06.08.2013, 16:42 Uhr | 0 |

Elektrische Dienstflotte Elektrofahrzeuge könnten schon sinnvoll in Firmenflotten integriert werden

Im Rahmen des Projekts „elektromobilisiert.de“ sollen Firmen und öffentliche Institutionen motiviert werden, ihre Dienstwagenflotte zu elektrifizieren. Projektpartner sind das Fraunhofer IAO und die Universität Stuttgart. Die Forscher stellen jetzt erste Ergebnisse vor.

Elektroflotte der Deutschen Post
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Die Deutsche Post DHL hat in Bonn ein Modellprojekt gestartet und stellt die Zustellung in Bonn und dem Umland auf Elektrofahrzeuge um. In einem ersten Schritt wird bis Ende 2013 die Elektrofahrzeugflotte in Bonn und Umgebung auf 79 Fahrzeuge für die Paketzustellung und die kombinierte Brief- und Paketzustellung aufgebaut. Anschließend sieht das Pilotprojekt vor, bis 2016 die Zahl auf 141 Elektrofahrzeuge zu erhöhen, die dann pro Jahr über 500 Tonnen CO2 einsparen werden.

Foto: Deutsche Post DHL

Noch hält die schwarz-gelbe Bundesregierung am Ziel fest, bis zum Jahr 2020 rund eine Millionen Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Doch das ist kaum noch zu schaffen. Anfang Januar 2012 waren in Deutschland ganze 4541 reine Elektrofahrzeuge zugelassen. So ist es wohl noch ein weiter Weg bis zur Million. Das Problem: Auch die Unternehmen und Flottenbetreiben halten sich weitgehend mit Investitionen in Elektroautos zurück.

Elektro-Fahrzeuge schon für die Hälfte der Dienstfahrten einsetzbar

Deshalb hat sich das Projekt „elektromobilisiert.de“, eine Forschungsinitiative des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart und der in Gemeinschaftsarbeit mit der Universität Stuttgart, den Fuhrparks von Firmen und öffentlichen Institutionen gewidmet. Seit 2011 haben mehr als 200 Nutzer über 20 000 Kilometer mit Elektrofahrzeugen zurückgelegt. Dieser elektromobile Großversuch zeigte vor allem eins: E-Fahrzeuge eignen sich für mehr als die Hälfte aller Dienstfahrten. Ausgewertet und analysiert sind in diesem Projekt bisher die Fuhrparks des Regierungspräsidiums Stuttgart, des Institutszentrums Stuttgart der Fraunhofer-Gesellschaft sowie der Städte Ludwigsburg, Fellbach und Tübingen.

Vier Flottenversuche mit Elektrofahrzeugen der Marken Daimler, Opel, Mitsubishi, Nissan, Renault, Citroën und Smart liefen parallel. Es wurden 800 Einzelfahrten mit insgesamt mehr als 20 000 Kilometern elektrisch auf deutschen Straßen zurückgelegt. Dadurch wurden insgesamt über 4,4 Tonnen des Klimagases Kohlendioxid CO2 eingespart. Es zeigte sich in diesen Flottenversuchen und vor allem in den begleitenden Nutzerbefragungen: Der Umgang mit den Elektrofahrzeugen und auch mit der zugehörigen Ladeinfrastruktur fiel dem Großteil der Teilnehmer leicht.

Es mutet schon ein wenig anachronistisch an, dass es eines solchen Forschungsverbundes überhaupt benötigt, um die Elektromobilität in Deutschland in die Fläche zu bekommen: Wissenschaftler analysieren softwaregestützt die Einsatzpotentiale für Elektrofahrzeuge innerhalb eines Fuhrparks und die Testpartner im Flottenversuch sammeln praktische Erfahrungen mit Elektrofahrzeugen.

