13.10.2016, 14:53 Uhr | 3 |

Erste öffentliche Tests Elektroautos mit Redox-Flow-Batterie können wirklich fahren

Diese Elektroautos können wirklich fahren: Das Liechtensteiner Unternehmen NanoFlowCell hat jetzt die Fahrtüchtigkeit seiner revolutionären Elektroautos demonstriert. Sie sind mit einer Redox-Flow-Batterie ausgestattet. Diese Technik bringt eine sensationelle Reichweite. Und Ladezeiten im Minutenbereich.

Testfahrt mit dem Quantino
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Testfahrt mit dem Quantino: Jetzt durften die ersten Journalisten die Elektroautos des Liechtensteiner Unternehmens NanoFlowCell fahren. Das Besondere: Sie sind mit Redox-Flow-Batterien ausgestattet.  

Foto: NanoFlowCell

Als Nunzio La Vecchia vor gut zwei Jahren das Elektroauto Quant E vorstellte, das inzwischen Quant FE heißt, hielten sich Begeisterung und Skepsis die Waage. Die Reichweite sollte, so der Entwicklungschef des Liechtensteiner Jungunternehmens NanoFlowCell, wenigstens 600 km betragen, möglicherweise sogar 1000 km. Das Fahrzeug sollte eine Spitzengeschwindigkeit um die 300 km/h erreichen und war futuristisch gestylt. Ob es fahrtüchtig war, blieb offen, so dass die Skepsis schließlich überwog.

Jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung aus. Quant FE fährt. Ebenso sein kleiner Bruder Quantino. Journalisten durften die beiden ungewöhnlichen Autos jetzt bei einem Pressetermin in Zürich fahren. Eine Tankstelle hatte NanoFlowCell gleich mitgebracht: Zwei Großbehälter, die die Elektrolyte enthalten, das sind die chemischen Speicher der Redox-Flow-Batterie, die die Motoren der Elektroautos mit Strom versorgt.

Wenn die Energievorräte an Bord erschöpft sind, werden lediglich die Flüssigkeiten ausgetauscht. Dann sind wieder 600 km drin, oder eben auch 1000. Nach den technischen Daten, die das Unternehmen veröffentlicht, sind es allerdings nur 350 bis 400 km. Die Batterie hat eine Kapazität von 70 kWh. Pro 100 Kilometer verbraucht der Quant FE 20 kWh.

Tankstellennetz lässt sich schnell aufbauen

„Fakt ist: Nach einem unglaublich teuren Fake sieht das Ganze beileibe nicht aus“, schreibt Alexander Bloch, Redakteur bei auto motor und sport, der die Autos testen konnte. Von den Fahreigenschaften war er restlos begeistert: „Ein Tritt aufs Fahrpedal und der FE peitscht nach vorne wie ein gut gelauntes Tesla Model S 90 D. Da ist richtig Zug auf der Elektrokette.“

Wolfgang Gomoll vom Magazin Focus geht noch weiter: „Neben dem Flusszellen-Auto sieht sogar Tesla alt aus.“ Flusszelle ist ein anderer Ausdruck für Redox-Flow. Die übrigen Fahreigenschaften, etwa das Lenkverhalten, überzeugten allerdings noch nicht. Doch das ist normal bei Prototypen. Auf dem Weg zur Serienreife lassen sich diese Macken noch ausbügeln.

Die Kritik, es gebe kein Tankstellennetz für die Elektrolyte, lässt Vecchia nicht gelten. Die Flüssigkeiten würden drucklos gelagert und seien ungiftig. Man brauche also nur einfache Tanks und Pumpen. Nötig sind vier: Zwei für aufgeladene und zwei für verbrauchte Flüssigkeiten. Dazu kommt noch eine Ladeeinheit, die die abgeschlafften Flüssigkeiten wieder mit Energie versorgen.

Wie sich die Elektrolyte zusammensetzen, ist ein Geheimnis des Unternehmens, das die Zellen selbst entwickelt hat. Sicher ist nur, dass die Basis aus einer Salzlösung besteht.

