21.01.2014, 15:36 Uhr | 0 |

Drohende Überhitzung Großer Adaptertausch beim Elektroauto Tesla S

Der kalifornische Elektroauto-Hersteller Tesla Motors schickt fast 30.000 Besitzern des Edelflitzers Tesla S einen Austausch-Adapter für die Ladestationen zu. Der Grund: Die alten Geräte können überhitzen.

Tesla S
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Überhitzungsgefahr: In den USA bekommen derzeit fast 30.000 Tesla-S-Besitzer einen Austausch-Adapter für die Ladestationen zugeschickt. 

Foto: Tesla

Die schlechten Nachrichten um die elektrischen Edelflitzer Tesla S reißen nicht ab. Jetzt wurde bekannt, dass 29.222 Besitzer eines solchen Fahrzeugs aus der Baureihe des vergangenen Jahres Post vom Hersteller bekommen. Darin finden sie einen neuen Adapter für das Ladegerät. Denn der serienmäßig gelieferte Adapter mit der Typenbezeichnung NEMA 14-50 (240 Volt) kann überhitzen. Der jetzt auf dem Postweg zugestellte Adapter hat eine eingebaute thermische Sicherung. Zeitgleich nimmt Tesla Motors bei den betroffenen Fahrzeugen ein Internet-Software-Update vor. "In Deutschland sind keine Fahrzeuge betroffen, es betrifft ausschließlich den amerikanischen Raum“, betont Kathrin Schira, verantwortlich für die Tesla-Kommunikation im deutschsprachigen Raum.

Bislang sechs Fälle bekannt 

Der US-amerikanische Konzern Tesla Motors mit Sitz in Palo Alto im kalifornischen Silicon Valley reagiert prompt: Bislang sind sechs Fälle bekannt geworden, bei denen das Problem der Überhitzung am Steckdosen-Adapter auftauchte.

Der Erfolgskonzern steht unter enormer Beobachtung der internationalen Medien. Und erlitt einen Imageschaden, nachdem im vergangenen Jahr über drei Tesla S-Brände berichtet wurde. Personen wurden keine verletzt.

Seitdem der Tesla S vom Band rollt, haben allein in den USA eine Viertelmillionen normale Autos Feuer gefangen. Diese Zahl nennt jedenfalls Tesla, um die Verhältnisse ins richtige Licht zu setzen. Das hat zu 400 Todesfällen und rund 1200 Schwerverletzten geführt.

„Das sicherste Auto der Welt“

Immerhin hat der Tesla S im Test der National Highway Traffic Safety Administration NHTSA vor dem Brand mit 5,4 Sternen einen bisher nie zuvor erreichten Wert geschafft und die NHTSA damit an die Grenzen ihrer Chrashtest-Methodik gebracht. Tesla Motors nannte seinen Tesla S nach diesem Testergebnis stolz „das sicherste Auto der Welt.“

Am 1. Oktober 2013 kam dann der Dämpfer: Eine der Edellimousinen von Tesla Motors, ein mehr als 70.000 Dollar teurer Elektrowagen der Reihe Tesla S, ging am Straßenrand im US-Bundesstaat Washington in Flammen auf und brannte im vorderen Fahrzeugbereich aus. Die Sportlimousine war mit einem metallischen Gegenstand auf der Straße kollidiert, welcher in einer Akkuzelle im vorderen Bereich des Fahrzeugs mit einer Wucht von 24 Tonnen ein Loch geschlagen hatte.

„Ein Elektroauto bereitet mir weniger Sorgen als eins mit Benzinmotor“

Ein ähnliches Szenario ist normaler Bestandteil der sogenannten abuse-Tests am Batterieforschungszentrum Electrochemical Energy Technology (MEET) der Universität Münster. Dabei wird ein Nagel durch Anode, Separatorfolie und Kathode getrieben. Dadurch wird ein abrupter Kurzschluss erzwungen. In den meisten Fällen fängt es bei diesem Szenario langsam an zu brennen im Akku. Nichts Ungewöhnliches also. Gerhard Hörpel vom MEET betont, dass er batterieelektrisch betriebene Autos für „sehr sicher“ hält. „Ein Elektroauto bereitet mir weniger Sorgen als eins mit Benzinmotor.“ Hörpel legt Wert darauf, dass eine korrekt gefertigte Batterie weder von allein noch beim Laden in Flammen aufgehe. Das Managementsystem verhindere eine Überladung.

Fahrgastinnenraum war nicht betroffen

Die Batterien werden vom Computersystem permanent überwacht. Und dieses sorgte auch beim Brand in Washington dafür, dass nicht mehr geschah. Das Computersystem erkannte ein Problem mit dem Batteriepack und forderte den Fahrer auf, anzuhalten und auszusteigen. Der Fahrer berichtete, dass er in Ruhe habe aussteigen können und seine Sachen aus dem Wagen nehmen konnte. Danach stieg Rauch auf und der Tesla S begann zu brennen. Der Fahrgastinnenraum war durch das Feuer nicht gefährdet. Ein Erfolg der Brandschotten, die zwischen den 16 Modulen der Batterie sowie zwischen Batteriesystem und Fahrgastzelle eingebaut sind.

Tesla Motors hat aus den drei glimpflich verlaufenden Brandfällen Konsequenzen gezogen. So hat Tesla die zuständige NHTSA mit einer ausführlichen Überprüfung beauftragt. Dazu gibt es ein Software-Update für das höhenverstellbare Fahrwerk. So verschafft der Hersteller dem E-Flitzer mehr Bodenfreiheit, um Beschädigungen am Unterboden zu verhindern. Als dritte Maßnahme erweitert Tesla die Fahrzeuggarantie auf Feuer, so dass kein Besitzer einen finanziellen Schaden erleiden muss.

Daimler-Chef steht zu Tesla-Technik

In der Zeitschrift „auto motor und sport“ bekannte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche zur Strategie, in seiner B-Klasse-Serie Batterietechnik von Tesla zu verbauen: „Es ist zwar richtig, dass die Batteriechemie bei Tesla tendenziell etwas exothermer ist als bei anderen Batterietechnologien. Aber das kann man durch Steuerung und Platzierung der Batterie beherrschen. Wir sind sicher, dass wir im Energy-Space der B-Klasse die Batterien so unterbringen, dass die Brandgefahr so gering ist wie bei anderen Autos."

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Von Detlef Stoller
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