06.07.2017, 16:07 Uhr | 2 |

Wissen 10 Fakten über Elektroautos

Erstaunlich, aber wahr: Elektroautos gibt es schon seit 130 Jahren. Doch erst seit dem neuen Millennium erleben die Fahrzeuge eine echte Renaissance. Wir haben die 10 wichtigsten Fakten über Elektroautos für Sie gesammelt.

Elektroauto
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Elektroautos schonen die Umwelt, sind jedoch sehr teuer in der Anschaffung.

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

1. Welche Typen von E-Autos gibt es?

Elektroautos werden hinsichtlich ihrer Antriebssysteme unterschieden. 

Reine Elektrofahrzeuge, sogenannte Battery Electric Vehicles (BEV), verfügen theoretisch über einen Elektromotor, der den gesamten Antrieb übernimmt. Nach aktuellem Stand der Technik benötigen diese Fahrzeuge aber für längere Strecken noch etwas Unterstützung. Deshalb haben einige Modelle einen sogenannten Range Extender eingebaut. Darunter versteht man einen zusätzlichen Verbrennungsmotor, der die Batterie mit Energie versorgt und somit nur indirekt am Antrieb beteiligt ist. 

Voll-Hybride dagegen haben einen Verbrennungs- und einen Elektromotor, die beide dem Antrieb dienen. Kann die dabei verwendete Batterie mittels Stromanschluss aufgeladen werden, spricht man von einem Steckdosen- oder Plug-in-Hybrid.

Des Weiteren gibt es Microhybridfahrzeuge, die gar keinen Elektromotor besitzen, jedoch die elektrische Bremsenergie dafür nutzen, um z. B. die Fahrzeugelektrik zu versorgen. Und es gibt Mildhybridfahrzeuge, die neben einem Verbrennungsmotor auch einen Elektromotor haben, der über die Bremsenergie gespeist wird (Rekuperation) und vor allem beim Anfahren unterstützt.

Streng genommen gelten gemäß dem Elektromobilitätsgesetz aus dem Jahr 2015 zum einen rein batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge als Elektromobile, aber eben auch Brennstoffzellenfahrzeuge sowie Plug-in-Hybride. Für letztere gilt noch die Einschränkung, dass sie einen CO2-Ausstoß von 50 Gramm pro gefahrenem Kilometer nicht überschreiten dürfen oder unter ausschließlicher Nutzung des elektrischen Antriebs eine Mindestreichweite von 30 Kilometern vorweisen müssen. Ab 2018 wird diese Mindestreichweite auf 40 Kilometer angehoben.

2. Wie wird die Energie gespeichert?

In der großen Mehrzahl der heutigen Elektroautos werden Lithium-Ionen-Traktionsbatterien verbaut. Diese haben eine sehr hohe Leistungs- und Energiedichte, bringen allerdings auch Nachteile mit. So dauert es sehr lange, bis sie wieder vollständig geladen sind. Zudem entladen sie sich bei längerer Ruhezeit selbst. Die Herstellung der Akkus ist auch heute noch sehr teuer und deren Lebensdauer relativ gering.

Forscher arbeiten deshalb an Alternativen wie übereinander gestapelten Batterien, die 1.000 Kilometer mehr Reichweite bringen sollen, hocheffiziente Batterien mit Glas, wie sie unter anderem vom Miterfinder der Lithium-Ionen-Akkus entwickelt wurden, Silizium-Luft-Batterien, die konkurrenzlos günstig wäre, oder umweltfreundlichen Redox-Flow-Batterien, wie sie etwa das Liechtensteiner Unternehmen NanoFlowCell in seinen Elektroautos verbaut.

3. Wie weit kommt man?

Die zu erzielende Reichweite mit einer Batterieladung hängt von der Speicherkapazität der verbauten Batterie ab. Theoretisch wären erhebliche Reichweiten denkbar, die denen eines Autos mit Verbrennungsmotor entsprechen. Allerdings stehen dem die noch sehr hohen Herstellungskosten für die Akkus im Wege.

Die derzeit von Autoherstellern verbauten Traktionsbatterien bieten im Schnitt eine Reichweite von ca. 100 bis 600 km je Aufladung. Zu den reichweitenstärksten Autos gehören zwei Neulinge: das Model E von Tesla, das Ende 2017 auf den Markt kommen soll, und der Ampera-E von Opel.

