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23.09.2016, 14:27 Uhr | 2 |

IAA Nutzfahrzeuge Pst! Mercedes-Benz präsentiert elektrischen Stadt-Truck

Der Urban eTruck buckelt genau so viel Fracht wie sein dieselnder Kollege, transportiert sie aber flüsterleise, emissionsarm und wirtschaftlich. Dafür schafft das XXL-Elektromobil nur 200 Kilometer pro Batterieladung. Macht aber nix: Für den Einsatz in Ballungsgebieten reicht das. Mercedes-Benz zeigt seinen eTruck noch bis zum 29. September auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. 

Lastwagen und Innenstädte verbindet seit jeher eine Hassliebe. Sie können nicht mit-, aber auch nicht so richtig ohneeinander. Schließlich müssen die Waren irgendwie in die Geschäfte, die Lebensmittel zu den Restaurants und die Lastwagen ans Ziel. Dummerweise machen die Brummis Krach und verpesten die Luft – so sehr, dass bereits Fahrverbote für Diesel-Lkw im Gespräch sind. Eine mögliche Lösung für dieses Dilemma präsentiert Mercedes-Benz derzeit auf der IAA Nutzfahrzeuge: den Urban eTruck. Angekündigt wurde er bereits vor einigen Wochen. Bisher handelt es sich noch um ein Konzeptfahrzeug, über eine Realisierung in nicht allzu weiter Zukunft wird jedoch bereits spekuliert.

Speziell für Ballungsgebiete konzipiert

Der vollelektrisch fahrende Lkw ist speziell für den Verteilerverkehr in Ballungsgebieten gedacht: Leise, emissionsfrei und mit einer Nutzlast von 12,8 t: Der Koffer ist voll nutzbar, da weder die Antriebstechnik noch die Batterien Platz im Laderaum wegnehmen. Damit muss sich der Dreiachser mit einem zulässigen Gesamtgewicht von rund 26 t trotz seines um 1.700 kg höheren Leergewichts nicht hinter seinen Diesel-Kollegen verstecken, die bislang klassischerweise in den Innenstädten unterwegs sind. Lediglich bei der Reichweite wird’s knapp: Mit einer vollen Ladung kommt der eTruck rund 200 km weit. Das reicht für eine übliche Tagestour durch einen dichtbesiedelten natürlichen Lebensraum, für Überlandfahrten taugt das XXL-Elektromobil dagegen wenig.

Wolfgang Bernhard, Vorstandsmitglied der Daimler AG und Leiter des Geschäftsfeldes Daimler Trucks & Buses, steht am 21.09.2016 vor einem Mercedes Elektro-LKW Urban eTruck am Stand von Daimler bei der 66. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover (Niedersachsen). Auf der Leitmesse der Nutzfahrzeug-Branche präsentieren rund 2000 Aussteller aus 52 Ländern vom 22. bis 29. September unter anderem alternative Antriebe, autonomes Fahren und vernetzte Fahrzeuge. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Nachdem Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard den Urban eTruck am Stand abgestellt hat, präsentiert er ihn den IAA-Besuchern. 

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Fahrt nimmt der eTruck mithilfe seiner elektrisch angetriebenen Hinterachse mitsamt Elektromotoren direkt neben den Radnaben auf. Die schaffen jeweils 125 kW mit einem Drehmoment von je 500 Nm. Trotz des neuen Gesamtkonzepts ist dieses Prinzip kein Neuland für Mercedes-Benz: Dasselbe Prinzip kommt bereits bei Bussen zum Einsatz. Ins Portalachsgetriebe ist eine Übersetzung integriert, durch die ein Raddrehmoment von 11.000 Newtonmeter zustande kommt. 

212 kWh Batterieleistung reichen für eine Tagestour

Seine Energie bezieht der eTruck aus einem Bündel Lithium-Ionen-Akkus, deren Menge je nach Kundenwunsch variabel ist. Das Exemplar auf der IAA Nutzfahrzeuge besitzt drei Module mit einer Spannung von 660 Volt, die es mit insgesamt 212 kWh versorgen – ausreichend für die als Maßstab angesetzte 200-km-Tagestour als Verteiler-Lkw. Die mittlerweile übliche Bremskraft-Rückgewinnung stellt weitere Energiereserven zur Verfügung.

