Elektromobilität

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10.12.2013, 12:20 Uhr | 0 |

Einjähriges Projekt mit E-Smarts Sachsens Bürgerpolizei fährt jetzt elektrisch

Zehn E-Smarts in Sachsen sollen jetzt in einem einjährigen Test beweisen, dass sie für den harten Polizeieinsatz geeignet sind. Das wohl größte Problem dürfte die recht geringe Reichweite der blau-weißen E-Flitzer sein. Spätestens nach 145 Kilometern muss solch ein rein elektrisch betriebener Smart wieder aufgeladen werden.

Übergabe von E-Smarts an sächsische Polizei
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Startschuss für die Pilotphase des ersten großen Behördenprojektes zur E-Mobilität: Am 9. Dezember 2013 wurden in Dresden zehn Elektrofahrzeuge vom Typ Smart an die sächsische Polizei übergeben. 

Foto: dpa/Arno Burgi

„Wir kommen auf leisen Sohlen“, kalauerte gestern in Dresden Sachsens Landespolizeipräsident Rainer Kann bei der Übergabe von zehn Elektroflitzern der Marke Smart durch Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU). Ein Jahr lang testet die Polizei in Sachsen von jetzt an die Tauglichkeit der E-Smarts im Verbrecherkampf. Ulbig fuhr gleich eine Proberunde vor dem Ministerium. Im Anschluss zeigte er sich begeistert: „Ein tolles Fahrgefühl! Es ist erstaunlich viel Platz im Wagen.“ Ulbig merkte aber auch an, dass die neue Elektromobilität für die Einsatzkräfte eine Umstellung bedeutet: „Er ist so geräuschlos, dass man sich erst einmal dran gewöhnen muss. Man hört nicht wie sonst die Beschleunigung.“

Gefangenenüberführung ins Hinterland bringt den E-Smart an seine Grenzen

Somit wird es zur Aufgabe der Bürgerpolizisten in Dresden, Leipzig und Chemnitz sowie der Beamten im Polizeiverwaltungsamt gehören, künftig sehr vorsichtig und umsichtig im Dienst unterwegs zu sein. Zu groß ist die Gefahr, dass Radfahrer und Fußgänger die heranrollenden E-Smarts nicht hören.

Jetzt geht es in die einjährige Testphase. Vor allem die begrenzte Reichweite von 130 bis 145 Kilometern lässt bezweifeln, ob die kleinen Elektrofahrzeuge für den harten Polizeialltag geeignet sind. Eine einfache Gefangenenüberführung ins sächsische Hinterland kann schon Grenzen aufzeigen. Denn wenn der Akku leer ist, muss der kleine E-Flitzer wieder aufgeladen werden – an einer normalen Steckdose sieben Stunden lang. „Mit diesen E-Smarts sollen unsere Bürgerpolizisten fahren. Damit sind sie nah und schnell am Bürger dran“, stellt der studierte Verwaltungs- und Betriebswirt Markus Ulbig klar.

Testphase auf ein Jahr begrenzt

Das Leasing für ein Jahr hat den Vorteil, dass der Freistaat nicht 18.910 Euro pro E-Smart auf den Tisch blättern muss. Denn so viel kostet das Fahrzeug – ohne Batterie. Mit Batterie kostet der Smart 23.680 Euro. Die Batterie mietet der Freistaat für 65 Euro pro Monat dazu. So lässt sich für wenig Geld die Eignung der Elektrofahrzeuge für den Polizeieinsatz testen. Im Anschluss der Testphase gibt Sachsen die Autos zurück oder kauft sie bei Tauglichkeit als Jahreswagen deutlich günstiger ein.

Der Smart fortwo electric drive ist mit einem Elektromotor ausgestattet, der eine Dauerleistung von 35 Kilowatt (kW) und als maximale Leistung sogar 55 kW bringt. So schafft der 975 Kilogramm schwere Flitzer es, von 0 auf 100 Stundenkilometer in 11,5 Sekunden zu beschleunigen. In der Spitze fährt der wendige Wagen 125 Stundenkilometer, ausreichend für den Dienst in der Stadt. Rasante Verbrecherjagden auf Sachsens Autobahnen sind damit jedoch schon verloren, bevor sie begonnen haben. Das wird wohl weiter die Domäne der benzinbetriebenen Polizeiautos bleiben.

Streifenwagen ohne Blaulicht

Kurios ist auch, dass die elektrisch betriebenen Streifenwagen über kein Blaulicht verfügen. „In erster Linie kommen sie bei den Bürgerpolizisten zum Einsatz, und die sind meistens nicht mit Blaulicht unterwegs“, erklärt Rainer Kann. Dazu kommt: Blaulicht und Martinshorn verbrauchen zusätzliche Energie und schränken die ohnehin nicht sonderlich üppige Reichweite weiter ein.

Das jetzt gestartete Pilotprojekt ist das erste große Behördenprojekt zur E-Mobilität in Sachsen und ein Beitrag zum „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ der alten Bundesregierung unter schwarz-gelb, der das Datum August 2009 trägt. Ein Schub an Aktivität hin zur Elektromobilität ist den Beamten im Freistaat daher wohl kaum zu attestieren. Wir schreiben Dezember 2013.

Smart-Konzept ist wirklich kohlendioxidneutral

Aber als Serienfahrzeug ist der Smart fourtwo electric drive auch erst seit 2012 in Europa zu kaufen. Und bei diesem Elektroauto hat die Firma Daimler nicht nur über Ausstattungsmerkmale nachgedacht, sondern auch eine überzeugende Lieferkette für echte CO2-Neutralität während der Nutzungsdauer dieser Fahrzeuge geschaffen: Jeder verkaufte E-Smart fährt während seiner gesamten Nutzungsdauer alle Kilometer, ohne ein einziges Gramm Kohlendioxid in die Luft zu blasen.

Daimler nennt dieses Konzept stolz „von der Quelle bis zum Rad“. Um dieses Versprechen umzusetzen, betreibt der Konzern seit dem 1. Juli 2012 eine eigene Windkraftanlage als Teil des Windparks Hof in Bayern, der momentan aus acht Anlagen besteht. Eine Enercon E-82 E2 mit einer Nennleistung von 2,3 Megawatt und einer Nabenhöhe von 138 Metern bei einem Rotordurchmesser von 82 Metern garantiert, dass immer genügend Strom für all die E-Smarts in das Stromnetz eingespeist wird.

Transparentes Verfahren ohne Greenwashing

In einem transparenten Verfahren bekommt Daimler für die von der Windkraftanlage produzierte Strommenge Herkunftsnachweise im zentralen Register des Umweltbundesamtes. Ein Greenwashing ist somit genauso wie eine Doppeltvermarktung ausgeschlossen. Die zehn E-Smarts im Dienste der Polizei in Sachsen sind somit wirklich vollkommen kohlendioxidneutral unterwegs und sorgen für ein Gefühl von Sicherheit in unsicheren Zeiten.

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Von Detlef Stoller
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