4. Wie lange hält der Akku?

Die Lebensdauer der in Elektroautos verbauten Akkus ist begrenzt. Experten gehen davon aus, dass Lithium-Ionen-Batterien nach etwa 1.000 Ladevorgängen ausgewechselt werden müssen. Rechnet man mit einer Reichweite von 100 km je Aufladung, hält ein Akku somit rund 100.000 km lang. Je nach Nutzungsintensität des Fahrzeugs bedeutet dies eine Haltbarkeit von ca. fünf bis zehn Jahren.

Die oben genannten Akkus müssen erst aus der Testphase kommen, um eine belastbare Aussage zu ihrer Lebenszeit treffen zu können.

5. Wie viele Elektroautos fahren in Deutschland?

Im Januar 2017 waren in Deutschland knapp 55.000 Elektrofahrzeuge gemeldet. Damit machen die elektrisch betriebenen bzw. die Hybridfahrzeuge 0,1 Prozent aller in Deutschland zu diesem Zeitpunkt gemeldeten Wagen aus. Die meisten Elektrofahrzeuge gab es übrigens im Süden und Westen der Republik und in den Städten.

Deutschland hat aber noch einiges vor: Bis 2020 sollen die Hersteller nach dem Willen der Politik eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland auf die Straße bringen, vor allem Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender. 

6. Welche Länder gelten als Vorreiter der Elektromobilität?

Weltweit fuhren im Jahr 2015 rund 1,3 Millionen Elektrofahrzeuge umher, wie eine Studie des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) ergab. In dem Jahr fuhren die meisten E-Autos, nämlich rund 400.000, in den USA. Zweitgrößter Markt ist mittlerweile China, gefolgt vom kleinen Japan.

In Europa sind die absoluten Vorreiter die Niederlande, Norwegen und Frankreich. Ihre Bestandzahlen liegen für das Jahr 2016 zwischen 90.000 und 80.000 E-Fahrzeugen. Sie alle haben den Markt für Elektroautos durch finanzielle Anreize für Käufer geöffnet.

7. Was kostet ein Elektroauto?

Elektroautos sind in der Anschaffung noch deutlich teurer als Wagen mit reinem Verbrennungsmotor. Je nach Hersteller und Fahrzeugtyp muss man bis zu zweimal höhere Preise in Kauf nehmen. Und diese rechnen sich laut einer ADAC-Studie nur im Ausnahmefall. Denn auch wenn bei Elektroautos durch die fehlende Kupplung oder Auspuffanlage weniger Verschleißteile zu erneuern sind und dadurch geringere Werkstattkosten anfallen, können die Fahrzeuge durch den hohen Kaufpreis bei der Rentabilität, also den Kosten pro Kilometer, meist nicht mit benzin- oder dieselbetriebenen Autos mithalten.

Dafür gibt es in Deutschland aber den Umweltbonus, eine Kaufprämie für Elektrofahrzeuge, die hier beantragt werden kann. Für reine E-Fahrzeuge gibt es 4.000 Euro Prämie, für Plug-in-Hybride 3.000 Euro. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hält ein Dokument bereit, das alle förderfähigen Modelle auflistet. Spätestens 2019 läuft der Umweltbonus aus.

8. Hat man mit einem Elektroauto Sonderrechte?

Ja. Im Elektromobilitätsgesetz (EmoG), das im Juni 2015 in Kraft trat, werden Elektroautos Sonderrechte eingeräumt. Dazu zählen unter anderem reduzierte Parkgebühren, bevorzugte Behandlung bei Zufahrtsbeschränkungen, etwa solchen, die gegen Lärm und Abgase eingerichtet wurden, und eigene Parkplätze mit Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum.

9. Wo kann man das Fahrzeug aufladen?

Derzeit gibt es rund 7.000 Ladestationen in Deutschland. Diese vor allem in Ballungsgebieten und öffentlichen Parkhäusern zu findenden Stationen sollen in den nächsten Jahren auf bundesweit 70.000 aufgestockt werden. Die bisher 600 Schnellladepunkte sollen bis 2020 auf 7.100 anwachsen.

Eine interaktive Karte, wo es Ladesäulen in Deutschland gibt, veröffentlicht die Bundesnetzagentur. Aber auch dort sind nicht alle verfügbaren Stationen gelistet.

