05.02.2014, 14:25 Uhr | 0 |

NSA-Spionage Schon Altbundeskanzler Schröder saß in der Abhörfalle

Die NSA hat offenbar schon 2002 den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder abgehört, nachdem dieser sich kritisch zum Irakkrieg geäußert hatte. Experten sehen darin den Beweis, dass das Abhörprogramm des US-amerikanischen Geheimdienstes nicht Merkel speziell, sondern generell der Funktion des Bundeskanzlers gilt. Das dürfte US-Präsident Barack Obama erneut in Erklärungsnot bringen.

Gerhard Schröder
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Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder besaß zwar kein eigenes Handy. Doch Telefon im Dienstwagen, geliehene Handys von Sicherheitsbeamten und das Festnetz zu Hause öffneten der NSA genügend Möglichkeiten, ihn abzuhören. Er selbst gibt sich rückblickend erstaunlich gelassen.  

Foto: dpa/Tim Brakemeier

Kaum lodern die Flammen im NSA-Skandal um das Merkel-Handy etwas niedriger, fließt neues Öl ins Feuer. Nach Medienberichten hat die NSA bereits Altkanzler Gerhard Schröder ausspioniert..Er geriet ins Visier der Agenten, nachdem er die Vorbereitungen des ehemaligen Präsidenten George W. Bush auf den Irakkrieg kritisiert hatte. „Wir hatten Grund zur Annahme, dass der Vorgänger der Kanzlerin nicht zum Erfolg der Allianz beitrug“, zitiert die Süddeutsche Zeitung einen Geheimdienstler, der damals an exponierter Stelle Dienst tat. Grünen-Abgeordneter Hans-Christian Ströbele bestätigt die Rechercheergebnisse der Zeitung. Er hatte erst vor kurzem den Whistleblower Edward Snowden im Moskauer Asyl getroffen. Offenbar war auch der damalige Außenminister Joschka Fischer auf der Abhörliste – ebenfalls wegen seiner kritischen Position zum Irakkrieg.

Schröder war Zielperson Nummer 388

Auf den ersten Blick erscheint Schröder als relativ komplizierte Zielperson. Denn der damalige Bundeskanzler besaß anders als Merkel kein eigenes Handy, machte kein Online-Banking, war weder auf Facebook noch Twitter aktiv und ließ seine Homepage von Fachleuten absichern. Doch auf den zweiten Blick gab es für die NSA genügend andere Hintertürchen: Unterwegs telefonierte Schröder aus dem Auto, er lieh sich Handys von Sicherheitsbeamten, er benutzte zu Hause in Hannover das Festnetz. Trotz der neuen Enthüllung gibt sich der Altkanzler, der unter der Nummer 338 auf der Abhörliste der NSA stand, erstaunlich gelassen. „Damals wäre ich nicht auf die Idee gekommen, von amerikanischen Diensten abgehört zu werden; jetzt überrascht mich das nicht mehr.“

Abhörprogramm der NSA gilt der Funktion des Bundeskanzlers

Die neuen Enthüllungen geben wichtige Hinweise auf die tatsächliche Taktik der NSA. Papiere von Edward Snowden nennen das Jahr 2002 als Beginn der Lauschaktion und gleichzeitig den Namen Angela Merkel. Bislang ging man davon aus, dass der Geheimdienst erstmals vor zwölf Jahren das Handy der damaligen CDU-Abgeordneten angezapft hat. Doch nun erklären Experten das Papier neu: Vor dem aktuellen Hintergrund zeige das Dokument, dass seit 2002 der jeweilige Kanzler Zielperson des Lauschangriffs war. Der Auftrag des Abhörprogramms habe also von Beginn an der Funktion gegolten, nicht einzelnen Personen. Demnach habe Merkel ab 2005 als Nachfolgerin Schröders auch dessen Platz auf der NSA-Liste übernommen.

Gerät Obama erneut in Erklärungsnot?

Barack Obama könnte nun erneut in Erklärungsnot geraten. Erst vor kurzem hatte der US-amerikanische Präsident erklärt, die Kanzlerin müsse sich keine Sorgen über das Abhören ihres Handys machen. Die durch Vertrauen und Freundschaft geprägten Beziehungen zu Angela Merkel dürfe er nicht durch Überwachungsmaßnahmen beschädigen. Gleichzeitig gestand er ein: „Unsere Geheimdienste werden weiterhin Informationen über die Absichten von Regierungen weltweit sammeln.“

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Von Patrick Schroeder
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