wolkendecke geflogen und hätte nicht mehr die Energie tanken können, die nötig gewesen wäre, um ausreichend Höhe zu gewinnen.

„Besser, als mit dem Fallschirm abzuspringen“

Schon Anfang Mai hatte Borschberg wegen einer plötzlichen Verschlechterung des Wetters den Flug vom chinesischen Nanjing nach Hawaii nach wenigen Stunden abbrechen und in Japan landen müssen. Seither wartet der Pilot, der sich mit Piccard im Cockpit abwechselt, auf stabiles Wetter.

Die beiden Abenteurer, die mit ihrer Erdumrundung ein Zeichen für eine Welt ohne fossile Energien setzen wollen, mühen sich in Interviews um Fassung. „Es ist vernünftig, nicht über die Grenzen zu gehen. André weiß, dass es besser ist, am Boden zu bleiben, als das Flugzeug über dem Pazifik mit dem Fallschirm zu verlassen“, sagt Piccard. Die Entscheidung sei hart, aber richtig, erklärt der sichtlich frustrierte Borschberg kurz nach Verlassen des Flugzeugs.

Zeitplan gerät aus den Fugen

Seitdem die Solar Impulse im April China erreichte, häufen sich die Probleme. Schon die Etappe quer durch China dauerte wesentlich länger als geplant. Zu schlechtem Wetter kamen noch gesundheitliche Schwierigkeiten von Piccard, der deswegen in die Schweizer Heimat zurückkehren musste. Wann der Start in Richtung Hawaii nun endlich möglich sein wird, ist völlig offen.

Für den Piloten ist die Verzögerung auch deshalb schwierig, weil er sich auf eine körperlich sehr harte Etappe einstellen muss: 120 Stunden Flug ohne Unterbrechung, nur mit kurzen Nickerchen. Ein solches Unterfangen hat es in der Geschichte der Luftfahrt noch nicht gegeben.

Der gesamte Zeitplan gerät nun immer mehr aus den Fugen. Von Hawaii soll es in drei Etappen quer durch die USA gehen, bevor mit dem Transatlantikflug nach Europa noch einmal eine fast 6000 km lange Strecke ansteht. Danach soll die Solar Impulse dann wieder nach Abu Dhabi aufbrechen, wo sie am 9. März gestartet war. 

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Von Werner Grosch
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