Elektronen pendeln zwischen den Elektrolyten

Bei Aufladen der beiden 250-Liter-Tanks wird eine der beiden bi-ION genannten Flüssigkeiten mit Elektronen angereichert, der zweiten werden Elektronen entzogen. Im Fahrbetrieb wandern die Elektronen als elektrischer Strom durch die Motoren in die zweite Flüssigkeit. Um Bremsenergie zu speichern, sind Supercaps an Bord, also Hochleistungskondensatoren.

Der Schnellste schafft Tempo 300

Der Quantino ist mit einem zentralen Elektromotor ausgerüstet, der bei einer Spannung von 48 Volt arbeitet. Das ist bisher nur bei Kleinstwagen und Elektrofahrrädern üblich. Der flotte Quant FE hat Nabenmotoren, die mit 735 Volt versorgt werden. Bei einer maximalen Leistung von rund 1000 PS schafft er eine Spitzengeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde. Wie teuer die beiden Elektroflitzer sein werden steht noch in den Sternen, ebenso der Preis für die Elektrolyt-Lösungen und der Verkaufsstart.

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Von Wolfsgang Kempkens
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kommentare
18.10.2016, 10:49 Uhr heldheiko
Nachdem der gute La Vecchia schonmal wegen Betrugs angeklagt, aber nicht verurteilt wurde (der richterspruch ist der hammer: die investorin, millionären, erfahrene frau, häte isch slebts besser informieren müssen, dem kerl wurde also blind geglaubt) wird man dem schon auf die finger sehen müssen. jetzt zu den fakten:
20 kw/100 km elektro ist realistisch. ca 100 Wh/kg ist realisitsch für Batterien, für die normale redoxflowflüssigkeit ist ein bereich von 50 Wh/l schon gut. Also etwa die hälfte von batterien. und der mann hat jetzt einen quantensprung hingelegt? wenn er das hat, würde halb europa sofort mit ihm rießige speicher bauen. laut forschungsförderung oder investoren oder einfach nur google findet man da nix. also ich glaub dem mal nix...wenn man so ein auto kaufen kann, vielleciht, aber im moment halte ich ihn fpr einen betrüger...

28.11.2016, 19:41 Uhr Sokrates
70 KWh in 250 l Tank macht 280 Wh/l .

In diesem Artikel
http://www.tubulair.de/verbundprojekt/arbeitgebiete/elektrolyte-mit-hoher-energiedichte/
wird von einer theoretischen Maximalwert von 700 Wh/l (70 Wh/l derzeit mal eine Zehnerpotenz) ausgegangen wenn folgende Potentiale in Kombination gehoben werden :

1. Höhere Konzentration der redox-aktiven Verbindung
2. höhere Anzahl der übertragenen Elektronen pro Formeleinheit der redox-aktiven Komponente
3. hohe elektrochemische Potentiale der beteiligten Redoxschritte

Oft hilft eine Zufallsentdeckung weiter.
( Ein Transportgefäße wurde undicht und reines Nitroglycerin tropfte auf die mit -"Kieselgur"- der ausgepolsterte Ladefläche des Transportwagens. Das Dynamit war mehr gefunden als erfunden. )
Man sollte sich die Sache genau ansehen und die Hauptfrage klären was ein Liter dieser Flüssigkeit kostet.

09.08.2017, 22:19 Uhr NicoMeier
Es gab damals in den 90er den Daniel Dingel in den Philippinen mit dem Wasserauto. Das war sowas ähnliches. Dort war auch mal ein Schweizer zu Besuch. Ich bin sicher, dass es er war und der seine Kenntnisse von dort hat.

Wäre schön, wenn sowas funktionieren würde, allerdings glaube ich mehr an die Zukunft der Schnellladung. Wenn das kommt vor allem mit der Porsche Mission E, dann braucht es dies eh nicht mehr.

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