10.02.2014, 11:27 Uhr | 0 |

Aussage vor EU-Parlament Snowden beschaffte sich NSA-Daten mit konventionellem Webcrawler

Edward Snowden hat die Datenbanken der NSA offenbar mit einem konventionellen Webcrawler durchsucht. Das Computerprogramm kopierte weitgehend automatisch rund 1,7 Millionen Dokumente. Anfang März soll Snowden vor dem Innenausschuss des Europäischen Parlamentes aussagen und dafür möglicherweise in die EU einreisen.

Plakate mit Snowden
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Anfang März soll Snowden vor dem Innenausschuss des Europäischen Parlamentes aussagen. In welcher Form und wo dies stattfinden soll, ist noch unklar. 

Foto: dpa/Henning Kaiser

Wie die New York Times aktuell berichtet, hat der amerikanische Whistleblower Edward Snowden die streng geheimen Datenbanken der National Security Agency (NSA) mit einer preiswerten und einfach zugänglichen Software durchsucht. Die Times beruft sich in ihrem Bericht auf namentlich nicht genannte NSA-Mitarbeiter, die intern mit der Aufklärung der Affäre betraut sind. „Wir glauben nicht, dass eine Person vor dem Rechner saß und nacheinander diese großen Datenmengen heruntergeladen hat“, sagte der Informant. „Der Prozess muss weitgehend automatisiert abgelaufen sein.“

Bei Nachfragen konnte Snowden überzeugende Erklärungen liefern

Die sogenannten Webcrawler, oder Spider, sind Computerprogramme, die das Internet oder das World Wide Web untersuchen. Sie bewegen sich durch eingebettete Links von Seite und Seite und werden vor allem von Suchmaschinen wie Google oder Yahoo eingesetzt, um große Mengen von Webseiten zu durchforsten, zu indizieren und, wenn sie entsprechend programmiert werden, auch zu kopieren. Einen für seine Zwecke konfigurierten Webcrawler soll auch Edward Snowden verwendet und sich dabei weitgehend automatisch durch die internen Datenbanken der NSA bewegt haben. Auf ihrem Weg soll die Software, die im Bericht der Times nicht näher erläutert wird, rund 1,7 Millionen Dokumente kopiert haben.

Snwoden arbeitete seinerzeit in einer Außenstelle der NSA auf Hawaii. Während er dort seine tägliche Arbeit für die Computersysteme der Sicherheitsbehörde durchführte, lief sein konfigurierter Webcrawler vermutlich nebenher. Offenbar, so die Times, habe Snowden die Parameter für die Suche angepasst und zum Beispiel programmiert, nach welchen Themen der Webcrawler suchen und wie tief er den Links in den gefundenen Dokumenten folgen soll. Der NSA-Informant habe betont, so die Times weiter, dass dies nicht möglich gewesen wäre, wenn Snowden in der NSA-Zentrale in Fort Meade, Maryland gearbeitet hätte. Das Herunterladen von großen Datenmengen wäre dort mit Sicherheit aufgefallen.

Wenige Male sei Snowden trotzdem in Verdacht geraten, habe aber bei Befragungen überzeugende Antworten liefern können. Als Systemadministrator sei er auch für Routineaufgaben wie Datensicherung zuständig gewesen und konnte deshalb erklären, warum er große Datenmengen auf lokale Server verschoben habe. Die „Kultur“ der NSA habe ihm dabei in die Hände gespielt. Denn während sich die Organisation mit hohen elektronischen Hürden nach außen abschotte, sei die NSA nur unzureichend gegen Bedrohungen von Insidern gewappnet.

Noch unklar, wie und wo Anhörung vor dem EU-Parlament stattfindet

Unterdessen hat Edward Snowden eine Einladung des EU-Parlamentes angenommen und wird sich Anfang März den Fragen des Innenausschusses stellen. Der Wunsch Snowden zu  befragen, wurde bereits Anfang Januar mit großer Mehrheit im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres verabschiedet. Ob die Anhörung öffentlich übertragen wird und wo sie stattfindet, ist noch unbekannt. Eine Live-Schaltung aus Moskau, wo er sich derzeit im befristeten Asyl aufhält, hatte Snowden bisher abgelehnt, aus Angst, dass sein Aufenthaltsort dadurch herauskommen könnte. Wladimir Putin hatte die Gewährung an das Asyl außerdem daran geknüpft, dass Snowden den USA nicht weiter schaden dürfe. Informationen, die über das hinausgehen, was bereits veröffentlicht worden ist, könne es aus seinem russischen Asyl also nicht geben.

In sein Beraterteam hat Snowden inzwischen den Berliner Anwalt Wolfgang Kaleck, der unter anderem Generalsekretär des European Center for Constitutional and Human Rights ist, aufgenommen. Die Organisation setzt sich für die Strafverfolgung von Menschenrechtsverletzungen ein. Dem Tagesspiegel sagte Kaleck, dass Snowden und er sich bei einem dreitägigen Treffen in Moskau kennengelernt hätten. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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