16.07.2013, 14:45 Uhr | 0 |

Spionage im Netz Kim „Dotcom“ Schmitz fordert die NSA heraus

Der rechtskräftig verurteilte Kim Schmitz will über seinen Datei-Hoster Mega einen webbasierten Messenger für die sichere verschlüsselte Kommunikation veröffentlichen. Später sollen eigenständige Apps dazukommen und ein verschlüsselter Mail-Service.

Kim Dotcom gemalt
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Ganz großes Kino: Kim Dotcom will für die Sicherheit von E-Mails sorgen.

Bildquelle: Kim Dotcom

Hauptsache man bleibt im Gespräch. So verkürzt kann man die Nachricht erzählen, dass ausgerechnet der Betreiber der inzwischen abgeschalteten Sharehoster-Seite Megaupload, Kim „Dotcom“ Schmitz, nun einen webbasierten Messenger für verschlüsselte Kommunikation anbieten will. Wurde der am 21. Januar 1974 in Kiel geborene und in Neuseeland lebende Internetunternehmer doch wegen Insiderhandels, Hehlerei, Datenausspähung und Computermanipulation rechtskräftig verurteilt.

Nun soll der Nachfolger von Megaupload, der von Kim Schmitz so unglaublich kreativ genannte Datei-Hoster Mega, innerhalb von vier bis sechs Wochen am Start sein und sichere End-to-End-Verschlüsselung bieten. Am Sonntag, den 20. Januar 2013 um exakt 6:48 Uhr neuseeländischer Zeit startete Mega mit großem Spektakel: Da tanzen Maori ihre furchteinflößenden Tänze, Dunkelmänner stürmen die Bühne, Hubschrauber fliegen ein. Dann wird er angekündigt, der „Megamann des Megamoments“. Kim Schmitz ruft ein tiefkehliges „STOP!“ und macht dem Spuk ein Ende. So feinsinnig erinnert der Megamann „Dotcom“ an die Razzia, die exakt ein Jahr davor seiner Seite Megaupload das Ende bescherte.

„Bigger. Better. Faster. Stronger. Safer.“

Es steht wohl außer Frage: Der ehemalige Besucher der Heinrich-Harms-Hauptschule in Plön kann nicht kleiner. „Bigger. Better. Faster. Stronger. Safer.“ – So wird man auf dem Mega-Portal beim Seitenaufruf im multiplen Superlativ förmlich angeschrien. Dort kann der interessierte Cloud-Nutzer schnell ein kostenfreies Nutzerprofil einrichten, welches ihm 50 Gigabyte freien Cloud-Speicher bietet. Das ist eine Menge, es ist mehr Gratis-Cloud-Speicher, als ihn Google, Microsoft, Apple und Dropbox zusammen anbieten. Allerdings bietet die Deutsche Telekom über ihr Mediencenter jedem E-Mail-Account 25 Gigabyte freien Cloud-Speicher für Fotos, Videos und andere Dokumente an. Die Server der Deutschen Telekom stehen in Deutschland, das sollte nicht übersehen werden.

Viel Cloud fürs Geld

Wer bereit ist, Geld für den Cloud-Speicher von Mega in Auckland, Neuseeland auszugeben, der bekommt Platz ohne Ende. Für 9,99 Euro im Monat kann der Kunde über 500 Gigabyte bei einer Bandbreite von einemTerabyte verfügen, für 19,99 Euro wächst das Ganze auf zwei Terabyte Platz bei einer Bandbreite von vier Terabyte an und endet für 29,99 Euro im Monat bei vier Terabyte Platz mit acht Terabyte Bandbreite. Mega wirbt damit, dass all die wichtigen Kunden-Daten mit „militärischer“ Sicherheit, derzeit mit einer Verschlüsselungstiefe von 2048 Bit verschlüsselt werden. Das funktioniert dank HTML5-Technik ohne zusätzliche Software direkt im Browser. Kein anderer habe damit Zugang zu den Daten – weder Behörden, noch der Betreiber, sagt Kim Schmitz.

Nicht wirklich zusammen passen zu dieser Aussage die Mega-Geschäftsbedingungen: Danach speichert Mega „Kommunikations-Logs, Verkehrsdaten, Website-Benutzung und andere Informationen, die wir benötigen, um die Dienste bereitzustellen“ – einschließlich der Dateien, die es für das Einspielen von Werbung benötige und der benutzten IP-Adressen. Auch „jede persönliche Information in hochgeladenen Dateien“ werde gespeichert.

Schmitz gegen Prism und Tempora

Der Dienst mit diesen Geschäftsbedingungen will nun also einen Messenger anbieten, der den amerikanischen Geheimdienst National Security Agency NSA mit seinem Spähprogramm Prism und den britischen Geheimdienst Goverment Communications Headquaters GCHQ mit seinem Spionageprogramm Tempora das Spionieren unmöglich macht. Zunächst soll dieser Messenger Web-basiert sein, also im Browser laufen. Später sollen Apps und die Verschlüsselung von E-Mails folgen. Diese will Kim „Dotcom“ Schmitz in zwei oder drei Monaten fertig haben.

Der Vorstandschef von Mega, Vikram Kumar hat diese Pläne alle bestätigt und sucht derzeit noch Entwickler für diese Projekte. Der Mega-Chef sagt, dass die Entwicklung der verschlüsselten Dienste auf den zahlreichen Wunsch der Kunden geschehe. Er spricht von einem laufenden Krypto-Krieg, in dem Behörden und Regierungen versuchen werden, die Möglichkeiten zur Verschlüsselung einzuschränken. Vikram Kumar war vor seiner Berufung auf den Chefposten bei Mega für die neuseeländische Standardisierungsorganisation InternetNZ, die Regierung von Neuseeland und der Telekom New Zealand tätig.

Kim „Dotcom“ Schmitz findet seinen Hoster „juristisch wasserfest“

Er sagt, dass er nach der E-Mail von Mega-Gründer Kim Schmitz mit dem Jobangebot gedacht habe: „Großartige Möglichkeit, aber riskant.“ Erst nach einem Besuch in der Villa von Schmitz habe er „einen anderen Blickwinkel auf Mega gefunden.“ Riskant ist der Job als Mega-Chef wohl in der Tat. Auch wenn Kim Schmitz das ganz anders sieht: Wir haben die Angriffspunkte der Anklage genau analysiert, das ist juristisch wasserfest.“

Mega Encrypted Global Access, oder kurz Mega, nennt sich selber „The Privacy Company“ und hat inzwischen 2,5 Millionen registrierte Nutzer. Bei seinem Start im Januar warteten offenbar eine ganze Menge Menschen gierig darauf, dass Mega an den Start geht. Ein halbe Millionen Nutzer in 14 Stunden verzeichnete der Sharehoster. „So etwas gab’s noch nie“, jubelte Kim „Dotcom“ Schmitz damals. Das stimmt so nicht: Facebook etwa gewann zwischen Dezember 2010 und November 2011 rund 160 Millionen neue Nutzer. Das sind gut 484 000 pro Tag oder 282 000 in 14 Stunden.

Von Detlef Stoller
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