07.05.1999, 17:21 Uhr | 0 |

Elektromobilität Elektroauto braucht noch kräftig Anschubhilfe

Deutlich mehr Engagement von Politik und Industrie bei der Einführung elektrischer Fahrzeugantriebe in Deutschland forderten Experten auf einer Fachtagung in Karlsruhe. In Frankreich und Japan werde das Elektroauto mit staatlichen Subventionen gefördert, in der Bundesrepublik fehle jede Unterstützung.

Für die Einführung von Elektroautos fehlten in Deutschland der politische Druck und der Anreiz, bemängelt Prof. Dr. Dietrich Naunin. Und das, obwohl die technischen Entwicklungen nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für elektrische Straßenfahrzeuge (DGES), Berlin, bei dieser Antriebsform schnell voranschreiten. Als Beispiel nannte der Experte auf der DGES-Fachtagung "Elektrofahrzeuge: Entwicklungserfolge und Perspektiven" am 29. April in Karlsruhe die Brennstoffzelle, von deren Entwicklung er sich einen "Mitzieheffekt" für die ganze Branche erhofft.
Während in den USA, in Frankreich und Japan Elektroautos von allen großen Automobilherstellern bereits am Markt angeboten werden und deren Einführung durch staatliche Programme wirksam unterstützt wird, gibt es laut Dr. Eberhard Meller in Deutschland nichts Vergleichbares. Hier wird nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW), Frankfurt/Main, in der Öffentlichkeit der Umweltnutzen des Elektroautos nach wie vor kontrovers diskutiert. "Damit läuft Deutschland Gefahr, innovative Techniken nicht zu nutzen", warnte der Experte vor dem Hintergrund, "daß hierzulande bis auf einige wenige Erprobungsprojekte keine wesentlichen Aktivitäten zur Markteinführung von Elektrofahrzeugen festzustellen sind".
Beeindruckend dagegen ist die derzeitige Entwicklung in Frankreich, wie Meller berichtete. Dort arbeiteten Regierung und Industrie gemeinsam an der Einführung von Elektroantrieben. So würden die großen französischen Hersteller Peugeot, Renault und Citroën bereits seit 1996 Elektroautos bauen und ihren Kunden anbieten. Der Staat und der französische Stromversorger EDF unterstützten die Markteinführung durch einem Zuschuß von 5000 DM beim Kauf eines Elektroautos. Dadurch seien mittlerweile mehr als 4000 Elektrofahrzeuge vom PSA-Konzern (Peugeot/Citroën) gebaut und vor allem in Frankreich verkauft worden. Die französische Regierung strebe einen Elektoauto-Anteil von 20 % an.

In Japan und den USA fördert der Staat den Kauf von E-Pkw

Noch weiter vorangeschritten sind nach Aussage des VDEW-Geschäftsführers alternative Antriebssysteme in Japan, wo modernste Elektroautos unter Hochdruck entwickelt werden. Sowohl in der Batterietechnik mit der Lithium-Ionen-Batterie, die im Nissan Altra in Kalifornien bereits angeboten wird, als auch mit äußerst kompakten und drehmomentstarken Elektromotoren sind seiner Ansicht nach japanische Hersteller in diesem Bereich führend. Auch in den USA gebe es staatliche Zuschüsse beim Kauf eines Elektroautos.
Die weitere Entwicklung auf dem deutschen Markt für E-Autos sei dagegen ungewiß. Bislang zeichne sich eine "schwerwiegende Schieflage" ab, da hochentwickelte deutsche Technik nicht in Deutschland angeboten werden wird. Die DaimlerChrysler-Marke Mercedes-Benz, BMW und VW beabsichtigen, ausschließlich den amerikanischen Markt zu bedienen, da in Deutschland die Rahmenbedingungen für eine Markteinführung fehlen, so Meller. "Will Deutschland hier nicht den Anschluß verpassen, ist Rückenwind notwendig", stellte er fest. Dieser müsse sowohl von der politischen als auch von der industriellen Seite her kommen.
Politischer Rückenwind könnte laut Dr. Rolf Linkohr, Mitglied im EU-Parlament, Straßburg, über die Einführung von Straßenbenutzungsgebühren erzeugt werden, von denen Elektroautos befreit würden. "Sobald die Technik entsprechende Einrichtungen - etwa zum elektronischen Einzug von Straßenbenutzungsgebühren - zur Verfügung stellt, wird vermutlich nicht nur der Parkplatz, sondern auch die Straße gebührenpflichtig", prognostizierte der Politiker in Karlsruhe. Ein Elektroauto könnte dann aufgrund seiner Umweltfreundlichkeit geringer oder gar nicht belastet werden, während ein Auto mit einem Verbrennungsmotor die festgesetzte Gebühr zu entrichten hätte. Damit würde sichergestellt, daß ein emissionsarmes oder -freies Fahrzeug in Zukunft Marktchancen habe.
Der Europaparlamentarier räumte aber auch ein, daß ein Elektroauto in Deutschland bei der Gesamtökobilanz durch die Stromgewinnung aus fossilen Brennstoffen derzeit eher schlechter abschneidet als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. "Die Entscheidung über die Umweltfreundlichkeit der Elektrofahrzeuge wird im Kraftwerk getroffen", stellte Linkohr fest. So werde die Ökobilanz des Elektroantriebs erst dann besser, wenn der Strom aus regenerativen Energiequellen - oder aus Atomkraftwerken - bereitgestellt werde.

Batteriebetrieben bleibt das E-Mobil ein Nischenprodukt

Für Dr. Karl Epple, Ministerialdirektor im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Stuttgart, liegt das Schlüsselproblem bei der Einführung von Elektroautos im Batteriesystem. "Die bisherigen Batterietypen erfüllen trotz beeindruckender Fortschritte noch nicht alle Anforderungen, die dem allgemeinen Technologiestand der konventionellen Fahrzeugtechnik entsprechen." Er bemängelte insbesondere das hohe Gewicht der heutigen Batteriesysteme.
Zahlreiche bundesweite Modellversuche mit batteriebetriebenen Elektro- und Hybridfahrzeugen hätten gezeigt, so Epple, "daß das batteriebetriebene Elektroauto ein Nischenprodukt bleiben wird und seine Anwendung auf Stadt- und kurze Umlandfahrten begrenzt bleibt". Das habe auch ein Modellversuch des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg bestätigt, bei dem 1991 in 13 Modellgemeinden insgesamt 237 Elektrofahrzeuge beschafft wurden. Obwohl Fördermittel in Höhe von 1,7 Mio. DM geflossen sind, sei es nicht gelungen, die batteriebetriebenen Elektrofahrzeuge auf dem Markt zu etablieren.
"Die Markteinführung ist nicht am Willen der Politik oder am fehlenden Kundeninteresse, sondern am noch nicht marktreifen Produkt gescheitert", resümierte Ministerialdirektor Epple. Deutlich bessere Marktchancen räumt er dagegen dem Elektroantrieb mit Brennstoffzellen-Energieerzeugung ein, die DaimlerChrysler im Jahr 2004 serienmäßig als Fahrzeugantrieb anbieten will.
ROLF MÜLLER/WOP
Auf einen "Mitzieheffekt" beim Elektroauto durch den Brennstoffzellen-Einsatz im Pkw hofft Dietrich Naunin, Präsident der Deutschen Gesellschaft für elektrische Straßenfahrzeuge.

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Von Rolf Müller/Wolfgang Pester | Präsentiert von VDI Logo
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