12.12.2016, 14:57 Uhr | 1 |

Bus für London Dieser Volvo-Doppeldecker hat elektrisch nur 7 km Reichweite

Volvo hat seinen ersten Doppeldecker mit einem Hybridantrieb vorgestellt, der ab dem nächsten Jahr in London fahren will. Derzeit rüstet London den gesamten Fuhrpark seiner Verkehrsbetriebe auf reinen Elektro- und Hybridantrieb aus, um die Umweltbelastung in der Hauptstadt zu senken.

Der erste Doppeldecker von Volvo mit einem Hybridantrieb
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Der erste Doppeldecker von Volvo mit einem Hybridantrieb hat eine Reichweite von nur 7 km. An den Endhaltestellen muss der Bus seinen Akku wieder aufladen. Das dauert nur höchstens sechs Minuten.

Foto: Volvo

Die neuen Doppeldecker lösen den legendären Roadmaster-Doppeldecker ab, der zwar der Liebling der Touristen ist, aber mit reinem Dieselantrieb durch London tuckert und in die Jahre gekommen ist. Die Verkehrsbetriebe Transport of London testen derzeit verschiedene Fahrzeugkonzepte und erproben sogar reine Elektrobusse des chinesischen Herstellers BYD.

Derzeit rollen rund 9.000 Busse auf 675 Routen für die Verkehrsbetriebe durch London, davon rund 1.300 mit Hybridantrieb. Volvo gehört dazu. Schon mit dem eingeschossigen Hybridbus B5LH ist Volvo in Großbritannien sehr erfolgreich. 1.500 Hybridbusse von Volvo sind derzeit in Großbritannien auf der Straße. Auf Basis des B5LH haben die Schweden speziell für London einen Doppeldecker entwickelt, der auch rein elektrisch fahren kann. Sind die Batterien leer oder aber der Bus fährt außerhalb der Londoner Umweltzone, kann er auf den Dieselantrieb umsteigen.

Doppeldecker mit nur 7 km elektrische Reichweite

Angesichts des legendären Vorbilds Roadmaster klingt der Name des neuen Volvo-Flaggschiffs doch sehr technisch: B5LHC Double Deck Electric Hybrid. Um die größere Zahl von Fahrgästen und das größere Gewicht des Busses transportieren zu können, hat Volvo dem Doppeldecker im Vergleich zur eingeschossigen Variante schon einen stärkeren Elektromotor verpasst und die Leistung der Lithium-Ionen-Eisenphosphat-Batterie auf 19 kWh erhöht. Das genügt allerdings für gerade mal 7 km Reichweite.

Das ist ausgesprochen mickrig. Zum Vergleich: Der neue Opel Ampera-e hat mit 60 kWh eine dreifache Batteriekapazität. Erstaunlich, dass Volvo seinem Bus keine größere Batterie spendiert hat. Zumal die reinen Elektro-Doppeldecker des chinesischen Konkurrenten BYD eine Reichweite von bis zu 250 km erreichen.

Die geringe Reichweite von nur 7 km im reinen Batteriebetrieb bedeutet: Der Doppeldecker braucht zahlreiche Ladestationen. Und das kostet Geld und braucht an vielen Haltestellen zusätzlichen Platz. In Stockholm, wo die eingeschossigen Hybridbusse seit 2015 im Linienverkehr im Einsatz sind, werden die Akkus an den Endhaltestellen aufgeladen.  In London dürfte das angesichts der Größe der Stadt und den unkalkulierbaren Staus kaum genügen.

Ladevorgang braucht bis zu sechs Minuten

Der Bus verfügt nicht über die Möglichkeit des induktiven Ladens, sondern muss per Kabel an eine Ladestation angeschlossen werden. Der Ladevorgang dauert laut Volvo nur zwischen drei und sechs Minuten. Dabei nutzt Volvo die Schnellladetechnik von Siemens, die auch in Stockholm, in Hamburg eingesetzt wird. Ihr Vorteil: Die Siemens-Ladebäume können Elektro- und Hybridbusse aller Hersteller aufladen.

Die Ladestationen verfügen dabei über einen Lademast mit einem Kontaktarm, der über den Bus schwenken kann. Per WLAN stellt die Ladestation eine Verbindung zum Bus und zum Batteriemanagementsystem her. Sobald der Bus steht und die Handbremse gezogen ist, verbindet sich der Ladearm mit dem Bus und lädt die Batterie je nach Anforderung mit 150 oder 300 kW Leistung. Wie das ständige Laden im eng getakteten Stadtverkehr von London funktionieren soll, teilt Volvo allerdings nicht mit.

Volvo-Doppeldecker wird ab 2017 in London eingesetzt

Der Volvo-Bus, der wie erwähnt auf der eingeschossigen Hybridbusvariante Volvo B5LH Hybrid basiert, hat für den Einsatz in London einen typischen Aufbau des britischen Karosseriebauers Wrightbus bekommen. Der Doppeldecker kann 87 Personen befördern. Sitzen können 60 Fahrgäste, 43 oben und 17 unten. Hinzu kommen offiziell 27 Stehplätze. Im nächsten Jahr werden die Busse erstmals in London eingesetzt.

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Von Axel Mörer-Funk
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kommentare
15.12.2016, 11:30 Uhr Gerhard_Herres
Es ist unverständlich, dass Volvo noch die dreckigen Dieselmotoren einsetzen will.
Können oder wollen Sie keine Stirlingmotoren bauen?
Die sind sparsamer, sauberer und leiser als jeder Motor mit inneren Explosionen.
Die heißen Abgase von Otto- oder Dieselmotoren kann man nicht nutzen, die von Stirlingmotoren können die Frischluft vorheizen und so über 40% des Treibstoffs einsparen. Die Verbrennung geschieht bei Umgebungsdruck, so dass gar keine Stickoxide entstehen und die Flamme ist nicht lauter als bei einer Gasheizung.
Dann könnte der Stirlingmotor auch im Stadtverkehr die Reichweite erhöhen, ohne lästige, lange Stopps an den Endhaltestellen.
Ein weiterer Vorteil des Stirlingmotors ist seine Fähigkeit jeden Brennstoff zu vertragen. Es muss kein hochoktaniges Benzin sein, sondern jedes Pflanzenöl ist geeignet. Damit wäre diese Technik zukunftsfähig, weil in wenigen Jahren die fossilen Treibstoffe knapper und teurer werden und die Pflanzenölproduktion auf heute noch degradierten Böden dann billiger sein wird. Sie kann wegen der CO2-Verminderung in der Atmosphäre durch CO2-Zertifikate gefördert werden. Denn kein anderes System kann so günstig den CO2-Gehalt der Luft verringern wie Pflanzen. Wir werden nicht ohne eine CO2-Verminderung in der Luft das Ziel von weniger als 1,5°C Temperaturerhöhung erreichen können. Also wird es geschehen. Und dann werden Pflanzenöle billiger sein als fossiles Öl. Wer heute noch auf Dieseltechnik setzt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

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