So viel soll der Fahrer auf seiner Tour aber gar nicht unnötig Gas – oder vielmehr Strom – geben und dementsprechend wenig abbremsen: Dafür sorgt unter anderem die „Predictive Powertrain Control“, ein vorausschauender Tempomat. Weitere technische Neuerungen sind ein vorausschauendes Frachtmanagement-Tool sowie der Telematikdienst „FleetBoard for Urban Distribution“: ein flexibler Tourenplaner, der Routen-, Wetter-, Verkehrs- und sonstige Bedingungen direkt mit dem Antriebssystem verbindet und die jeweils wirtschaftlichste Route unter Berücksichtigung der verbleibenden Reichweite anzeigt.

Voll vernetzt

Zugriff auf diese Daten haben nicht nur der Fahrer, der sämtliche relevanten Daten auf einem 12,3-Zoll-Display sieht, sondern auch die Kollegen in der Distribution, die die Tour entsprechend planen können. Auch weiß bei spontanen Änderungen und Hindernissen jeder in Echtzeit, ob die Energie für die vorhergesehene Route reicht und kann entscheiden, ob ein Runterregeln der Antriebskraft, eine Alternativstrecke oder ein Zwischenstopp an einer Schnellladestation jeweils sinnvoller sind. 

An einer solchen braucht der Lkw gerade mal zwei Stunden, um vollzutanken. Im Express-Modus fließen 150 kWh. Wirtschaftlich sinnvoller ist laut Mercedes-Benz das langsame Laden über elf Stunden mit 20 kWh über Nacht mithilfe von stationären Batteriespeichern, die die Tochterfirma Mercedes-Benz Energy GmbH praktischerweise gleich mitliefert – ohne Lastspitzen und nach Bedarf und eventuell auch zu speziellen Tarifen des Stromanbieters für die Randzeiten. 

Ein Bild von einem Kühlergrill

Allerdings ist der Lkw in der Anschaffung rund 40 Prozent teurer als konventionelle Lkw. Das rechne sich aber, so der Hersteller: Neben der günstigeren Energie sei die Lebensdauer höher und die Wartungsintensität geringer. Zusätzlich zur modernen Technik bekommt der Käufer außerdem ungewöhnliches Design auf den Hof gestellt. Augenfällig sind zum Beispiel die weiche und fließende Form der Fahrerkabine ohne sichtbare Fuge und die optisch nach unten verlängerte Windschutzscheibe. Herkömmliche Außenspiegel bleiben direkt in der Mottenkiste, für den rückwärtigen Durchblick sorgen Kameras.

Der klassische Kühlergrill ist zwar eigentlich nicht mehr notwendig, ganz verzichten wollten die Designer trotzdem nicht auf dieses Element. Deshalb bekommt der eTruck einen sogenannten Black-Panel-Grill. Die transparente Fläche wird durch hochauflösende LED beleuchtet und könnte zur Kommunikation mit der Umgebung genutzt werden, schlägt der Fahrzeughersteller vor. Oder man bildet einfach den altbekannten Mercedes-Grill nach. Dann ist der Anblick nicht ganz so ungewohnt.

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Eine Transporter-Studie Mercedes Vision Van (li.) und die dazugehöhrige Drohne sowie der Mercedes Elektro-Lkw Urban eTruck stehen am Stand von Daimler bei der 66. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Auf der Leitmesse der Nutzfahrzeug-Branche präsentieren rund 2000 Aussteller aus 52 Ländern noch bis zum 29. September unter anderem alternative Antriebe, autonomes Fahren und vernetzte Fahrzeuge.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Was es sonst noch auf der IAA Nutzfahrzeuge 2016 zu sehen gibt? Einen Überblick finden Sie hier und wie sich Bosch das Transportwesen 2026 vorstellt können Sie auf dieser Seite nachlesen.                  

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Von Judith Bexten
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kommentare
08.10.2016, 12:29 Uhr Progetti
In Stadtzonen mit Abgasverbot sollten sowohl Induktions- Schleifen in die Fahrbahn als auch Primär- Spulen in die Parkplätze eingebaut werden, damit Elektro- Autos ohne Energie- Engpass agieren können!
Ein plombierter Stromzähler im Auto könnte dann für die Bezahlung die verbrauchte Energie messen.

03.12.2016, 19:50 Uhr MartinN.
Sollte es im siebten Abschnitt nicht heißen: ... Im Express-Modus fließen 150 kW. Wirtschaftlich sinnvoller ist laut Mercedes-Benz das langsame Laden über elf Stunden mit 20 kW über Nacht...
Also nicht Energie in kWh sondern eine Leistung in kW.
Oder täusche ich mich?

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