13.10.2014, 11:22 Uhr | 0 |

Whistleblower im Videochat Snowden greift Facebook, Google und Dropbox an

Edward Snowden bezeichnet Facebook, Google und Dropbox in einem aktuellen Videointerview als gefährlich. Der Whistleblower empfiehlt Alternativen wie Spideroak. Er warnt außerdem vor einem wirtschaftlichen Schaden für die USA durch die Aktivitäten der NSA.

Snowden spricht von einer Renaissance des kritischen Denkens
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Es gebe in der Gesellschaft weltweit eine Renaissance des kritischen Denkens, sagte Snowden im Interview. Er werde weiter daran arbeiten, das Spiel zu verändern. 

Foto: dpa

Entspannt, humorvoll, aber auch unerschütterlich hat sich Edward Snowden per Video bei einer öffentlichen Veranstaltung des Magazins The New Yorker präsentiert. Zugeschaltet per Video aus einem Hotelzimmer in Moskau – so jedenfalls die offizielle Angabe –, stand er mehr als eine Stunde lang einer Journalistin und dem Publikum Rede und Antwort. Und die Themen waren weit gefächert: Von Grundrechten bis zur ganz praktischen Frage, wie der normale Nutzer seine Daten schützen kann.

Snowden empfiehlt SpiderOak statt Dropbox

Snowdens Empfehlung klingt einfach: Dropbox loswerden, Facebook und Google nicht mehr nutzen. Als gefährliche Dienste bezeichnete er sie allesamt. „Dropbox zum Beispiel unterstützt keine Verschlüsselung und schützt eure Privatsphäre nicht. Nutzt Konkurrenten wie SpiderOak. Sie leisten genau dasselbe, aber sie schützen die Inhalte.“

Prinzip bei Spideroak ist, dass das Unternehmen selbst keinen Zugriff auf die hochgeladenen Daten der Nutzer hat, da sie vom Nutzer verschlüsselt werden – das sei auch mit richterlichem Durchsuchungsbeschluss nicht zu ändern. 

Snowden warnt vor Jobverlust in USA

Facebook und Google attestierte der frühere NSA-Mitarbeiter zwar, dass sie besser als früher seien, aber: „Sicher sind sie immer noch nicht.“ Dabei gebe es für viele Onlineservices heute leicht zugängliche Alternativen, auch fürs Handy: „Nehmt Sachen wie SilentCircle. Einfach herunterladen und nutzen“, sagte Snowden.

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Im Videointerview sagt Snowden, dass Dienste wie Dropbox die Privatsphäre der User nicht schützen. Er empfiehlt daher Alternativen wie Spideroak. 

Foto: dpa

Dass damit das Problem der allgegenwärtigen Bespitzelung nicht gelöst ist, weiß natürlich kaum einer so genau wie Snowden selbst. In dem Interview spielte er eine neue Karte aus: die ökonomische. Wenn jetzt beispielsweise Apple mehr Datensicherheit ankündige und die US-Behörden dagegen vorgingen, dann würden Konsumenten zum Beispiel in Deutschland eben andere Produkte kaufen. „Das wird uns in den USA Jobs kosten“, warnte Snowden.

Genauso hat sich erst vor wenigen Tagen Google-Chef Eric Schmidt geäußert. Er sieht gerade die amerikanischen IT-Unternehmen in einer großen Vertrauenskrise, die dazu führen wird, dass Kunden verloren gehen.

Snowden: Renaissane des kritischen Denkens

Ob dieses Argument die NSA beeindrucken wird, ist eher unsicher. Snowden, der in diesem Jahr den alternativen Nobelpreis erhalten wird, zeigte sich jedenfalls standhaft und kündigte an: „Ich werde weiter daran arbeiten, das Spiel zu verändern.“ Sich selbst bezeichnete er in dem Interview als kleinen Mann, als gewöhnlichen Menschen in ungewöhnlichen Umständen. Die Wirkung seiner Enthüllungen unterschätzt Snowden aber nicht: Es gebe in der Gesellschaft weltweit eine Renaissance des kritischen Denkens.

Verstärkt wird dieser wachrüttelnde Effekt womöglich, wenn man registrieren muss, dass die staatlichen Eingriffe sich nicht bloß in dieser abstrakten, virtuellen Welt abspielen. Was, wenn Agenten nicht bloß Telefonate abhören oder E-Mails abgreifen, sondern private Pakete öffnen? Echte, mit Karton und Klebeband?

Nach neuesten Enthüllungen des Snowden-Vertrauen Glenn Greenwald sollen NSA-Mitarbeiter bisweilen Lieferungen von Netzwerktechnik abfangen und die Waren mit Spionagesoftware ausstatten, bevor sie sie weiterverschicken. Und das nicht nur in den USA, sondern unter anderem auch in Deutschland.

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Von Werner Grosch
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