21.02.2017, 13:26 Uhr | 2 |

E-Auto aus China Dieser Supersportler fährt mit Turbinen-Antrieb 2.000 km weit

1000 PS, Elektroantrieb, eine Turbine als Range Extender: Eine Flunder aus China wird einer der Hingucker auf dem Genfer Autosalon im März. Der GT96 ist aber nicht nur wegen der Technik unter der Haube ein faszinierendes Auto. Das italienische Design erinnert zudem an einen Düsenjäger. Ganz schön mutig die Chinesen.

Elektro-Supersportler des chinesischen Entwicklers Techrules
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So sieht der neue Elektro-Supersportler des chinesischen Entwicklers Techrules aus, der auf dem Autosalon in Genf Premiere hat. Das Auto hat sechs Elektromotoren und fährt dank einer Turbine, die Strom erzeugt, bis zu 2.000 km weit.

Foto: Techrules

Techrules aus Peking ist kein Autohersteller, sondern ein Start-up, das Elektroautos entwickelt. Doch nicht irgendwelche kleinen Stadtflitzer, die mit Lithium-Ionen-Batterien durch die Gegend stromern und nach kurzen Strecken wieder an die Ladebuchse müssen. Unternehmenschef William Jin und sein Sohn, Technikchef Matthew Jin, schweben in anderen Dimensionen. Ihr Elektroauto soll es mit einer „Tankfüllung“ auf 2000 km Reichweite bringen.

Designer Giugiaro persönlich hat das Auto entworfen

Die Technik, wie das gehen sollen, hat Techrules schon auf dem Autosalon 2016 vorgestellt, wenn auch nicht im Detail. In diesem Jahr folgt die Weiterentwicklung und vor allem das endgültige Design des Autos, das die italienische Designschmiede Giugiaro entwickelt hat, die besonders stark im Automobil- und Industriedesign ist.

Fabrizio und Giorgetto Giugiaro persönlich haben das chinesische Elektroauto entworfen. Giorgetto Giugiaro hat unter anderem Modelle wie den Lotus Esprit, VW Golf I und Scirocco, Audi 80, diverse weltberühmte Alfa-Modelle, den Maserati Quattroporte III und zahlreiche Fiat-Modelle wie Panda, Punto und Uno gezeichnet. Er wurde sogar zum bedeutendsten Autodesigner des 20. Jahrhunderts gewählt.

Auto ohne Türen: Einstieg direkt ins Cockpit

Vom neuen Design des 4,6 m langen Supersportwagens gibt es erst ein Bild, das ein ungewöhnlich flaches Auto zeigt, bei dem der Fahrer in der Mitte sitzt. Ein- und Ausstieg erfolgt wie bei einem Flugzeug über die Karosserie durch die geöffnete Kabine. Das Cockpit soll sich ans Flugzeugdesign anlehnen.

Die Karosserie besteht aus Kohlefasern, das Gewicht des Autos soll unter 1.000 kg liegen. Die Front des Autos ist von zwei großen Lufteinsätzen geprägt, was sicher der Turbine geschuldet ist, die im Heck als Range Extender ihren Dienst tut.

Turbine im Heck erzeugt den Strom zum Fahren

Im Gegensatz zu anderen Autos, die ihren Strom mit einem herkömmlichen Kleinmotor selbst produzieren, haben die chinesischen Ingenieure eine Anleihe im Flugzeugbau genommen. Wie bei Flugzeugen, wo es auch Kleinturbinen gibt, die ausschließlich für die Stromerzeugung genutzt werden, wird auch im GT96 der Strom durch eine kleine Turbine erzeugt, die Kerosin, Diesel und Gas verbrennen kann.

Der Strom kann in einem kleinen Akku mit nur 20 kWh Kapazität zwischengespeichert werden. Dabei soll es sich um Lithium-Mangandioxid-Akkus handeln. Ist der Akku beim Start vollgeladen, soll das Auto dank des Range Extenders eine Reichweite von bis zu 2.000 km erreichen. Die reine Batteriereichweite beträgt laut auto motor und sport rund 150 km.

Für die Turbine steht ein Tank mit 80 l zur Verfügung. Der Energieverbrauch für die Stromerzeugung soll bei 4,8 Liter auf 100 km liegen.

Die Elektromotoren sitzen direkt an den Achsen, je einer an den Vorderrädern und je zwei an jedem Hinterrad, verrät auto motor und sport. Die Leistung soll bei 1044 PS liegen, das Auto beschleunigt nach Herstellerangaben in nur 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 350 km/h liegen.

Die Präsentation auf dem Autosalon in Genf soll auch der Startschuss sein für eine Kleinserienfertigung. 25 handgefertigte Prototypen sollen Ende 2017 gebaut werden. Hergestellt werden sie in der Autoschmiede L.M. Gianetti in Turin.

Kleinserie wird noch 2017 gebaut

Kommt das Auto gut an, kann sich Techrules auch eine Serienfertigung vorstellen. Zu Preisen schweigt sich das Unternehmen allerdings noch aus. Immerhin wäre Techrules mit der Kleinserie seinen Konkurrenten wie NanoFlowcell erheblich voraus. Die Liechtensteiner stellen zwar ebenfalls in Genf jedes Jahr spannende Prototypen vor, doch ihr ungewöhnlicher Elektroflitzer mit Redox-Flow-Batterie kommt über das Stadium eines Prototypen nicht hinaus.

Immerhin hat das Unternehmen im vergangenen Oktober bewiesen, dass die Technik mit Redox-Flow-Batterie, die Ladezeiten im Minutenbereich ermöglicht, auch auf der Straße funktioniert.

Wenn Sie sich für weitere ungewöhnliche Sportwagen begeistern können, dann hätten wir noch die fantastische Sportwagenstudie Trezor von Renault, von der man nur hoffen kann, dass sie gebaut wird.

Und ein Traum in Rot ist der „Vision Mercedes-Maybach 6“. Die fast sechs Meter lange Luxus-Hommage an die Aero-Coupés ist purer Luxus auf vier Rädern.

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Von Axel Mörer-Funk
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kommentare
23.02.2017, 12:19 Uhr heldheiko
Bissl komische Titelwahl. Das ist kein Elektro-Auto, sondern ein Düsenantrieb-Auto mit Elektromotoren.

13.03.2017, 12:22 Uhr Heinrich Ernst
Habe auch 20kWh in meinem umgebauten A2 (nebenbei: reicht für ca. 120km bei sehr moderater Fahrweise), aber wenn ich noch eine Turbine aufs Dach montiere - vielleicht auch ein paar ausgeflügelte Radhäuser, würde ich bei geeigneter Rollbahn und Startrampe wohl auch etwa 1000km mit parabolischer Flugbahn schaffen. Habe ich dann ein Elektro-Flugzeug...? Bericht demnächst hier...

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