Garmisch-Partenkirchen ist bayerische Modellkommune für Elektromobilität

Neu im Bunde mit „elektromolisiert.de“ ist Garmisch-Partenkirchen. Die Gemeinde will schon seit drei Jahren mit dem Projekt e-GAP die Elektromobilität voran bringen. Der Freistaat Bayern hat im Juli 2010 Garmisch-Partenkirchen als bayerische Modellkommune für Elektromobilität ausgewählt. Jetzt wird in einem sechsmonatigen Flottenversuch von Juni bis November 2013 vom Fraunhofer IAO und dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart das Potential des gemeindeeigenen Fuhrparks für eine Umrüstung auf elektrische Antriebe untersucht.

Dr. Sabine Wagner, Leiterin der Außenstelle Garmisch-Partenkirchen des Fraunhofer IAO, betont: „Wir hoffen, dass weitere innovative Kommunen und Unternehmen diesem Beispiel folgen werden.“ Dr. Christoph Ebert, Projektkoordinator der Modellkommune Garmisch-Partenkirchen, ergänzt: „Mit e-GAP haben wir Garmisch-Partenkirchen zu einer Plattform für angewandte Forschung und Entwicklung im Bereich Elektromobilität gemacht.“

Eine eigens entwickelte Software des Fraunhofer IAO wertet die Fahrtenbücher der konventionellen Poolfahrzeuge aus und ermittelt die Elektrifizierungspotentiale der gemeindeeigenen Fuhrparkflotte. Reichweiten und Ladezeiten werden dabei berücksichtigt. Parallel zu den Fuhrparkanalysen rollen für drei Monate acht Test-Elektrofahrzeuge durch die Kommune.

Vom Segway bis zum leichten Nutzfahrzeug

Das Projekt „elektromobilisiert.de“ wirbt um weitere Projektpartner. „Testen Sie unseren Umfangreichen Fuhrpark mit über 40 Elektrofahrzeugen, vom Segway über Pedelecs und Roller bis hin zu Pkw, Kleinbussen und leichten Nutzfahrzeugen.“ Das Fraunhofer IAO ist darüber hinaus auch Projektpartner im Projekt „Shared E-Fleet“. In diesem Projekt will das Fraunhofer IAO Konzepte für Unternehmen entwickeln, die darauf abzielen, dass sich mehrere Unternehmen einen elektrifizierten Fuhrpark teilen.

In Deutschland gibt es rund 100 000 Unternehmen mit eigener Dienstwagenflotte. Ein großer Teil davon sind kleine und mittlere Unternehmen. Für diese Anwendergruppe stellt die gemeinsame Nutzung von Elektrofahrzeugen eine Alternative zum kostspieligen Kauf und Betrieb eigener Dienstfahrzeuge dar.

Im Rahmen von „Shared-E-Fleed“ werden nun die Schnittmengen ausgeleuchtet: Nutzerfreundliche Buchung, einfache Abrechnung, ökologische und kosteneffiziente Aufladung der Batterien. Gerade solche Fragen sind oft das Ende gemeinsamer Nutzungsideen. Denn der noch sehr zeitintensive Ladevorgang darf beispielsweise nicht in die Einsatzpläne eingreifen. „Potentielle Nutzer aufzuklären und deren Unsicherheiten abzubauen, sehen wir als ein wichtiges Ziel des Projekts Shared E-Fleet“, sagt Kesimir Vidackovic, der das Projekt auf Seiten des Fraunhofer IAO verantwortet. „In unseren Pilotversuchen erfahren die Anwender hautnah, dass Elektromobilität wirtschaftlich ist und sich sinnvoll in den Dienstalltag integrieren lässt.“

Erste Pilotversuche im Frühjahr 2014

Im Rahmen von Shared E-Fleet werden Cloud-basierte Lösungen für die gemeinsame Nutzung einer elektrifizieren Dienstwagenflotte für mehrere Unternehmen entwickelt. Besonders in Technologieparks mit einer Vielzahl von Unternehmen in räumlicher Nähe sowie bei Stadtverwaltungen mit mehreren verbundenen Behörden lassen sich solche gemeinsam genutzten Dienstwagenflotten einsetzen. Erste Pilotversuche, in denen die entwickelten Lösungen erprobt werden, sollen im Frühjahr 2014 in den Modellregionen Stuttgart, München und Magdeburg beginnen.

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Von Detlef Stoller
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