27.01.2014, 13:00 Uhr | 0 |

HbbTV als Spionage-Tool Smart-TVs übertragen Fernsehgewohnheiten an Google

Smart-TVs schicken Daten an Sendeanstalten, TV-Hersteller und die Datenkrake Google. Das fanden Experten des Computermagazins c`t in Laborexperimenten heraus. Möglich wird die Spionage durch HbbTV, den Nachfolger des klassischen Videotextes. 

Im Fernsehen läuft Fußball.
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Unbemerkt spionieren Smart-TVs die Fernsehgewohnheiten der Menschen aus. Möglich macht das HbbTV, der Nachfolger des klassischen Videotextes, der Fernsehen und Internet miteinander verbindet. 

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Wer ein Smart-TV sein eigen nennt und abends gemütlich das Fernsehprogramm genießt, ist dabei nicht immer unbeobachtet. Für die Sendeanstalten ist der Bildschirm wie ein durchsichtiger Spiegel. Sie registrieren genaue Fernsehgewohnheiten des Nutzers: wann er den Fernseher anschaltet, welches Programm er wählt und wann er umschaltet. Zu diesem Ergebnis kommt das Fachmagazin c´t, das aktuelle Smart-TVs im Labor untersucht hat.

Hersteller scheinen dabei die Tatsache auszunutzen, dass Besitzer von Smart-TVs noch wenig Erfahrung mit der neuen Geräte-Generation haben. So bringt es bereits die Werkeinstellung mit, dass Fernseher Daten an Sendeanstalten, TV-Hersteller und sogar an Google schicken. Der Nutzer muss dabei weder eine spezielle Online-Funktion aktivieren noch diesem Datenverkehr zustimmen.

Online-Funktion wird bei LG zur Farce

Selbst wenn der Nutzer Online-Funktionen ausschaltet, ist er noch lange nicht auf der sicheren Seite. Das beweist LG. Der südkoreanische Fernsehhersteller hat bereits vor einigen Wochen gestanden, dass Fernseher in dieser Hinsicht eigenständig arbeiten. „Wir haben verifiziert, dass auch bei Abschaltung dieser Funktion durch die Zuschauer weiterhin Informationen zum Sehverhalten weitergegeben werden, obwohl die Daten vom Server nicht gespeichert werden“, schreibt LG in einer Stellungnahme. „Derzeit wird ein Firmware-Update zur sofortigen Auslieferung erstellt, so dass bei ausgeschalteter Funktion keine Daten übertragen werden.“

Auf die Schliche gekommen war LG ein britischer Blogger. Er stellte fest, dass Werbung auf der Startseite seines Fernsehers personalisiert war. Im Einstellungsmenü deaktivierte er daraufhin die Option „Collection of watching info“. Da er dieser Option nicht traute, führte er anschließend eine Traffic-Analyse durch. Diese ergab, dass das Gerät immer noch Daten übermittelte. Schlimmer noch: Es waren auch Daten erhalten, die von seinem angeschlossenen USB-Stick stammten.

HbbTV ist Grundlage der Spionage

Doch wie wird dieser Datentransfer überhaupt möglich? Verantwortlich ist das sogenannte Hybrid broadcast broadband TV (HbbTV). Dabei handelt es sich um den Nachfolger des klassischen Videotextes, der Fernsehen und Internet miteinander verschmilzt. Sobald das Smart-TV mit dem Internet verbunden ist, kann es auf Zusatzfunktionen der Programmanbieter zugreifen. Bei der ARD erscheint neben dem eigentlichen Programm beispielsweise eine Navigationsleiste, in der sich aktuelle Nachrichtenmeldungen abspielen lassen. Fernsehen auf Abruf nennt man das auch.

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Von Patrick Schroeder
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