03.01.2014, 16:29 Uhr | 0 |

Verschlüsselungscodes knacken US-Geheimdienst forscht am Quantencomputer

Die NSA arbeitet offenbar an der Entwicklung eines Supercomputers. Mit diesem will der US-Geheimdienst alle gängigen Verschlüsselungscodes von Banken, Firmen und Regierungen knacken.

Die NSA sieht noch nicht genug. Ein Supercomputer soll helfen.
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Der amerikanische Geheimdienst NSA soll an der Entwicklung eines Supercomputers arbeiten. Das Ziel: alle gängigen Verschlüsselungscodes von Banken, Firmen und Regierungen knacken. 

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Wie die Washington Post unter Berufung auf Informationen des Whistleblowers Edward Snowden berichtet, plant die NSA den Bau eines funktionierenden Quantencomputers. Damit wäre der Geheimdienst in der Lage, das Schnüffeln auf ein vollkommen neues Niveau anzuheben. Denn gegen die Power eines solchen Rechners sind alle gängigen Verschlüsselungscodes machtlos, die knackt er in Sekundenschnelle.

Ein Quantencomputer kennt Millionen Zustände zwischen Null und Eins

Denn bei einem Quantencomputer gibt es für ein Bit nicht nur die Zustände Null und Eins, dort gibt es sogenannte Quantenbits, kurz QuBits genannt, die Millionen Zustände zwischen der Null und der Eins kennen. Deshalb kann ein solcher Quantencomputer Millionen Berechnungen gleichzeitig ausführen. Herkömmliche Computer aus der uns bekannten digitalen Welt führen alle Berechnungen streng seriell, also nacheinander aus. Ein Quantencomputer liefert deshalb millionenfach schnellere Rechenergebnisse.

NSA will alle Verschlüsselungen knacken

Laut Washington Post ist die Forschungsarbeit am Quantencomputer Teil eines rund 80 Millionen Dollar schweren Forschungsprogramms mit dem Titel „Penetration Hard Targets“, was übersetzt so viel wie „in harte Ziele eindringen“ bedeutet. Ziel des US-Geheimdienstes ist demanch ein Supercomputer, der so gut wie alle Verschlüsselungen etwa bei Banken, in der Forschung und auch von Regierungen knacken soll.

Die weltweite Quantenwissenschaftsgemeinde spekuliert ohnehin schon seit längerem darüber, ob die NSA am Quantencomputer forscht und wie weit sie mit ihrer Forschung fortgeschritten ist. „Es scheint unwahrscheinlich, dass die NSA der Welt so weit voraus ist, ohne dass es jemand weiß“, zitiert die Zeitung Scott Aaronson, Professor am Forschungszentrum Massachussets Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Seth Lloyd, Professor für Quantenmechanik am MIT sagte gegenüber der Washington Post: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die von der NSA angestrebte Art des Quantencomputers innerhalb der nächsten fünf Jahre haben werden.“

Kopf-an-Kopf-Rennen mit der EU und der Schweiz

Die der Zeitung vorliegenden Dokumente aus dem Snowden-Archiv legen nahe, dass die NSA über keinen nennenswerten Vorsprung gegenüber den wissenschaftlichen Forschungsgruppen in der Welt verfügt. Die NSA – so scheint es – liefert sich ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“ mit Forschungsprojekten, die von der Europäischen Union und der Schweiz unterstützt werden. Die neuen Enthüllungen zur doch ziemlich umfassenden Totalüberwachung der gesamten weltweiten Kommunikation kommen im Grunde wenig überraschend. Zu umfangreich ist der Datenschatz, den Snowden der NSA entwendet hat.

„Es wird noch weitere Enthüllungen geben“

Erst am vergangenen Freitag hatte Glenn Greenwald, enger Vertrauter von Edward Snowden, auf dem Eröffnungstag des 30. Jahrestreffen des Chaos Computer Club in Hamburg per Videoschaltung von Rio de Janeiro den rund 8000 Teilnehmer zugerufen: „Es wird noch viele weitere Enthüllungen geben.“ Und Greenwald muss es wissen, er hat den Gang an die Öffentlichkeit Edward Snowdens begleitet.

Und auch der Spiegel hat in seiner ersten Ausgabe 2014 Interessantes zu berichten – über die Hacker-Einheit TAO der NSA. Dieses „Office of Tailored Acces Operation“, übersetzt etwa „Büro für maßgeschneiderte Operationen“ ist so was wie die operative Speerspitze der NSA und wurde 1997 gegründet. NSA-Experte Mathew Aid bezeichnet die TAO als das „Wunderkind im amerikanischen Geheimdienstverbund“. Zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts, so schreibt der Spiegel, verschaffte sie sich Zugang zu 258 Zielen in 89 Ländern – fast rund um den Globus. 2010 liefen weltweit 279 Operationen.

Hacker-Werkzeugkasten Quantumtheory

Passend zur Nachricht über den Bau eines Quantencomputers durch die NSA sind die Berichte über den ausgefeilten TAO-Werkzeugkasten aus der digitalen Welt. Der Oberbegriff lautet „Quantumtheory“. „Bestimmte Quantum-Missionen haben eine Erfolgsquote von bis zu 80 Prozent, während Spam bei weniger als einem Prozent liegt“, zitiert der Spiegel aus einer NSA-internen Präsentation. Als Ziele sind genannt: Facebook, Yahoo, Twitter und YouTube. Oft geht es aber auch recht konventionell zu bei der TAO. Laut Spiegel gehört zu den „produktivsten Operationen“ der Elite-Hacker das Abfangen von Post. Bestellt eine für die TAO interessante Zielperson zum Beispiel einen neuen Rechner per Post, leitet die TAO die Lieferung in eine geheime Werkstatt um. Dort wird an einer Ladestation die gesamte Palette der NSA-Schadsoftware aufgespielt. Dann wird der Rechner zugestellt und kann nun bequem über das Internet überwacht werden. Ganz ohne Quantencomputer.

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Von Detlef Stoller
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