02.05.2015, 08:53 Uhr | 0 |

Rollend durch den Park Mobil im Alter: Elektrischer Einachser für zwei Personen

Die Demographie stellt die Zivilisation vor enorme Herausforderungen. Zum Beispiel sollen die vielen alten Menschen eine gute Teilhabe an der Gesellschaft beibehalten. Mobilität ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Ein Forschungsverbund hat jetzt ein einachsiges Fahrzeug vorgestellt, das dafür eine Lösung anbietet.

Grafik E2V
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Beim Start des Projektes "Elektromobilitätskonzept mit teilautonomen Fahrzeugen" (E2V) sah das einachsige Fahrzeug spacig aus. 

Foto: Uni Kassel

Eines der wichtigsten Hilfsmittel in der Wissenschaft und Forschung dürfte das Gaffer-Tape sein: Das stabile Klebeband hält wackelige Teile in Position und verbindet ansonsten Unverbundenes. Wenn aber ein mit rund zwei Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt der Öffentlichkeit den mit diesem Geld entwickelten Prototypen vollgeklebt mit Gaffertape präsentiert, dann irritiert das doch sehr. Und so erzeugt das jetzt vorgestellte einachsige Elektrofahrzeug, welches  im Forschungsverbund „Elektromobilitätskonzept mit teilautonomen Fahrzeugen“ (E2V) an der Universität Kassel entwickelt wurde, zunächst ungläubiges Kopfschütteln.

E-Fahrzeug bietet eine Bank mit zwei Sitzen

Die Grundidee zu diesem Fahrzeug mag gut sein, die erschlagende Größe und die schräge Optik lassen allerdings Fragen offen. Das Gefährt auf zwei Rädern wurde im Fachgebiet Fahrzeugsysteme und Grundlagen der Elektrotechnik an der Universität Kassel unter Leitung von Prof. Dr. Ludwig Brabetz konzipiert und realisiert. Das Fahrzeug gewinnt seine Stabilität über minimale elektronisch gesteuerte Verschiebungen der kompletten Achse. So verlagert sich permanent der Schwerpunkt des Einachsers. Bekanntester Einachser ist der Segway, der im Stehen gefahren wird und selbstbalancierend ist. Die rollende Kasseler Entwicklung verfügt über eine Bank mit zwei Sitzen. 

„Auch für Senioren und bewegungseingeschränkte Menschen attraktiv“

„Das macht es auch für Senioren und bewegungseingeschränkte Menschen attraktiv“, erklärt Prof. Ludwig Brabetz, Sprecher des Forschungsverbundes E2V. „Die Ergebnisse des Vorhabens helfen dabei, eine Mobilitätslücke in der älter werdenden Gesellschaft zu schließen und erfüllen dabei gleichzeitig die Forderung nach einer umweltverträglichen, individuellen Fortbewegung, die sich durch erneuerbare Energien speisen lässt.“

Im Einachser durch den Park

Die E2V-Wissenschaftler denken zum Beispiel an Stadtzentren, an verkehrsfreie Wohngebiete, an Parks und an Kulturlandschaften als Einsatzgebiet für ihren Einachser. Alles Gebiete, wo sich wegen baulicher Gegebenheiten oder aus Umwelt- und Tourismusaspekten der Einsatz herkömmlicher Straßenfahrzeuge verbietet.

Informationstechnik im Einachser ermöglicht es, den Passagieren Daten über die Umgebung zur Verfügung zu stellen. In der Weiterentwicklung des E2V-Gefährts wollen die Forscher eine Funktion zum teilautonomen Fahren einbauen. Dann kann das Fahrzeug seine Insassen selbstständig ans gewünschte Ziel bringen.

Auch für schlechte Wegstrecken geeignet

Das Fahrzeug könne auf kleinsten Raum die Richtung wechseln, weil es sehr wendig konstruiert sei, heißt es. Zudem ist die zweisitzige Fahrgastzelle mit einer guten Rundumsicht versehen. Ein verstellbarer Federkomfort sorgt dafür, dass das Vehikel auch auf schlechtem Untergrund, etwa einer holprigen Wiese im Park, gut vorankommt, ohne seine Passagiere allzu sehr durchzurütteln. Ein Spindelantrieb ermöglicht es, die Räder unter dem Fahrzeugaufbau in der Höhe zu verstellen.

Das E-Gefährt hat zwei Synchron-Radnabenmotoren mit Permanentmagneten, so dass eine energieeffiziente Stabilisierung und Fahrfunktion gewährleistet ist. Eine intelligente Elektronik zur Koordinierung aller Balance-, Fahr- und Komfortfunktionen mit GPS-Navigation ist ebenfalls an Bord.

Konsortium mit vielfältigen Kompetenzen am Werk

Es ist schon ein Konsortium mit vielfältigen Kompetenzen, das am E2V-Fahrzeug mitgewirkt hat. Beim Bau haben Forscher aus den Gebieten Leichtbau, Karosserie und Fahrwerk, elektrische Antriebe, Elektronik, Mensch-Maschine-Schnittstellen und GPS-Navigation zugearbeitet. Es waren insgesamt fünf Fachgebiete der Universität Kassel sowie sechs Partner aus der Industrie am Projekt beteiligt. Das Design aber ist wohl auf der Strecke geblieben...

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Von Detlef Stoller
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