09.02.2015, 13:09 Uhr | 0 |

Wegen Sprachsteuerung Lauschangriff aus dem Samsung-Fernseher

Soweit ist es nun schon gekommen: Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung warnt seine Kunden in den Lizenzvereinbarungen davor, dass das neue Smart-TV-Gerät jedes im Wohnzimmer gesprochen Wort aufzeichnet und an Drittanbieter verschickt. Hintergrund ist die Sprachsteuerung der Geräte.

Smarter Samsung
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Smart ist offenbar das Gegenteil von verschwiegen: Samsung warnt seine Kunden in den Lizenzvereinbarungen, die neuen smarten TV-Geräte zeichneten jedes im Wohnzimmer gesprochene Wort auf. Und verschickten sie an Drittanbieter. 

Foto: Samsung

Dieser Satz in den Lizenzvereinbarungen von Samsungs neuen Smart-TVs lässt buchstäblich aufhorchen, denn es geht um das gesprochene Wort im Wohnzimmer: „Bitte beachten Sie, dass Ihre gesprochene Worte, auch wenn diese persönliche oder andere sensible Informationen sind, aufgezeichnet und an einen Drittanbieter verschickt werden.“

Hintergrund dieser schon recht unverhohlenen Warnung ist die Technik der Spracherkennung und -steuerung der neuen smarten Flimmerkisten. Wer zum Beispiel halbwegs verständlich „Volume up“ in Richtung des Fernsehers sagt, der erhöht die Lautstärke am verstehenden Fernseher. 

Samsung übernimmt keine Verantwortung für die Drittanbieter

Das ist schön für den bewegungsarmen Zeitgenossen, dem schon der Griff zur Fernbedienung viel zu anstrengend und lästig ist. Schlecht daran ist allerdings, dass alles, was so im Wohnzimmer gesprochen wird an den unbekannten Drittanbieter geht. Liebesbekundungen inklusive. Besonders schlecht daran ist, dass Samsung in der gleichen Lizenzvereinbarung erklärt: „Samsung ist nicht verantwortlich dafür, wie diese Drittanbieter Privatsphäre- und Sicherheitsmaßnahmen umsetzten.“ 

Samsung verschlüsselt die übertragenen Daten

Samsung gibt sich damit in Sachen Datenschutz bemerkenswert nonchalant. Zwar erklärt der südkoreanische Elektronik-Riese: „Samsung nimmt die Privatsphäre der Kunden sehr ernst. In all unseren Smart-TVs sind standardgemäße Sicherheitsvorkehrungen eingebaut, darunter Datenverschlüsselung, um die persönlichen Informationen der Kunden zu schützen und unerlaubte Datenerhebungen zu verhindern.“

„Wenn ich Kunde wäre, würde ich gerne wissen, welche Firmen diese Daten erhalten und wie die Informationen übertragen werden“, erklärte Corynne McSherry von der Elektronic Frontier Foundation, einer Nichtregierungsorganisation mit Sitz in San Francisco, die sich für Grundrechte im Informationszeitalter einsetzt, gegenüber The Daily Beast. Das US-amerikanische Internet-Magazin für Nachrichten und Meinungen hatte die Lizenzvereinbarungen der Samsung-Fernseher der neuen Generation Ende der vergangenen Woche veröffentlicht.

Nutzer tragen die Verantwortung

Selbstverständlich ist jeder Nutzer eines technischen Gerätes oder einer Dienstleistung gehalten, die Lizenzvereinbarungen zu lesen. Denn fast immer kann man dort erfahren, welche Rechte man als Kunde an den Hersteller oder Anbieter abtritt. Doch ist es nahezu unmöglich, in allen Fällen diese Bestimmungen wirklich zu lesen.

Nach Schätzungen von Forschern der Carnegie Mellon University in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania, umfasst die mittlere Länge der Datenschutzbestimmungen der Top-75-Webseiten 2514 Wörter. Bei einer mittleren Lesegeschwindigkeit in komplizierten Texten, wie etwa Datenschutzbestimmungen oder Lizenzvereinbarungen, kostet es eine Person rund zehn Minuten,  diese zu lesen.

Das Lesen aller Bestimmungen kostet 76 Arbeitstage

Daraus ergibt sich eine bemerkenswerte Zahl: Wer alle Datenschutzbestimmungen der Webseiten durchliest, die er an nur 25 Tagen im Jahr besucht, ist bei einem Acht-Stunden-Arbeitstag als Berechnungsgrundlage ganze 76 Arbeitstage mit dem Lesen beschäftigt. So dürfte klar sein, dass kaum jemand alles das liest, was für seine Datensicherheit relevant ist.

„TV-Besitzer können ihren TV vom WiFi-Netzwerk trennen“

Etwas schmallippig erklärte Samsung gegenüber The Daily Beast, dass die „Spracherkennung, die dem Benutzer die TV-Steuerung mit Sprachbefehlen ermöglicht, eine Samsung Smart TV-Funktion ist, die vom Benutzer aktiviert oder deaktiviert werden kann.“ Werksseitig voreingestellt ist diese Funktion allerdings aktiviert. Absurd wird der Hinweis der Südkoreaner, dass „die TV-Besitzer auch ihren TV vom WiFi-Netzwerk trennen können.“ Smart geht wohl anders.

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Von Detlef Stoller
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