07.10.2013, 16:00 Uhr | 0 |

Stadtverkehr der Zukunft Elektromobilität: iZEUS im Flottentest

Ein großer Flottentest mit rund 120 Elektrofahrzeugen soll jetzt zeigen, dass eine intelligente elektrisch angetriebene Mobilität im städtischen Raum heute schon möglich ist. Das Projekt iZEUS stellt die dafür notwendige Infrastruktur wie Ladestationen, rückspeisefähige Elektrofahrzeuge, aber auch Abrechnungs- und Flottenmanagementsysteme bereit.

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Es klingt schon irgendwie göttlich, das Projekt iZEUS. Das Kürzel mit göttlichem Beiklang steht dann allerdings recht profan für „intelligent Zero Emission Urban System“, also dafür sich intelligent mit Null Schadstoffausstoß im urbanen Raum elektrisch angetrieben fortzubewegen. Es geht um ein überregionales Konzept, das Elektromobilität barrierefrei in den alltäglichen Straßenverkehr integriert.

Und das ist dann eher wenig göttlich, sondern ein Spiegel der irdischen Probleme, so etwas wirklich intelligent zu lösen. Im Rahmen der World of Energy Solutions in Stuttgart vor einigen Tagen startete iZEUS deshalb jetzt den Flottentest. 100 Elektro- und Hybridfahrzeuge der Marken smart fortwo electric drive, Mercedes- Benz Vito E-CELL, Opel Ampera und Toyota Prius sollen nun bis Mitte 2014 im Großraum Stuttgart im täglichen Kampf auf der Straße beweisen, dass es möglich ist, sich intelligent und elektrisch angetrieben im urbanen Raum zu bewegen.

Nabelschau von Wissenschaft und Praxis

iZEUS ist eine Nabelschau der Großen in der Wissenschaft, gepaart mit Praktikern. Im Projekt, welches die EnBW als Konsortialführer leitet, tummeln sich mit Daimler und Opel zwei große deutsche Automobilhersteller. Für die Wissenschaft ist die Fraunhofer-Gesellschaft mit an Bord und das Karlsruher Institut für Technologie KIT. Die PTV AG mit Sitz in Karlsruhe gibt ihr verkehrsplanerisches Know-how in das Projekt ein, das mittelständische Familienunternehmen adstec mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen steuert sein Wissen um Energiespeichersysteme bei.

Für Reichweitenprognosen und optimiertes Lade- und Lastmanagement ist die TWT GmbH Science & Innovation zuständig, die 1986 im Technologiezentrum Stuttgart gegründet wurde und heute in Stuttgart, München und Friedrichshafen vertreten ist. Der Projektpartner SAP erforscht im Rahmen von iZEUS die Bündelung von Elektrofahrzeugen, um mögliche Lastverschiebungspotentiale automatisiert berechnen und den Netzbetreibern anbieten zu können.

Strom tanken an 600 Ladestationen im Ländle

iZEUS wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. EnBW stellt für den Flottentest die schon in Vorgänger- und in Parallelprojekten installierte öffentliche Ladeinfrastruktur von über 600 Ladepunkten in ganz Baden-Württemberg zur Verfügung. Zugang zu dieser Ladeinfrastruktur erhalten die Teilnehmer am Flottentest mit Hilfe der sogenannten EnBW-Elektronauten-Ladekarte und der neuen und bundesweit ersten Prepaid-Ladekarte des Konsortialführers. Im Rahmen von iZeus wollen die Projektpartner ein diskriminierungsfreies und skalierbares Zugangs- und Abrechnungssystem für die öffentliche Ladeinfrastruktur entwickeln und erproben. Stadtwerke, Kommunen und Business-to-Business-Partner beteiligen sich am Flottentest, so ist zum Beispiel auch die Stadt Ingelfingen an Bord.

iZEUS beackert vier Themenfelder

Die unter dem obersten Gott der griechischen Mythologie firmierenden Partner haben ihr Projekt in vier große Felder aufgeteilt: Feld Eins nennt sich Smart Grid. Smart Grid hat das Ziel, die Erneuerbaren Energien in die Elektromobilität zu integrieren. Und das gelingt eben nur mit intelligenten Netzen, die in der Lage sind den Energiebedarf einerseits und die Schwankungen in der Stromproduktion durch Windflaute und Wolken andererseits aufeinander abzustimmen. Im Rahmen des Projektes iZEUS wird daher von den Partnern ein intelligentes Lademanagement mit einem rückspeisefähigen Elektroauto und ein ganzheitliches Energiemanagement entwickelt.

Feld Zwei heißt Smart Traffic. Dabei geht es vor allem um eine energieeffiziente Navigation im urbanen Raum. Dem Fahrer soll ein nützliches Werkzeug an die Hand gegeben werden, welches zum Beispiel die vorhandenen Ladesäulen bei der Streckenplanung berücksichtigt. Dazu soll sich eine auf den Fahrer und auf das Fahrzeug optimierte Reichweitenprognose gesellen. Dieses Feld Zwei ist somit vor allem für die Teilnehmer aus der Wirtschaft am Flottentest interessant, die eine ganze elektrisch betriebene Fahrzeugflotte vorhalten. Denn hierbei profitieren neben dem Fahrer auch die Flottenmanager der Unternehmen, da die Ladevorgänge der gesamten Flotte auf Basis des ermittelten Energiebedarfs beim Abfahren einer Route ökologisch und ökonomisch optimiert werden können.

Akzeptanzfrage im Fokus von iZEUS

Das Feld Drei im Projekt iZEUS ist die Evaluation. Denn all das Smarte der Elektromobilität in Grid und Traffic, also im Netz und im Verkehr, hat nur dann eine Chance auf dem realen Markt, wenn es vom Kunden auch gewollt, akzeptiert und letztlich auch gekauft wird. Deshalb werden alle Projektschritte in iZEUS von Akzeptanzanalysen begleitet. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Kundensicht hinsichtlich der Ladestationen sowie auf der Frage der Akzeptanz  bei der gewerblichen Nutzung von Elektrofahrzeugen.

Feld Vier ist der jetzt gestartete Flottentest. Denn alle wissenschaftlich-theoretischen Gedanken zur praktischen Umsetzung einer reibungslosen elektrischen Mobilität im urbanen Raum bleiben Gedanken, wenn sie nicht im Praxistest überprüft werden. Das Ziel des Flottentests ist die Erprobung von Flottenenergiemanagement im Privatverkehr und urbanen Wirtschaftsverkehr. Dank der Beteiligung von Daimler und Opel kann das Flottenenergiemanagement im Rahmen von iZEUS mit tauglichen Stückzahlen erprobt werden. So werden bis zu 30 Transporter Vito E-CELL an Unternehmen aus der Region vergeben. Dazu gesellen sich rund 90 Elektrofahrzuge von Smart, Opel und Toyota für den privaten Verkehr.

Klarheit im kommenden Jahr

Mitte des kommenden Jahres wird dann Klarheit darüber herrschen, ob die elektrisch angetriebene Mobilität im urbanen Raum eine realistische Chance hat. Für das Ziel der soeben abgewählten schwarz-gelben Bundesregierung, bis zum Jahre 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland fahren zu sehen, wäre ein Erfolg von iZEUS insofern so etwas wie eine göttliche Fügung.

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Von Detlef Stoller
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