28.06.2013, 10:00 Uhr | 0 |

Elektromobilität Leichtbaukompetenz aus Dresden soll Elektromobile voranbringen

Neben Hochvoltbatterien hat die Nationale Plattform Elektromobilität Leichtbau als Schlüsseltechnologie für den Erfolg der Elektromobilität ausgemacht. Ein mit 20,3 Mio. € finanziertes Leuchtturmprojekt in Dresden soll nun die Leichtbau-Forschung besser koordinieren und den Know-how-Transfer von Wissenschaft zu Industrie beschleunigen.

3,2 Tonnen schweres Federelement
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Das 3,2 Tonnen schwere Federelement war vor Jahren für einen Fallprüfstand des Leichtbau-Innovations-Zentrums der TU Dresden vorgesehen. Dort werden Teile von ICE-Zügen, Autos und Flugzeugen auf ihre Sicherheit trotz Leichtbaumaßnahmen getestet. Jetzt entsteht in Dresden ein neues Forschungs- und Demonstrationszentrum für ressourceneffiziente Leichtbaustrukturen in der Elektromobilität (FOREL). Das Leuchtturm-Projekt wird vom Leichtbau-Innovationszentrum der TU Dresden koordiniert.

Foto: dpa/Jan Woitas

"Wir brauchen im Leichtbau Leuchtturmprojekte", hatte Prof. Werner Hufenbach Mitte 2011 in den VDI nachrichten gemahnt. Vorige Woche meldete der Leiter des Instituts für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) an der TU Dresden Vollzug. Sein Institut wird mit einer auf zunächst drei Jahre angelegten Anschubfinanzierung von 20,3 Mio. € ein neues Forschungs- und Demonstrationszentrum für ressourceneffiziente Leichtbaustrukturen in der Elektromobilität (FOREL) koordinieren.

Die Initiative für das Leichtbau-Leuchtturmprojekt kommt aus der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE). Es wird zu 60 % aus Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert. Den Rest steuern Industriepartner bei – darunter Volkswagen, KraussMaffei und ThyssenKrupp sowie Kirchhoff Automotive, Bühler, Fri-Mo und Inpro. Als Hochschulpartner wirken neben der TU Dresden die Bergakademie Freiberg, die TU München und die Uni Paderborn mit.

Erkenntnisse bündeln und zügig in die Praxis überführen

"FOREL" soll als national übergreifende, offene Plattform neue Erkenntnisse rund um dem Leichtbau für Elektrofahrzeuge bündeln und zügig in die industrielle Praxis überführen. Das ILK fungiert als übergreifende Organisations- und Steuerungsschnittstelle. Bei der Bekanntgabe im Zuge des 17. Dresdner Leichtbau-Symposiums erklärte Hufenbach letzte Woche: "Diesem Leuchtturmprojekt wird eine Vorreiterfunktion im internationalen Wettbewerb zukommen."

Es werde den Ansatz des "funktionsintegrativen Systemleichtbaus im Multi-Material-Design" in vorwettbewerblichen Projekten vorantreiben, die dabei gewonnenen neuen Erkenntnisse validieren und aus neu entwickelten Prozessketten ein umfassendes Prozessnetzwerk knüpfen. Es soll der Automobilindustrie mittelfristig den Weg zu wirtschaftlichen Leichtbaulösungen im Serienmaßstab ebnen.

Elektroauto InEco wiegt unter 900 Kilogramm

Beim Symposium demonstrierten ILK, Leichtbau-Zentrum Sachsen und ThyssenKrupp am erstmals gezeigten Demonstrator "InEco", was funktionsintegrativer Leichtbau im Fahrzeugbau bewirken kann. Das Elektroauto – ein fahrtüchtiger Viersitzer in CFK- und Stahl-Mischbauweise – wiegt unter 900 kg. Die Konstrukteure haben die Gesamtstruktur von vornherein konsequent auf Leichtbau ausgelegt, statt wie bisher im Fahrzeugbau üblich das Gewicht einzelner Komponenten zu optimieren. Durch den Systemansatz war es möglich, Stahl und Faserverbundwerkstoffe jeweils gemäß ihren funktionalen Stärken einzusetzen. So prädestiniert ihre Festigkeit beide Werkstoffe für crashsichere Strukturen, doch kommen ihnen darin wegen ihres unterschiedlichen Energieabsorptionsvermögens ganz verschiedene Funktionen zu.

Am Rande des Symposiums weihte ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger im Beisein von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich das neue "Tech Center Carbon Composites" und eine neue Fabrik der ThyssenKrupp Carbon Components in Kesselsdorf bei Dresden ein. Sein Konzern werde seine F&E-Aktivitäten im Bereich von Zukunftstechnologien ausbauen und dabei verstärkt mit Spitzenuniversitäten zusammenarbeiten, sagte Hiesinger. Beleg dieser Zusammenarbeit: Die ThyssenKrupp Carbon Components sei ein Joint Venture mit einer Ausgründung der TU Dresden.

Laut Hiesinger ist man im Stahlkonzern "von den technologischen Vorteilen faserverstärkter Kunststoffe und deren wachsendem Marktpotenzial überzeugt". Tillich führte die Standortwahl des Konzerns auf die Forschungsförderung seines Landes zurück: "Die Ansiedlung von ThyssenKrupp in Dresden ist ein Beleg dafür, dass es im Freistaat Sachsen gelingt, mit gezielter Förderung von Wissenschaft und Forschung attraktive Rahmenbedingungen für Unternehmen zu schaffen."   

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Von Peter Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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