23.07.2013, 15:39 Uhr | 0 |

Mietsysteme in vielen Städten Franzosen erfolgreich mit bezahlbaren E-Autos Twizy, Zoe und Bolloré

In Deutschland hat aktuell der Renault Twizy die Nase vorn, in Frankreich ist das Bluecar von Bolloré erfolgreich. Das liegt auch an Carsharing-Konzepten. Beide Franzosen haben ihren Charme – und bleiben bei den Kosten unten.

Bluecar in Paris
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Der elektrische Stadtflitzer Bluecar des französischen Unternehmers Vincent Bolloré gehört inzwischen zum Stadtbild vieler französischer Städte. Im Carsharing-System in Paris kostet die Tagesmiete nur zehn Euro plus Strom. Demnächst soll das Auto sogar gratis zu leihen sein.

Foto: Wikimedia/Mike Peel

Franzosen sehen blau – zumindest in Paris. Dort punkten Elektroautos bei einem Carsharing-Konzept, das dem bereits erfolgreichen Fahrradverleih "Vélib‘" nachempfunden ist. Nur sind bei "Autolib‘" elektrische Zwei- oder Viersitzer an rund Hunderten von Stationen problemlos ausleihbar. Bald soll das Angebot auf rund 3000 Autos ausgedehnt werden. Die Modelle sind allesamt Bluecars des französischen Herstellers Bolloré. Sein Angebot verzeichnet bereits 28 000 Abonnenten. Bei 80 000 rechnet es sich.

Elektrische Bluecars kosten nur zehn Euro Miete täglich – bald gratis

Um die Pariser ins Elektroauto zu locken, drückt Vincent Bolloré auf die Kostenbremse. Bislang kostete das Abo täglich rund 10 €. Bald ist die Tagesmiete gratis. Eine Woche ist für 15 €, ein Jahr für 144 € plus Stromkosten zu haben. Das Aufladen ist kein Problem: Über 5000 Stationen stehen in ganz Paris bereit. Der Dreitürer kommt an der Seine so gut an, dass im Oktober auch Lyon mit "Bluely" und im November Bordeaux mit dem "Bluecub" bei E-Autos blau sehen. 2014 will Bolloré in Indianapolis die Amerikaner vom Charme seiner Fahrzeuge überzeugen. Der Vertrag über 35 Mio. $ ist bereits unterzeichnet.

Nicht, dass immer alles so einfach wäre: Pariser Nutzer beschweren sich über Raucher in Nichtraucherwagen, mangelnde Sauberkeit oder die nicht wirklich eintretende Entlastung des Stadtverkehrs. Immerhin verlaufen 62 % der Fahrten innerhalb von Paris, das verkehrstechnisch mit Metro, Bahn und Bus schon gut erschlossen ist. Aber der Erfolg ist da. Dafür sorgen zahlreiche Töchter des Konzerns.

Die 1822 gegründete bretonische Bolloré-Gruppe aus der Nähe von Quimper kann dem Bluecar vieles aus anderen Bereichen des Unternehmens zuliefern. Da sind zum einen die Batterien. Sie war der Auslöser für das Abenteuer Carsharing. Bereits seit zwanzig Jahren hatte Bolloré in seine Erfindung, eine Lithium-Metall-Polymer-Batterie seiner Tochter BatScap (Kürzel für "batterie super-capcacité"), investiert. An der hält der Stromhersteller EDF 20 %. Aber die Automobilproduzenten waren nicht sehr überzeugt. Daraufhin tat sich Firmenchef Vincent Bolloré mit dem italienischen Karosseriehersteller Pininfarina zusammen.

Bolloré hat die großen Wettbewerber unterboten

Damit hatte Bolloré die Batterie und das Auto – aber noch nicht das Vertrauen der Kunden. Als Paris ein Carsharing ausschrieb, kam seine große Stunde. Der Bretone schlug die Angebote der Konzerne Veolia und des Konsortiums Avis-SNCF-RATP-Vinci Park. Die Aufladestationen produziert ebenfalls ein Unternehmen seiner Gruppe: IER. Sogar die Informatik liefert eine Bolloré-Tochter das Pariser Beratungsbüro Polyconseil, an dem Bolloré seit 2006 steigende Anteile hält.

Bislang kostet Bolloré der angebotene Service 50 Mio. € pro Jahr. 2 Mrd. € hat er insgesamt in den vergangenen 20 Jahren in die Entwicklung gesteckt. Das ist enorm angesichts eines Umsatzes von 10,2 Mrd. € im vergangenen Jahr. Der Konzern will ein Teil des Geldes über den Verkauf an Privatkunden einnehmen. Seit Februar dieses Jahres verkauft Bolloré die Flitzer statt mit zwei Sitzen auch als Viersitzer. Zu den Kosten von 12 000 € für ein solches Gefährt kommen 80 € monatliche Mietkosten für die Batterie.

Die Konkurrenz für Bolloré kommt ebenfalls aus Frankreich. Der Renault Twizy rückt mit 22,57 % Marktanteil dem dortigen Marktführer Bolloré Bluecar (28,2 % Marktanteil) dicht auf die Pelle und steht noch vor dem Renault Kangoo.

Der wirkliche Widersacher aber ist nicht der Twizy, sondern seine große Schwester Zoé. Die kommt als seriöser Kleinwagen daher und konnte bislang in Europa 6000-mal verkauft werden. Das 2010 vorgestellte Elektroauto gibt es in drei Ausführungen. Die preiswerteste Variante soll 13 700 € kosten. Die teuerste ist für 22 500 € zu haben. Dafür verspricht der Renault Zoé bis zu 210 km Reichweite. Das scheint Testern etwas hoch gegriffen. Und der Preis ist nach wie vor abschreckend, auch wenn in Frankreich die E-Prämie auf 7000 € angehoben wurde.

 In Deutschland läuft der Renault Twizy mit Abstand am besten. Denn der Zweisitzer verkauft sich als Quad, für den man keinen Führerschein braucht. Darüber hinaus kostet er nur 7690 € (plus 50 € monatliche Batteriemiete). Wie es nicht geht, zeigt dagegen der Renault Fluence, der mit über 20 600 € den meisten Käufern schlicht zu teuer ist. Ähnlich ist es mit dem Zoé. Hinzu kommen Mietgebühren für den Akku in Höhe von je 70 € pro Monat. Neben Mut bedarf der quirlige Stadtflitzer hierzulande also auch eines größeren Finanzpolsters.

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Von Cordelia Chaton | Präsentiert von VDI Logo
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