01.09.2015, 14:12 Uhr | 0 |

Laden per Induktion In Berlin fahren erste umweltfreundliche Elektro-Linienbusse

Die Berliner Verkehrsbetriebe experimentieren mit Elektromobilität: Zwischen den Bahnhöfen Zoo und Südkreuz fahren seit Montag vier Elektro-Linienbusse. Induktive Ladestationen an den Endhaltestellen sorgen in nur sieben Minuten für Energienachschub.

Umsteigen auf den Elektrobus
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E-Bus Berlin: In einem Pilotprojekt der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) fahren die Busse der Linie 204 vom Zoo zum Südkreuz künftig im Elektrobetrieb. 

Foto: Paul Zinken/dpa

Wer Zeuge der Elektromobilität im ÖPNV werden möchte, sollte die Berliner Buslinie 204 zwischen den Bahnhöfen Zoo und Südbrücke aufsuchen. Dort fahren seit Montag vier E-Busse vom Typ Urbino 12 electric des polnischen Herstellers Solaris – die Antriebstechnik stammt vom Düsseldorfer Unternehmen Vossloh Kiepe. 

Die 218-PS-starken Busse sind quietschgelb, erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h und tragen die Aufschrift „Gelb stinkt nicht.“ „Wir zeigen damit anderen Städten, dass Berlin in der Zukunft angekommen ist“, sagt Staatssekretär Rainer Bomba aus dem Bundesverkehrsministerium.

Induktive Ladestationen sorgen für Energienachschub

Die E-Busse fahren im 20-Minuten-Takt und brauchen für die 6 km lange Strecke mit 17 Haltestellen rund 24 min. Durchschnittlich verbrauchen sie 1,8 kWh pro Kilometer. An den Endhaltestellen sorgen Ladestationen des kanadischen Schienenverkehrstechnikherstellers Bombardier für Energienachschub.

Der Clou: Wie bei einer Elektrozahnbürste erfolgt das Aufladen der 90-kWh-Batterie kabellos per Induktion. Der Fahrer muss den Bus lediglich über der Ladestation im Boden parken, damit sich der unter dem Bus montierte Stromaufnehmer bis knapp über den Boden senken kann. Die Ladestation überträgt die Energie dann über ein Magnetfeld. Ein Ladevorgang dauert zwischen vier und sieben Minuten.

E-Busse haben bereits 1 t CO2 eingespart

Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen das System in den nächsten 15 Monaten testen. „Bevor eine so große Flotte wie die der BVG komplett auf E-Fahrzeuge umgestellt werden kann, sind langfristige Tests unter Alltagsbedingungen notwendig“, sagt Sigrid Nikutta, Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe.

Es gibt allerdings schon eine Bilanz: Seit dem Start der E-Busse am 31. August konnte die BVG 316 L Diesel, 1 t CO2 und 4 kg Stickoxide einsparen. Der Bund unterstützt das Projekt bis 2016 mit 4,1 Millionen €.

E-Busse sind leiser als Dieselbusse

Die E-Busse sind nicht nur emissionsarm, sondern schonen auch die Ohren: Fahrgäste profitieren laut BVG von einem deutlich ruhigeren Fahrerlebnis, weil die Busse nicht vibrieren. Die Geräuschemission entspricht der eines durchschnittlichen Pkw und ist damit um rund die Hälfte geringer als die eines modernen Dieselbusmotors.

«Gelb stinkt nicht» steht am 31.08.2015 in Berlin auf einem Bus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). In einem Pilotprojekt fahren die Busse der Linie 204 vom Zoo zum Südkreuz künftig im Elektrobetrieb. Foto: Paul Zinken/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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"Gelb stinkt nicht" steht am 31. August 2015 in Berlin auf einem Bus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Foto: Paul Zinken/dpa

Die Testphase soll auch klären, ob die Befürchtungen des Blinden- und Sehbehindertenverbandes (ABSV) berechtigt sind, Blinde würden durch die leisen Busse gefährdet. Derzeit kommen Außenlautsprecher zum Einsatz, die an den Haltestellen die Einfahrt ankündigen

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Von Patrick Schroeder
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