10. Wie umweltfreundlich sind Elektroautos?

Die Herstellung der in Elektroautos verbauten Batterien ist mit einem enormen Energieaufwand verbunden, der sich zunächst negativ auf die Gesamtenergiebilanz des Elektrofahrzeugs auswirkt. Außerdem sind die Autos nur so sauber wie der Strom, den sie nutzen. Solange dieser zu einem Großteil aus Kohlekraftwerken statt aus regenerativen Quellen bezogen wird, wirkt sich das negativ auf die Umweltbilanz von  Elektroautos aus.

Betrachtet man jedoch die gesamte Lebensdauer des Elektroautos, schneidet es hinsichtlich Treibhausgasausstoß und Energieverbrauch deutlich besser ab als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Elektromotoren stoßen keine Schadstoffe aus und machen auf Dauer unabhängig von fossilen Energiequellen. Letztlich ist aber auch der Verbrauch wesentlich: Je weniger Strom es je Kilometer braucht, desto mehr schont es die Umwelt.

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Von Nadine Kleber und Lisa Schneider
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kommentare
14.07.2017, 08:02 Uhr schirx
Punkt 10:
Beim Thema Elektroauto wird meist auf den umweltschädlichen Akku und auf unsauberen Strom beschränkt, was dann den Verbrennermotor wieder gut da stehen lässt.

Was meiner Meinung nach aber dann aussen vor gelassen wird:
- Verbrenner brauchen Treibstoff: von wo kommt der Treibstoff? Tankstelle, klar.
- Verbrenner brauchen einen zumeist jährlichen Ölwechsel: von wo kommt das Öl? Aus dem Shop, klar.

Wenn man den Energiebedarf für das Gewinnen von Erdöl, dessen Transport, die Raffinerie, wieder Transport ins Tankstellennetz etc. betrachtet, so glaube ich können wir alle mit Kohlestrom tanken und stehen immer noch grüner da.
Die giftigen Batterien, okay, das ist negativ. Allerdings gibts da auch bereits interessante Lösungen mittels Salzwasserbatterien.

17.07.2017, 13:21 Uhr alois
Hallo, wiedermal nicht sauber recherchiert:

Punkt 3.) Das muss Model 3 heissen, "Model E" ist schon lange obsolet, da Ford die Markenrechte beansprucht. Model 3 wird auch mit einer 3 geschrieben und nicht mehr mit drei waagerechten Strichen. Das Model S und X wurden ganz vergessen!!

Punkt 4.) Die Rechnung funktioniert nicht - es wird von 1000 kompletten Zyklen ausgegangen. Man lädt den Traktionsakku aber nie in einem vollen Zyklus sondern nur in Teilen von einem Zyklus! Damit verlängert sich die Lebensdauer erheblich - sonst würden Firmen wie BMW und Tesla nicht 8 Jahre Garantie auf den Traktionsakku gewähren!!

Punkt 9.) Auf die Seite der Bundesnetzagentur würde ich ganz zuletzt schauen! Warum werden nicht Initiativen wie Lemnet.org, Open Charge Map, Plugsurfing etc. verwiesen??!

Punkt 10.) Wieder das Mantra der Verbrennerlobby... E-Autos haben in der Herstellung meist einen ähnlichen, wenn nicht sogar den gleichen Carbon Footprint wie die Verbrenner. Nicht erörtert wurde, dass man die Traktionsakku's zu fast 100% recyclieren kann und das Autohersteller wie BMW und Tesla Energie aus regenerativen Energiequellen verwenden. Zum Rest schliesse ich mich meinem Vorredner an: Es muss eine Lagerstätte gefunden, ein Loch in die Erde gebohrt, dass Zeug rausgepumpt, transportiert, aufbereitet und wieder transportiert werden usw. das muss auch in die Rechnung rein. Ferner fehlt immer, dass der Elektroantrieb eine viel höhere Effizienz als ein Verbrenner hat - also mit den Resourchen viel sparsamer umgeht ...

Wie immer, wenn von E-Mobilität die Rede ist, wird viel Halbwissen verbreitet und Mythen die jeglicher Grundlage entbehren - eine Faktenklare Berichterstattung währe sehr wünschenswert!!

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